27.09.2013

Comicreview: He-Man and the Masters of the Universe 1

Titel: He-Man and the Masters of the Universe 1
Autoren: Diverse
Verlag: DC Entertainment
Veröffentlichung: bereits erschienen (16. Juli 2013)
Format: Paperback, 160 Seiten
Preis: ca. 11,00€






"He-Man" ist eine meiner ersten Erinnerungen was "Geschichten" angeht. Der Schwert-schwingende Hühne vom fernen Planeten Eternia gehörte zu meinen Kindheitshelden wie die Ewoks, Pinocchio, Dumbo, Littlefoot und alles, was in den späten 80ern und frühen 90ern sonst noch angesagt war bei Kindern. Da gab es keinen Unterschied - war alles gezeichnet und hat irgendwie eine Moral vermittelt. Irgendwie. Ich kann mich gut dran erinnern, dass meine Großmutter (im Gegenteil zu uns) Tele 5 empfangen konnte und ich es kaum abwarten konnte bei Besuchen bei meinen Großeltern vor dem Fernseher zu landen. Immer wenn das "FILMATION"-Logo aufblinkte fiel mir vor Freude jedes Mal fast ein Ei aus der Tasche. Leider erwischte ich immer den Zeitraum in dem "Die Racoons" oder "She-Ra" liefen. Same Company - Different Shit. Tja, ich war 3 oder 4, da kennt man das Konzept von "Sendezeiten" nicht so wirklich... 
Was wollte ich nochmal? Ach, ja! Ich mochte He-Man und seine Kumpel mit sehr subtilen Namen schon immer. Auch heute habe ich noch Spaß daran, gelegentlich die eine oder andere Folge zu gucken und wenn der Film mit Dolph Lundgren läuft, werfe ich die Fernbedienung weg und bade in Nostalgie. "He-Man" wird auch Pflichtprogramm für meine Kinder. Ob das mit der neuen Comicserie von DC auch so sein wird, steht auf einem anderen Blatt.

In DC's Reboot treffen wir den jungen Adam, der sein Dasein damit fristet im Wald zu hausen, sich als Förster durchzuschlagen und sich um seinen kränkelnden Vater zu kümmern. Ein recht unspektakuläres Leben, besonders da Adam stehts von dem Gefühl geplagt wird, dass irgendwas nicht stimmt bzw. anders sein müsste.
Wie wir als Leser (eigentlich) wissen (sollten), ist Adam nicht gerade auf dem Holzweg mit dieser Einstellung. Denn sein Onkel Skeletor hat ihm und den "Masters of the Universe" die Erinnerungen geraubt und sie in alle Himmelsrichtungen verstreut. Als Adam eines Tages ein geheimnisvoller Falke zufliegt und er aus irgendeinem Grund dessen Namen "Zoar" kennt, weiß er, dass er seinem Gefühl nachgeben muss: Er packt seine sieben Sachen, seine Holzfälleraxt, kümmert sich um einen Babysitter für seinen Dad und macht sich auf den Weg ins Ungewisse...

Mit 30 Jahren auf dem Buckel, drei eigenen Serien, einem Spin-Off, einem Kinofilm und noch einigem Gedöns in Sachen Comics und Videospielen kann man bei He-Man schon von einem ziemlich dicken Fisch reden. Darum ist es wohl auch besonders schwer dem Universum etwas neues beizufügen oder es gar weiter zu führen. 
An sich finde ich es darum auch gut, dass man sich für diese Form von einem "Reboot" entschieden hat. Immerhin kann man so nicht viel vom bisherigen "Kanon" demolieren und so riskieren Neckbeards anzustänkern, die schon seit 1983 Fans der Figuren/Serie sind. 
Die Sache ist nur, dass die Serien The New Adventures of He-Man (1990) und He-Man and the Masters of the Universe (2002) auch irgendwie schon Reboots waren. Die 2002er Version kann man allerdings noch mit der 80er Show "kombinieren" bzw. ko-existieren lassen. Ich nehem einfach mal an man wollte bei DC die Charaktere von Grund auf neu einführen um auch ein "jüngeres" Publikum zu locken. Ich kann mir vorstellen, dass das hinhauen dürfte.

An sich ist das Writing der Serie "Okaaaay". Wer erwartet in diesem Band neu zu erleben wie Hamlet, in diesem außeridischen Staate Dänemark, besonders episch den Müll  auf die Kippe befördert, wird enttäuscht. Hier wird man keine Story finden, wie sie ein Meister wie z.B. Paul Dini zu schreiben vermag. Also im Sinne von "es ist zwar für Kinder/Jugendliche doch Erwachsene fühlen sich nicht wie im Laufstall beim Lesen". Da ist noch qualitativer Speilraum nach oben offen. Was jetzt nicht heissen soll, man würde nur mit Pipi-Kacka-Humor bombadiert. Nein, es gibt nur ein paar Momente, die mir auf den Keks gegangen sind. Wie z.B. Teela's ewiges Genörgel und ihr dauerndes Rumhacken auf Adam. (Leave Adam alooonnneeee! I mean it!)  In der Serie waren es schon ein anderer Kontext in dem Teela Adam gegenüber die aggressive Tour geschoben hat. Hinzu kommen noch ein paar Details die mich gestört haben, die man allerdings nicht wirklich breit treten muss. Was zuletzt aber noch erwähnt werden soll, ist die episodenhafte bzw. abgehackt wirkende Story. Klar, das ganze Teil ist zuerst in Heftform erschienen. Aber wenn die Hefte jeweils nur davon gehandelt haben, dass Adam und Teela auf einen weiteren klassischen Schurken wie Trapjaw, Beastman, Merman usw. treffen, um letztendlich Skeletor zu konfrontieren, wirkt das kaum wie eine fortlaufende Story.

Das Artwork lässt sich einfach in zwei Kategorien einteilen: Kacke und klasse. Allerdings ist es schwer einzuordnen, an wem es genau liegt. Die Zeichner Philip Tan, Pop Mahn und Howard Porter scheinen an sich sehr gute bis okaye Verteter ihres Fachs zu sein. Dafür scheint bei den Inkern irgendwo der Wurm drin. Ein oder zwei Kapitel sehen aus wie von einem Schimpansen mit gebrochener Hand mit Tusche versehen. Besonders übel hat es aber die Einzelausgaben Blood Tide, Cauldron of Doom und das letzte Kapitel erwischt, da ist die Koloration ziemlich aus den Fugen geraten. Wenn mich nicht alles täuscht handelt es sich dabei um die Stücke, in denen Pop Mahn sowohl gezeichnet als auch selbst Getuscht hat. Jemand sollte dem Typen die Tuschestifte wegnehmen.

Was das Design der Charakter angeht, hat man sich weitgehend an den klassischen Vorlagen orientiert und es mit künstlerischer Freiheit nicht bis ins Extrem übertrieben. Da kann man soweit nicht meckern. Außer vielleicht über die Tatsache, dass man Teela blondiert hat. Das ist (noch gelidne gesagt) "Scheisse". Nicht, dass ich hier gegen "blond" an sich Sturm laufen will, ich unterstütze keinesfalls das beknackte "blond = blöd" Cliche'. Es eckt nur irgendwie an. Irgendwie hab ich es hier mit Teela... Ja, ich finde es bei genaurem Nachdenken doch SEHR Kacke, dass man sie (fast) zu einem blondierten "Tits and Ass" Chrakter verkommen lässt und ihr beknackte Kommentare, bitchiges Verhalten und ein (unnötiges) Makeover verpasst hat. Das muss nicht sein. Ich weiss, dass man auch eine Zielgruppe, bestehend aus pupertären Jungs, bedienen will. Trotzdem (oder gerade deswegen?) sollte man nicht zu sehr in billige Gefilde abrutschen. Da muss Besserung gelobt werden.
Ansonsten ist alles beim Alten: He-Man und seine Buddies = gut. Skeletor und seine Strolche = böse. Schön einfach. Auch das braucht man heutzutage mal wieder.

Fazit: "He-Man and the Master of the Universe Vol.1" ist ein guter Anfang. Beim ersten Schritt fällt man schonmal aufs Maul. Vielleicht auch zwei mal. Ich würde deswegen allerdings nicht das ganze Projekt in die Tonne kloppen. Vol.2 werde ich mir definitiv auch anschaffen. Der Comic-Reboot HMatMotU verdient eine Chance und etwas mehr Liebe von seinem kreativen Team. Der erste Band handelt die klassiche Heldensage ab, um die Chraktere einzuführen und ein neues Publikum einzustimmen. Jetzt darf mehr kommen: waghalsige Entscheidungen auf Story- und Kreativbasis, bitte. Macht was draus. Da geht noch was.

6 von 10 magischen Schwertern






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