20.06.2013

Review: Repo Man (1984)


Otto (Emilio Estevez) ist anfang 20, Punker, hat gerade seinen Job verloren und seine Freundin hat ihn mit seinem besten Freund betrogen. Hinzu kommt noch, dass seine Eltern die Ersparnisse, die sie für ihn zurück gelegt hatten, einem TV-Prediger gespendet haben. Man könnte also mit Fug und Recht behaupten, dass Otto's Leben an einem ziemlichen Tiefpunkt angekommen ist. Doch dann scheint es wieder bergauf zu gehen: per Zufall gerät der niedergeschlagene Otto an den Repossesion Agent (oder auch "Repo Man") Bud (harry Dean Stanton), der ihm direkt einen Job in seiner Firma verschafft. Ein Repo Man verdient sein Geld indem er verschuldeten Leuten ihr Auto als Pfand "abnimmt" und es erst wieder herausrückt sobald sie ihre Schulden zurück zahlen können. Ein einfaches, lukratives Geschäft, an dem Otto recht schnell Gefallen findet: Verfolgungsjagten, Geld und Drogen sind gute Argumente für eine Job mit zweifelhaftem Ruf. Bis hierhin läuft alles noch recht geregelt.  Als dann aber die Fahndung für einen Chevrolet Malibu durchgegeben wird, auf dem eine Belohnung von 20.000 Dollar ausgesetzt ist, beginnt auch Ottos neues Leben aus dem Ruder zu laufen. Es erklärt sich von selbst, dass niemand sich eine derartige Summe entgehen lassen will und jeder Repoman der Stadt hinter dem Gefährt her ist...

Das ganze klingt nach einer netten Buddy-Movie Story mit Action und allem was dazu gehört. Ist es auch. Eine Sache habe ich allerdings noch nicht erwähnt: Der besagte Chevy wird von einem irren Wissenschaftler gefahren, der eine seltsame Fracht in seinem Kofferraum hat, die Menschen innerhalb von Sekunden verdampfen lässt. Was genau kann das sein? Nun, auf einem seiner Ausflüge lernt Otto Leila kennen, die behauptet, dass im Auto die Leichen von Aliens gebunkert sind, die radioaktiv vor sich hin strahlen. Jetzt wirds interessant, was?
Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht von der Story preisgeben, sonst bräuchte keiner mehr den Film gucken.

Regisseur Alex Cross (Sid and Nancy) hat 1984 diesen sehr (sehr) abgedrehten
Punk-Psychodelic-Drama-Comedy-Action-ScienceFiction-Streifen abgeliefert, der voll gestopft ist mit merkwürdigen Momenten, die auf der einen Seite zum laut loslachen anreizen und auf der anderen Seite einfach perfekt die trivialität und banalität des Lebens einfangen. Hinzu kommen noch Charaktere die allesamt vollkommen neben der Spur sind.
Die Atmosphäre von Repo Man zu beschreiben finde ich doch recht schwer. Einerseits hat man versucht mit einem gewissen Realismus die typischen Stupiditäten des Lebens zu beschreiben und verschrobene Eigenarten zu porträtieren, die man so ähnlich in den Filmen den Coen Brüder findet. (Passenderweise ist im selben Jahr der erste Film der Coens "Blood Simple" erschienen.) Auf der anderen Seite gesellt sich dazu jedoch ein Feeling, das man so oder so ähnlich später in John Carpenters "They Live" (1984) gesehen hat: mehr oder weniger unterschwellige Kritik an der Konsumgesellschaft und dem  immer vorhandene Gefühl, dass mehr hinter allem Stecken muss, als uns erzählt wird. Mixt jetzt noch eine Prise Taxi Driver dazu und ihr seid fertig.
Wäre Repo Man ein Buch würde ich es wohl am ehesten in die Bizarro-Fiction Ecke stellen.
Das ganze Paket wird schließlich noch durch einen Punk-Soundtrack mit Künstlern wie Iggy Pop, Black Flag oder Suicidal Tendencies verschnürt. 

Auch wenn all das oben Aufgezählte vielversprechend klingt, muss ich leider zugeben, dass "Repo Man" im Hinblick auf sein Pacing schlecht gealtert ist. Auf der einen Seite kann man das "langsame" Tempo des Films als Stilmittel ansehen, auf der anderen Seite fühlt sich der Film streckenweise jedoch deutlich länger an als 88 Minuten. 
Trotz dieses Problems kann ich Repo Man eine ganz spezielle Faszination nicht absprechen. Vor allem aufgrund seiner Wirschness, seiner Comic-haften Prämisse und dem Finale, das immer noch irgendwie an mir nagt, will ich den Streifen nochmal sehen. Kein Wunder übrigens, dass der Film sich längst einen gewissen Kultstatus erkämpft hat. 
Zum Schluss muss ich im Namen der Gerechtigkeit noch erwähnen, wie sehr Emilio Estevez seinem Bruder Charlie Sheen (Geb. Carlos Estevez) im Handwerk des Schauspielens überlegen ist.

Die deutsche Repo Man DVD fliegt in vielen Läden sehr günstig rum, also könnt ihr ruhig zugreifen, Bier kaltstellen und ab dafür. 

"The life of a repo man is always intense."

7,5 mit Tendenz zu 8 von 10


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