14.07.2014

Buch-Rezension: ALIEN - Out of the Shadows (In den Schatten)

Name: ALIEN: Out of the Shadow
Autor: Tim Lebbon
Erscheinungsdatum: bereits erhältlich (Deutsche Fassung ab November 2014)
Verlag: Titan Books
Preis: ca. 6€


Als Fanboy der Alien-Saga warte ich (Prometheus mal ausgeklammert) seit Ewigkeiten auf neue Filme in der Reihe. Irgendwem bei 20th Century Fox scheint es ähnlich zu gehen, denn zum 35. Jubiläum von ALIEN hat man Titan Books nicht nur die Erlaubnis (den Befehl?) erteilt, Alan Dean Fosters Filmromane neu aufzulegen, man hat auch drei komplett neue Geschichten in Auftrag gegeben: Out of the Shadows von Tim Lebbon (erschienen im Januar) Sea of Sorrows von James A. Moore (erscheint Ende diesen Monats) und River of Pain von Christopher golden (erscheint im November).
Mit dem offiziellem Siegel von FOX wirken derartige Projekte (zumindest auf mich) weitaus interessanter als Bücher, die mal eben so von irgendeinem Verlag rausgehauen werden. Vor allem mit dem Anspruch zum offiziellem Kanon der Filme zählen zu wollen, hat man mich neugierig gemacht. 

Achtung: Diese Review beinhaltet leichte bis gravierende Spoiler in Bezug auf die Filme ALIEN und ALIENS. 

Die Story:
Der Minenfrachter Marion hängt unbekümmert im Orbit des Planeten LV178, bis beide Shuttle des Bodenpersonals zeitgleich fluchtartig zurückkehren. Das erste Shuttle kollidiert mit der Marion und richtet massive Schäden bei Schiff und Crew an. Aus dem Cockpit des zweiten Shuttles wird der Crew der Marion ein grausamer Anblick per Live Feed presentiert: die Rückkehrer platzen nacheinander auf und kleine Parasiten schlüpfen aus ihren Brustkörben. Das Shuttle landet im Hangar der Marion und seine totbringede Fracht wartet auf seine nächsten Opfer. Angeführt von Chris "Hoop" Hooper kann die Mannschaft der Marion nichts weiter tun als ein Notsignal zu senden, das Shuttle abzuriegeln, den Parasiten beim Wachsen zu zusehen und auf Rettung zu warten. 
Einige Wochen später erscheint ein Rettungsboot auf dem Radar der Marion, doch Anstatt einer Bergungsmannschaft finden der Rest der Crew an Bord der Narcissus eine einzelne Frau im Hyperschlaf: Ellen Ripley, die einzige Überlebende des Desasters auf der Nostromo.
Die Tatsache, dass Ripley schon mit den übel gelaunten Aliens zu tun hatte, hilft nicht gerade dabei, die Situation zu entschärfen, denn das Schiff ist im Begriff seinen Schäden zu erliegen und droht in der Atmosphäre von LV178 zu verglühen. Außerdem gibt es nur noch ein nutzbares Rettungsboot - Ripleys Schiff - und selbst wenn man darin die Flucht antreten will, braucht man Vorräte und Treibstoffzellen, die jeweils unten auf dem alienverseuchten Planeten gelagert werden. 
Es gibt also nur eine Möglichkeit zu fliehen: die Aliens aus dem Shuttle locken und töten, mit dem Shuttle auf dem Planeten landen und die ensprechenden Vorräte aus der Mine bergen. Klingt doch einfach...

Das Buch:
ALIEN: Out of the Shadows ist zeitlich zwischen ALIEN und ALIENS angesiedelt. Mich hat die Wahl dieses Settings zunächst stutzig bzw. skeptisch gestimmt. Immerhin ist es eine ziehmlich halzbrecherische Aktion den bereits etablierten Kanon so zu unterwandern, dass es hinterher auch noch Sinn ergibt. Lesern des Star Wars Expanded Universe dürfte es nicht neu sein, dass Geschichten in allen möglichen Formen veröffentlicht werden, die darauf beruhen zwischen den bekannten Filmen zu spielen. Schließlich trennen die Filme mehrere Jahre, da passt theoretisch noch einiges rein. 
Aber: Im Gegensatz zu Star Wars fließen die (ersten 3) Alien-Filme nahtlos ineinader... oder vielleicht doch nicht? 

Tim Lebbon hat es geschafft mit "Out of the Shadows" ein "gewagtes" Gedankenexperiment  in einen knackigen 300-nochwas-Seiten-Roman zu packen, den man nicht aus der Hand legen will. Ohne Mist. Wenn ich nicht zwischendurch noch andere Sachen zu tun gehabt hätte  (wie Schlafen, Essen, Uni, Eltern beim Umzug Helfen etc.) hätte ich das Buch an einem statt an sechs Tagen durchgelesen. Sobald man sich auf die Idee hinter der Story einlässt, kann man wirklich viel Spaß mit der Geschichte haben.
Der Roman fühlt sich an wie ein Amalgam der ersten 3 Alien-Teile in dem Elemente der Filme zusammenführt werden um daraus etwas komplett eigenes zu schaffen. Wer mal ALIEN Trilogy auf Playstation gezockt hat, versteht wahrscheinlich noch besser was ich meine. Würde ich hier weiter ins Detail gehen, würde ich ich schon in Spoiler-Gefilde abrutschen.

Wer den Anfang ALIENS kennt, kann sich schon vorstellen, welchen Kurs Out of the Shadows gegen Ende einschlagen dürfte: Zum Schluss muss Ripley irgendwie wieder in ihrer Rettungskapsel landen und ins Nichts geschickt werden.
An dieser Stelle werde ich nicht verraten ob außer Ripley noch jemand irgendwie überlebt oder nicht. Darum geht es auch nicht wirklich. Wichtig ist, dass die neuen Charaktere im Buch tatsächlich Charaktere sind. Anstatt aus jeder Figur nur Kanonenfutter #1, #2, #3 und so weiter zu machen hat Lebbon sich dafür entschieden jeden zu behandeln wie einen Charakter dessen Ende nicht feststeht. Dies ist ein wichtiger Punkt, den sich das Buch deutlich mit ALIEN und ALIENS teilt. Auch wenn man ein bitteres Ende für die Crew der Nostromo oder für die Colonial Marines ahnt/geahnt hat, nehmen einen die Schicksale schon irgendwie mit. (*der Autor vergießt ein imaginäres Bier für William "Game over, man! Game over!" Hudson im Rinnstein*)
Ein Punkt der mir in einem Buch das im Alien-Universum spieltbesonders wichtig war, wurde so gut gehandhabt wie nur irgendwie möglich: Gender-Politik. In den Filmen hat das Geschlecht der Charaktere zu 99% nie eine Rolle gespielt. Ripley wurde erst kurz vor Drehbeginn zu einer Frau umgeschrieben. Am Charakter und seinen Handlungen wurde nichts geändert. Bei Out of the Shadows fühlt es sich so an als hätte Tim Lebbon das fertige Manuskript vor sich liegen gehabt, daneben eine Liste der Charakternamen und eine Münze. Die Geschlechter wurde dann per Münzwurf zugeteilt. Perfekt.
Die Figuren haben sogar Eigenschaften und Eigenheiten: wie echte Personen. Vielleicht betone ich das jetzt etwas häufiger als normalerweise nötig, aber es scheint mir nötig, um dem Buch gerecht zu werden. Es ist einfach erfrischend, wenn man einen Scifi-/Horror-Roman liest, in dem einem nicht jeder Charakter am Arsch vorbei geht. Ein Phänomen das heutzutage vorallem in Genrefilmen zum "Guten Ton" zu gehören scheint.

Besonders positiv ist mir die Darstellung von Ripley aufgefallen. Immerhin steht und fällt eine ALIEN Geschichte mit dem Bild, das von Ripley gezeichnet wird. Wenn wir nicht die Ripley aus den Filmen vor uns sehen, ist das Buch überflüssig. Ripley wird hier noch deutlicher als es in ALIENS möglich war mit ihrem Shell Shock konfrontiert. Lebbon ist der Frage nachgegangen, was eine Konfrontation mit den Xenomorphen mit einem Menschen anstellt. Was bleibt von deiner Psyche übrig, wenn sich dir deine fleischgewordenen Alpträume gegenüberstellen? Für Ripley lautet die Antwort auf diese Frage: Alpträume, in denen man wieder und wieder mit ansehen muss wie die eigene 10 Jährige Tochter wieder und wieder von Chestburstern zerfetzt wird. Da ist es kein Wunder, dass Ripley es sich zum Ziel gemacht hat so viele von den Biestern wie möglich zu vernichten.

Fazit:
Wie man merkt, kann ich nicht wirktlich schlecht über das Buch reden. ALIEN Out of the Shadows ist ein Fahrstuhl zur Hölle und zurück. Wer die Alien-Filme mag und sich auf eine Geschichte zwischen ALIEN und ALIENS einlassen kann/will, sollte wirklich zugreifen. Der Roman hat alles, was man als Fan der Saga will: Action, Horror, Spannung, coole Einfälle und jede Menge Aliens. 

"Not bad for a human." 7,5 von 10

[Wer sich mit dem englischen Text schwer tut, muss sich übrigens nicht ärgern. Im November erscheint bei Heyne die deutsche Übersetzung.]

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