12.07.2013

Review: Horrors of Malformed Men (1969)



So sehr ich mich auch anstrenge, mir fällt kein japanischer Film ein, nach dem ich
etwas wie: "Das war jetzt unbemerkenswert." gedacht habe. Irgendwie schafft man es auf dieser kleinen Insel immer wieder Filmen entweder mindestens einen kleinen Twist zu geben, der im Gedächtnis hängen bleibt, oder der Film dreht vollkommen ab. Die übertrieben Gore lastigen Streifen der letzten Jahre sind nur die Spitze des Eisberges. Dem Schaffen von Film und dem Verständnis davon, wie man Geschichten zu erzählen hat, scheint schlicht eine komplett andere Philosophie als z.B. im Westen zu Grunde zu liegen. Gut, das könnte man wohl jedem Land und jeder Kultur zusprechen. Doch Japan hat bei mir einen besonderen Stein im Brett, nicht nur wegen Godzilla- und Samurai-Filmen. "Horrors of Malformed Men" ist mein neuer Favourit in der Landschaft des japanischen Films, der mich mit Verwunderung zurückgelassen hat:


Hirosuke Hitomi wacht in einer Irrenanstalt auf, ohne sich daran zu erinnern wie oder warum er dort gelandet ist. Ständig hört er von irgendwo her eine Frauenstimme ein Kinderlied singen, das er noch aus seiner Kindheit zu kennen scheint. Schließlich schafft er es aus dem Sanatorium auszubrechen und trifft auf die Junge Frau, die das Wiegenlied vor sich hin geträllert hat, und ihm erklärt, dass sie ebenso an Gedächtnisverlust leidet wie er. Als die beiden sich einen Tag später in einem Zirkus wieder treffen, wird die Dame im Gedränge ermordet und Hitomi wird für den Mörder gehalten und flieht. Auf seiner Flucht durch Japan entdeckt Hitomi, dass erst vor Kurzem ein Mann verstorben ist, der ihm zu verwechseln ähnelt, und so beschliesst er dessen Platz einzunehmen, bis Gras über den Mordverdacht gegen ihn gewachsen ist. 

Noch da? Es kommt noch dicker: Auf dem Weg zum Heimatort des Verstorbenen lässt Hitomi sich von einer Masseuse erzählen, dass der Tote das selbe Geburtsmal (ein Sonnenrad) unter dem Fuß hatte und sein Vater auf einer nahegelegenen Insel eine Art Märcheninsel errichten will und seit 20 Jahren nicht gesehen worden ist. Hitomi gräbt also den Toten aus, nimmt seine Kleider und behauptet nur scheintod gewesen zu sein. Von da an entspinnt sich eine Story voller Intrigen, mysteriösen Ereignissen und dann gibt es da ja noch die Insel vom seltsamen Papi des Doppelgängers... Da angekommen geht es dann richtig los!

"Horrors of Malformed Men" vereint so viele Einflüsse und Genres unter einer Decke, dass es einem schwummerig werden kann. Die Mixtur aus Horror, Mystery, Science Fiction, Detective Story und Pinku Eiga macht schon was her. Die seltsamen Einfälle und kruden Sprünge in der Story lassen den Zuschauer schon so manches Mal ein "Was kommt als nächstes!?" ausstoßen. Dann kommen die Mutanten und der ständige (mal mehr mal weniger) subtile Einsatz von Sex um jedes Klientel zu bedienen.

Teruo Ishii's Film ist ein Musterbeispiel für die ausgehenden 1960er: es treffen  Themen wie Deformation (Hiroshima ist noch nicht ganz verdaut),Wahnsinn und die Dekonstruktion von klassischen Familienbildern auf die Selbstüberschätzung der Wissenschaft. Und obendrein wird noch sexuelle Moral in Frage gestellt. 
Man stelle sich vor HP Lovecraft hätte im Japan der 60er zu viel Acid eingeworfen und hätte mit einer Hippiekommune eine Neuverfilmung von H.G. Well's Insel des Dr. Moreau auf die Beine gestellt. Dieses Durcheinander ist allerdings in ein so kunstvolles Korsett geschnürrt, dass man es heute nicht anders als "Arthaus" kategorisieren könnte. Seinerzeit dürfte man das Ganze wohl eher als "geschmacklos" oder "billig" abgestemplet haben. Doch die außergwöhnlichen Szenarien und deren abstrahierte Inszenierung lassen den Film in einer Traumästhetik glänzen, die man heute vielleicht noch von David Lynch kennt. (Der soll auch mal wieder 'nen Film machen.)

Also, wenn ihr euch mal wieder mit Bildern bombadieren lassen wollt, die ihr zwar schonmal ähnlich aber eben ganz anders gesehen habt, legt euch "Horrors of Malformed Men" auf DVD von Synapse Films zu. Der Film ist natürlich nur auf japanisch mit englischen Untertiteln auf der Disc enthalten. Genauso wie wir elitären Filmsnobs es lieben. 
Entschuldigt mich jetzt bitte. Mein Sake ist leer und meine Zucht mutierter 3Sat-Moderatoren im Keller füttert sich nicht selbst mit Fischköpfen.

8 von 10 silber angemalten Japanarinnen



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