14.01.2013

Putzig: Star Wars Ultras


Jeder der mal auf einer Universitäts-Toilette seine Notdurft verrichten musste kennt das typische Bild, das sich einem an den dortigen Wänden offenbart: Sticker von der Veganer-Front, marxistische Schlachtrufe, pro oder contra Israel-Sprüche, pro oder contra Palästina-Sprüche, Sympathie Bekänntnisse zur Volksfront von Judäa (Pah, Judäische Volksfront...) und allerhand andere möchtegern politische oder beinahe intelektuelle Meinungsmache. Das Bildungsbürgertum-Equivalent zur Kneipentoilette, also. 
Heute habe ich bei meinem Toilettengang den "unterhaltsamsten" Sanitär-Wandschmuck seit langem gesehen. Ja, es gibt Star Wars Ultras. Kein Witz. Das Bild oben ist nur eine Bastelei per Photoshop. Ich wollte nicht auf der Herrentoilette mit meinem Telefon herumknipsen. Könnte ein falsches Bild vermitteln. Aber die Sticker bzw. die Gruppierung gibt es wiklich. Zumindest sind es auf Facebook (momentan) schon über 640 Sympathisanten/-innen. Ehrlich gesagt habe ich bei der Nummer mit Satire gerechnet und mir in meinem kranken Gehirn schon Straßenschlachten zwischen Star Wars Ultras und Trekkern oder Lucasfilm-Angestellten ausgemalt. Doch die Damen und Herren scheinen es bierernst zu meinen. Am besten gefällen mir auf ihrem Facebook-Profil die Zeilen: 

[...] Das bedeutet auch sich gegen offensichtliche Fehlentwicklungen und die Kommerzialisierung zu wenden. Den Rassismus (Jar-Jar Binks) und Antisemitismus (Watto) der Prequels gilt es zu bekämpfen und George Lucas seine Grenzen aufzuzeigen.
 und:

George Lucas enteignen!
Star Wars bleibt rebellisch!
 
Ulrike Meinhof und Prinzessin Leia wären stolz auf euch, Brüder und Schwestern.
Gut, George Lucas hat in den vergangenen 16 Jahren schon ordentlich Mist gebaut. Verdammt viel sogar. Das steht außer Frage. Ob man ihn zur Strafe enteignen (politisch korrekt für "Bestehlen" im kommunistischen Sinne) muss, sei einmal dahin gestellt. Außerdem kommt man ein wenig spät wenn man jetzt noch die "Kommerzialisierung" von Star Wars bekämpfen will. Aber nur um etwa 36 Jahre. Krieg der Sterne war nämlich der erste wirkliche Blockbuster und der Stein des Anstoßes in Sachen Merchandise im großen Stil, was den Film bzw. die Filme zur Definition von "Kommerziellisierung" macht. Das nur mal so am Rande.

Aber mal im Ernst: Ich verstehe voll und ganz die Wut auf George Lucas und seinen Spießgesellen und militanten Ja-Sager RickMcCallum. Der Schaden am Image von Star Wars und die anstrengend behämmerten Prequels und 3D-Konvertierungen sind schon ein heftiger Schlag ins Gesicht eines jeden Menschen, der Purist in Sachen Star Wars ist. Ich liebe Star Wars. Ich bin mit der klassischen Trilogie auf VHS aufgewachsen und habe noch die Ewoks Zeichentrickserie im ZDF geschaut. Ich habe mich durch die Prequel-Trilogie so verraten und verkauft gefühlt wie Han Solo in Cloud City und habe mir so manches Mal eine Zeitmaschine gewünscht um ins Jahr 1994 zu reisen, bevor Lucas sein Script an Episode I beginnen konnte, um den Star Wars Schöpfer mit einer Schaufel zu erschlagen. Trotzdem blicke ich als Fan mit (einer neuen) Hoffnung in die Zukunft von Star Wars und verschließe mich nicht der Moderne.

Ich versuche ja so tollerant zu sein wie nur irgendiwie möglich zu sein. Glaube und politische Ansichten sollte jeder haben dürfen wie er will, solange niemandem dadurch Leid zugefügt wird. Doch "George Lucas enteigenen."? Zieht mal'n Laserschwert aus'm ihr-wisst-schon-wo. Besonders arm ist es schon, wenn man sich mit dem Anti-Faschismus schmückt, sich tollerant gibt und gleichzeitig Sticker mit Kampfrufen wie "Trekkies klatschen" verteilt. Pah! Im Star Wars-Hoodie von Adidas nachts Sticker aufkleben ist auch bestimmt ein wirkungsvoller Schlag gegen die Bonzen auf der Lucas-Range. Jeder darf Star Wars gut oder schlecht finden wie er will. Nur irgendwie sollte man vielleicht mal die Proportionen im Auge behalten, bevor man "nichts anderes als Extreme" kennt und sich auf der dunklen Seite wiederfindet. Ich finde es gibt Schlimmeres zu bekämpfen als das Portamonnaie eines "Filmemachers", der nicht mehr alle beisammen hat. 

Und noch was. Der Aussage:

"SWU ist eine unpolitische Gruppe."

ist blanker Hohn wenn man bedenkt, wie viel politischer Jargon in der Facebook-Profilbeschreibung umhergeworfen wird. 
"Die Fähigkeit zu sprechen macht dich noch nicht intelligent." 
- Qui-Gon Jinn

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