23.08.2015

Buchrezension: ALIEN - River of Pain (Der verlorene Planet)

Name: ALIEN: River of Pain
Autor: Christopher Golden
Erscheinungsdatum: bereits erhältlich (Deutsche Übersetzung erscheint im März 2016 unter dem Titel "Der verlorene Planet")
Verlag: Titan Books
Preis: ca. 8€

Die Story:
Bevor Ellen Ripley und die Colonial Marines die Kolonie "Hadley's Hope" auf Acheron (LV426) in ALIENS aufsuchen, um durch den Fleischwolf gedreht zu werden, hat sich bereits ein Massaker ereignet. Mindestens 200 Kolonisten waren bei der Ankunft des vermeintlichen Rettungsteams von den Aliens ausgelöscht worden. Im Gegensatz zur Kinofassung hat der Extended Cut des ALIEN-Sequels ein wenig mehr darüber enthüllt, wie die Kolonisten mit den Xenomorphen in Berührung gekommen sind. In River of Pain wird die ganze Geschichte erzählt. 
Protagonist des ganzen ist Demian Brackett, der neue Captain der Colonial Marines auf LV426. Frisch auf Ancheron angekommen muss Brackett sich nicht nur mit widerspenstigen Marines und Kolonisten am Rande des Wahnsinns auseinandersetzen: seine ehemalige Flamme, Anne Jorden, hat in der Kolonie eine kleine Familie gegründet. Für die jenigen, denen der Name entfallen sein sollte oder denen die den Extended Cut von Aliens nicht gesehen haben sollten, sei gesagt, dass ausgerechnet die Jordens das Alien-Schiff gefunden haben: Daddy wird von einem Facehugger besprungen, weitere Marines und Wissenschaftler wollen sich das Wrack ansehen und werden auch "geschwängert". So verseucht man eine Kolonie. Noch ein Problem auf Brackets Teller.

Das Buch:
Allem voran: Mir auch das dritte Buch der Reihe gefallen. Durch das bekannte Setting fühlt man sich von vornherein wie "zu Hause".
Was manchen lesern allerdings sauer aufstoßen könnte, ist der Ansatz das auch dieses Buch eine kleine willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit [Übersetzung für "suspension of disbelief"] vom Leser erwartet. In Out of the Shadows sollte man einfach "glauben", dass Ripley zwischen den ersten beiden Filmen in noch ein Scharmützel mit den Aliens verwickelt war und in River of Pain soll man hinnehmen, dass Wissenschaftler und Clolonial Marines auf LV426 eingesetzt waren. "Sea of Sorrows" erwartet vom Leser zu akzeptieren, dass es Alien: Die Wiedergeburt gegeben hat, was eine ganz andere Problematik darstellt.

Die Prämisse von River of Pain finde ich weitaus einfacher zu akzeptieren. Immerhin wurde den Protagonisten in Aliens nur so viel verraten, wie sie auch wissen durften. Mittlerweile wissen wir als Zuschauer/Leser, dass die Weyland Yutani Corporation nicht sonderlich freigiebig ist, was Informationen angeht. 
Die Annahme, dass Wissenschaftler und Marines die Kolonie mit besiedelt haben könnten macht zumindest durchaus Sinn. Immerhin dürfte jedem klar sein, dass die Firma wusste, was auf die Kolonisten warten würde. Für den Fall der Entdeckung des Alien-Schiffes braucht man Wissenschaftler und Marines um die Forschung jener Wissenschaftler zu schützen. Kein wirkliches inhaltliches Problem also.

Was ich am dritten Teil der Reihe "überraschend" fand, war der Anzatz, den Golden hier gewählt hat: den Hauptcharakter in das persönliche moralische Dilemma zu werfen, dass er sich nicht eingestehen kann/will ob er sich nun tatsächlich wegen seiner Verflossenen auf Achron versetzen lassen hat oder nicht. Eine menschliche nachvollziehbare Note, die man so nicht unbedingt in einem Alien-Roman erwartet hätte. Positiv sei dabei noch zu erwähnen, dass der Autor es gekonnt geschafft hat dabei nicht den Kitsch zu streifen.
Neben dieser "Romanze" findet sich noch das eine oder andere Trope, das leicht lästig werden kann und die Story einfach nur schwerer macht als sie sein müsste. Beispiel: Der neue Captain muss sich mit aufsässigen Untergebenen herumplagen. Ich war beim Lesen sehr dankbar für die gekonnte und organische Lösung dieses Konflikts.

Generell muss ich sagen, dass ich an River of Pain deutlich mehr Spaß hatte als an Sea of Sorrows. Grund dafür ist der deutlich gradlinigere Lesefluss (Wortspiel!). Golden hat sich damit zufrieden gegeben nur maximal zwei Haupterzählstränge zu verfolgen, und nicht zu viele Charaktere über mehrere Plot-Ebenen gleichzeitig balancieren zu lassen. Auch ein deutliches Plus im gegensatz zum Vorgänger: man weiß wer wer ist. Bei Sea gab es fast nur Marines und diese waren nur schwer von einander zu unterscheiden. Ging mir zumindest so. Wäre die beiden Truppen von Soldaten nicht zur gleichen Zeit in ähnlichen Umgebungen unterwegs gewesen, wäre der Plot wahrscheinlich einfacher nachzuvollziehen gewesen. River of Pain punktet da deutlich höher als Sea of Sorrows.

Besonders positiv sei noch zu erwähnen, dass ich nicht das Gefühl hatte etwas zu lesen, was ich eigentlich schon vorher wusste. Immerhin sieht man ja in ALIENS wo das Szenario des Buches unweigerlich hinführen wird. Man sollte sich nicht zu viele Illusionen über das Schicksal der Kolonie machen. Hier wird keine Geschichte umgeschrieben. Auch wenn es bei so manchem für einen schlechten Beigeschmack sorgen dürfte, möchte ich hier eine kleine Parallele zum Prequel zu John Carpenter's "The Thing" ziehen: Man hat es sehr gut geschafft sich an Anhaltspunkten der Vorlage entlag zu hangeln und dabei eine gute Geschichte zu erzählen, die einen tatsächlich noch stellenweise überraschen kann. [Offensichtliche Schwächen von "The Thing" (2011) klammere ich hier mal aus.]

Fazit:
River of Pain ist ein guter Abschluss für Titans 2014er Alien-Reihe. Chronologisch gesehen, hätte das Buch zwar der zweite Teil sein müssen, aber wat willste machen?
Über Christopher Golden Beitrag zu Serie kann ich genauso wenig "meckern" wie über Tim Lebbons Out of the Shadows. Solide geschrieben, nicht zu trocken, nachvollziehbare Charaktere und Motivationen und es gibt genug Punkte, an denen künftige Bücher anknüpfen könnten. Passt.

7,5von10


[Wie schon in meiner Review zu Sea of Sorrows erwähnt, wird auch dieses Jahr eine neue Roman-Trilogie starten: "Rage War". Dieses Mal werden alle Bücher von Tim Lebbon geschrieben und werden "Predator: Incursion", "Alien: Invasion" und "Alien vs. Predator: Armageddon" heissen. Das erste Buch erscheint Ende September. Bin gespannt.]

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