29.03.2013

Leseliste - Ziemlich Fantastisch auf Reisen

"Fantastisch auf Reisen" ist man mit einem Buch ja fast immer, allerdings haben die drei Werke, die ich für die heutige Leseliste gewählt habe, tatsächlich eine Reise zum Thema. Zweimal machen wir uns auf den Weg ins ewige Eis um dort die Wahrheit zu suchen, allerdings auf zwei verschiedenen Planeten. Danach führt uns unser abschließender Trip durch Drogenrausch und Bizarro Satire in die nahe Zukunft einer beunruhigenden Parallelwelt. Klingt abenteuerlich - ist es auch.

Pym - Mat Johnson
Erschienen 2011 bei Spiegel & Grau, keine deutsche Ausgabe

Pym, oder ganz: Arthur Gordon Pym, ist der Name des Hauptcharakters aus Edgar Allen Poes einzigem Roman "The Narrative of Arthur Gordon Pym of Nantucket". Chris Jaynes, seines Zeichens frisch gefeuerter Professor für American Literature, ist besessen von Poes Erzählung über Pyms Reise zu einer Insel, deren Bewohner schwärzer als schwarz sind, und ihrem rätselhaftes Ende unter weißen Riesen in der Arktis. Als Jaynes Beweise dafür findet, dass Poes Erzählung keine reine Fiktion ist, macht er sich mit einer Crew aus wild zusammengewürfelten Charakteren auf den Weg ins Eis. Dort warten nicht nur seltsame Kreaturen, sondern auch alte Probleme.

Man muss Poes Roman nicht gelesen haben, um seinen Spaß am Abenteuer rund um Race und die unterschiedlichen Welten von Schwarz und Weiß zu haben, das Mat Johnson mit Pym vorlegt. Pym dreht Poes Story mit einer Mischung aus intelligenter Sozial-Satire, Humor und Action auf links. Langweilig wird einem dabei auf keinen Fall und wer sich bisher kaum mit aktueller African-American literature beschäftigt hat, findet hier einen unterhaltsamen Einstieg. Aber auch Genre Fans und Literatur Liebhabern dürfte Pym gefallen.


The Left Hand Of Darkness - Ursula K. Le Guin
Erschienen 1969 bei Ace Books, letzte deutsche Ausgabe, die ich finden konnte: "Die linke Hand der Dunkelheit" 2000 im Heyne Verlag, ältere Ausgaben unter dem Titel "Winterplanet"
Genly Ai ist Abgesandter auf dem von ständigem Winter geprägten Planeten Gethen. Seine Mission ist es, die Staatsoberhäupter in Kontakt mit den Ekumen, dem Zusammenschluss aller bisher bekannter Planeten mit humanoider Bevölkerung, zu bringen. Aber nicht nur die politischen Verhältnisse auf dem Planeten, auch die Tatsache, dass die Gethenianer bis auf die Zeit des sogenannten Kemmer völlig geschlechtslos sind, machen Ai zu schaffen. Bei dem Versuch, die fremde Kultur besser zu verstehen, gerät er ins Ränkespiel der Staaten und an seiner Seite ist nur noch der "Mann", dem er am wenigsten vertraut.

The Left Hand Of Darkness ist ein absoluter Science Fiction Klassiker und Genre Fans in jedem Fall bekannt. Wie es sich für klassischen Science Fiction gehört, verhandelt Le Guin in der fernen Zukunft ernste Themen wie Gender, Sexismus, Politik und Wahrheit. Story und Spannung bleiben dabei jedoch nicht auf der Strecke, denn Le Guin gelingt es, komplexe Konzepte ganz natürlich in einen Plot zu verwandeln, der zügig vorangeht und vor allem durch die "menschliche" Komponente überzeugt. Auf ein wenig Diplomatie und Politik muss man sich jedoch einstellen. Wer Science Fiction liebt und The Left Hand Of Darkness noch nicht gelesen hat, der sollte diesen Klassiker schleunigst nachholen.


Der Trip - Jeremy C. Shipp
Erschienen 2007 bei Raw Dog Screaming Press unter dem Titel "Vacation", deutsche Ausgabe 2011 bei Voodoo Press
Bernard Johnson ist von seinem ruhigen Leben als Lehrer gelangweilt. Abhilfe soll der einjährige Trip um die Welt schaffen, den große Konzerne braven Wohlstands-Bürgern spendieren. Auf der Reise durch wunderschöne und trotz großer Armut scheinbar fröhliche Länder wird Bernard jedoch schnell klar, dass etwas nicht stimmt. Spätestens als er von Ökoterroristen entführt wird, bricht die heile Welt auseinander und präsentiert ihr echtes, fauliges Gesicht. Ausbeutung, Drogen, Paramilitärs und der verzweifelte Versuch, seine Haut und vielleicht die Welt zu retten: am Ende ist auf Bernard Johnsons Trip nichts wie es scheint.

Jeremy C. Shipp ist vor allem Bizarro Fiction Fans bekannt, davon gibt es in Deutschland bisher jedoch wenige. Dass es sich in jedem Fall lohnt, das Genre kennenzulernen, macht Der Trip deutlich. Sozialkritik verpackt in einer Mischung aus Kafka, The Prisoner und William S. Burroughs, so könnte man die Geschichte um Bernard Johnson wohl am besten beschreiben. Temporeich, surreal und verschroben: wer gerne am Rand des Spektrums liest, kann seine Bibliothek getrost mit Der Trip erweitern. Die deutsche Version der Voodoo Press ist gut übersetzt, über ein paar Druckfehler muss man jedoch hinwegsehen. Von selbst hätte ich das Buch übrigens nicht gefunden, ich danke also an dieser Stelle für das Rezensionsexemplar.


Und das wars auch schon mit der fadenscheinig unter das Thema Reise gestellten Leseliste. Mir persönlich haben alle drei Bücher gut gefallen (auch wenn ich mit The Left Hand Of Darkness ein paar Meinungsverschiedenheiten hatte) und vielleicht war ja auch was für euch dabei.
Ich wünsche noch ein schönes Oster Wochenende!

Kommentare:

  1. Ich melde schon mal Interesse an Pym!
    Klingt ja echt gut, was du da schreibst.
    Futter für den Kopf :)

    In die Reihe kann man übrigens auch die Eissphinx von Jules Verne stellen, die sich ebenfalls mit Poes Pym beschäftigt bzw. irgendwie fortsetzt.
    Bin gespannt, wie das alles so zusammenpassen wird.

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  2. Von Jules Vernes Eissphinx ist in dem Buch auch die Rede. Da die Hauptperson Professor ist, setzt sich das Buch eben auch literaturwissenschaftlich mit der Geschichte auseinander. Abenteuer Literatur für Amerikanisten ;)

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