23.05.2014

Review: Godzilla (2014)

Kaum ein Trailer hat mir in den letzten Monaten so viel Vorfreude auf einen Film bereitet wie der Teaser zu Godzilla. Epischer Chorgesang, Menschen, die sich durch dunkle Wolken hinab in eine halb zerstörte Stadt stürzen und dann der Umriss einer enormen Kreatur in den Trümmern: GODZILLA! So wolle ich ihn sehen und so wurde er mir versprochen: bombastisch!
Gestern konnten wir uns nach langem Warten dann endlich in weichen Kinosesseln zurücklehnen und die Show genießen. Und es war... ok.

1999: Ishiro Serizawa (Ken Watanabe im vollen Alter-japanischer-Wissenschaftler-Modus) begutachtet in einer Höhle auf den Philipinen ein riesiges Skelett, von dem aus sich etwas lebendiges einen Weg ins Meer gebahnt zu haben scheint. Kurz darauf kommt es in einem Atomkraftwerk nahe Tokyo zu einer Katastrophe, die Joe Brody (Bryan Cranston) ohne Ehefrau und mit vielen Fragen zurücklässt.
2014: Ford Brody (Aaron Taylor-Johnson) reist nach Japan um seinen nach wie vor von der Tragödie besessenen Vater Joe zurück in die USA zu holen. Zusammen stoßen sie noch einmal in das Sperrgebiet rund um das Atomkraftwerk vor und werden dabei bald in monströse Ereignisse verwickelt.
Ach ja, und irgendwann kommt dann Godzilla.

Das klingt doch alles sehr spannend und tatsächlich ist es das auch. Der erste Akt des Films ist absolut gelungen, was wir vor allem Bryan Cranston und der Rolle, die er spielen darf, zu verdanken haben. Tylor-Johnson, den wir aus Kick-Ass eigentlich als allgemein fähigen Schauspieler kennen, hat demgegenüber einen undankbaren Job: er spielt einen Charakter ohne Tiefe und bar jeder Entwicklung. Genau wie alle anderen Haupt- und Nebencharaktere des Films. Hier fängt es mit meinen Problemen auch schon an.

Es dauert allgemein sehr lange, bis wir Godzilla zu Gesicht bekommen. Das ist an sich eine gute Idee, denn so haben wir Zeit uns mit den Menschen, die wir im Laufe der unvermeidlichen Katastrophe begleiten, zu identifizieren. Wenn es da etwas zu identifizieren gäbe. Ford Brody ist Soldat und er hat eine Frau und einen Sohn und einen Vater (und ein Talent dafür zufällig immer genau da zu sein, wo riesige Monster auftauchen). Und das ist auch schon alles. Es gäbe genug Potential für innere Konflikte und Entwicklungen, der Film versucht gegen Ende sogar eine Parallele zwischen Brody und Godzilla in ihrer Rolle als Verteidiger aufzubauen, allerdings klappt es einfach nicht. Das Script bietet seinen Charakteren zu wenig Stoff.
Sogar der Film selbst scheint das zuzugeben, wenn er seinem Helden in bedrohlichen Situationen ein fremdes Kind zur Seite stellt, das in uns Besorgnis evozieren soll. Wenn wir uns um den Hauptcharakter allein nicht genug Sorgen machen und darum ein Symbol für Unschuld brauchen, ist das ein Problem.

Überhaupt versucht der Film unsere Emotionen mit allerlei Kindern und Tieren zu wecken, anstatt uns Empatie mit erwachsenen Menschen oder anonymen Massen zuzutrauen. Reichen uns Bilder, die an die von Tsunamis ausgelösten Verwüstungen oder an den 11. September erinnern nicht aus, um etwas zu fühlen?  Im Zuge der ständigen Retraumatisierung, die Hollywood in den letzten Jahren mit immer mehr zerstörten Metropolen und immer mehr anonymen Todesopfern betreibt, macht die Darstellung dieser Katastrophen in Godzilla wenigstens Sinn. Der König der Monster war immer schon ein Symbol für unsere Ängset und hausgemachten Desaster. Dass wir allerdings ständig in langen Spielberg Amazement Shots in die Augen entsetzter Kinder sehen müssen, ist ermüdende Emotions-Gängelei, die völlig überflüssig wäre, wenn unsere Hauptcharaktere mehr wären als Der Soldat, Die Ehefrau, Das Kind, Der Wissenschaftler, Der Militär-Mann etc.

Der offensichtliche Versuch des Films uns nicht nur für die Monster, sondern auch für die Menschen einzunehmen, scheitert kläglich. Ähnlich ergeht es der Ambition, eine sinnvolle und gut strukturierte Handlung zu präsentieren.
Der zweite Akt des Films ist entweder durch Schnitte vollkommen verstümmelt oder in der Tat ein absolutes Script Fiasko, in dem ständig die Handlung erklärt wird, Nebenplots für die Haupthandlung völlig unnütz sind, furchtbar dumme Entscheidungen getroffen werden und Plotholes so groß wie Urzeitmonster klaffen. Auf alles, was hier nicht funktioniert, einzugehen würde den Rahmen sprengen. Beispielhaft möchte ich allerdings erwähnen, dass es offenbar selbst mit bester Technik unmöglich ist, Hochhaus-große Wesen, die sich nicht besonders schnell bewegen, über weite Strecken im Auge zu behalten, und dass unser Held seiner Frau den Rat gibt, doch besser an dem Ort, an dem die entscheidende Monster-Schlacht stattfinden wird, auf ihn zu warten, anstatt sich in Sicherheit zu bringen. Jaaaaaa.

"Aber Simone! Es ist Godzilla, ein Monsterfilm, bei dem es um Spaß, Effekte, krasse Kämpfe und eben nicht um ein hochkoplexes Script und lebensechte, dreidimensionale Charaktere geht!"
Richtig. Darum kann der Film froh sein, dass der dritte Akt reinhaut - und zwar so richtig. In San Francisco angekommen bekommen wir endlich, was wir wollten: Godzilla in Action und einen gradlinigen Handlungsstrang. Der Zuschauer muss sich lange gedulden, aber als Godzilla dann kämpft, werden auf der Leinwand tatsächlich alle Träume wahr.
Abgesehen von dem dann doch etwas zu schmalzigen ("Hollywood"-) Ende hinterlässt Godzilla damit ein Gefühl allgemeiner Befriedigung. Solange man nicht anfängt genauer über den Plot nachzudenken.

Von mir erhält Godzilla 6,5 Punkte von 10.


Christians Zusatz:

Auch wenn es wehtut, muss ich den oben genannten Schwächen des Films zustimmen. Während der erste und dritte Akt mich komplett umgehauen haben, schafft die Mitte des Films es einen fast schon zu langweilen. Schade.
Im Großen und Ganzen kann ich "Godzilla" nicht böse sein. Es gibt Unstimmigkeiten und schmalzige Momente in dieser Symphonie der Zerstörung, die mich fast dazu bringen, mir die Haare vom Kopf zu reissen, dennoch überwiegt in meinen Augen das Coole am Film: großartige Effekte, toll eingefangene Atmosphäre, ein hammermäßiger Score und GODZILLA(!!!).
Mit Kenntnissen ein paar klassischer Godzilla-Filme und mit Gareth Edwards erstem Film "Monsters" im Hinterkopf, kann man nur Spaß an Godzillas Rückkehr haben. Dem König der Monster steht - im Gegensatz zu Roland Emmerichs sprichwörtlichem Desaster - sogar das CGI. Ähnlich wie in Guillermo DelToros "Pacific Rim" scheint man der Prämisse gefolgt zu sein, es aussehen zu lassen als könnte da tatsächlich jemand  in einem Kostüm stecken. Trotzdem hat man es geschafft, die Kreaturen in ihren Kämpfen natürlich wirken zu lassen. Wer mal Dokumentationen gesehen hat, in denen Tiere in freier Wildbahn kämpfen, wird das eine oder andere Verhaltensmuster eventuell wiedererkennen.

Ich schließe mich mich den 6,5 Punken an. Gareth Edwards "Godzilla" ist ein visuelles Meisterwerk, das leider an der einen oder anderen Stelle schwächelt.

Zweiter Zusatz:

Seit zwei Tagen bittet Simone mich jetzt schon meinen Beitrag zur Godzilla-Review zu leisten, um das Ding endlich zu posten.
Ohne zu wissen warum habe ich allerdings prokastiniert. Warum? Keine Ahnung vielleicht habe ich ja auf etwas gewartet. Vielleicht war es ja die heutige Ankündigung von Disney/Lucasfilm, dass Gareth Edwards die Regie des ersten Star Wars SpinOffs übernehmen wird! Das Drehbuch wird Gary Whitta (Book of Eli) schreiben und der Film soll am 16. Dezember 2016 starten. Das Thema ist noch nicht bekannt.


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