19.01.2013

Filmrezension: Cockneys vs Zombies (2012)

Eins muss man den Engländern lassen: was Genrefilme im europäischen Raum angeht, macht ihnen hier niemand so schnell was vor. Auch wenn hier und da mal ein kleiner Science Fiction oder Horrorfilm in Deutschland oder Frankreich produziert wird, scheinen die Briten eine Perle nach der anderen auf den Markt zu werfen. Zu meinen Favoriten der letzten Jahre gehören da - unter anderem - Attack the Block, Lesbian Vampire Killers, Dogsoldiers und Shaun of the Dead sowieso. Das Land, dem wir die knallbunten Hammer-Horrorstreifen und die dazu gehörigen Ikonen wie Peter Cushing und Christopher Lee zu verdanken haben, scheint sich wieder zu einer kleinen Hochburg des Fantastischen Kinos zu erheben.
Besonders der dreckige Charme, der diesen neueren Produktionen anhaftet, macht es immer wieder spannend zu sehen, was wohl so als nächstes auf der Insel fabriziert wird. 
Deswegen war ich auch besonders gespannt auf Cockneys vs Zombies, der mehr oder weniger mit vielen beliebten/bewährten Elementen von Simon Peggs und Edgar Wrights Shaun of the Dead aufzuwarten schien. Es gibt Zombies, es spielt in London, es gibt eigenwillige Charaktere und fiesen schwarzen Humor. Eigentlich alles was man für einem spaßigen Zombiefilm braucht. 

Die Story:
Die zwei Brüder (Andy und Terry) und ihre Cousine (Katy) wollen zusammen mit dem Afghanistan-Veteran ("Mental" Mickey) eine Bank überfallen, um mit dem gestohlenen Geld zu verhindern, dass das Altenheim in dem ihr Großvater lebt dicht gemacht werden muss. Was die vier nicht wissen ist, dass nur ein paar Blocks weiter bei Bauarbeiten eine alte Grabstätte freigelegt worden ist. Beim Öffnen der Gruft aus dem späten 17ten jahrhundert, werden die Bauarbeiter von einem mumifizierten Zombie angefriffen. Als dann unsere Amateur-Bankräuber die Bank wieder verlassen ist London bereits von lebenden Toten überrannt. Nun heißt es: das Geld in Sicherheit bringen und versuchen Opa vor den Zombies zu retten. 

Das Wort "überrannt" oben ist natürlich nur im übertragenen Sinne zu verstehen. Denn die Zombies sind oldschool-mäßig langsam und dumm wie es nunmal sein muss. Es ist fast so als hätte jemand meine ständigen Nerdrage-Anfälle gehört und sich zu Herzen genommen. Zu den Zombies an sich braucht man eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Das Makeup und die Effekte bewegen sich in einem soliden simplen Bereich. Viel zu krasse Splattereinlagen oder zu übel zugerichtete Zombies bleiben also aus. Teilweise wirds ein wenig krass, wenn zB einem Zombie per Schrotflinte das Bein "not-amputiert" wird.
Der Spaßfaktor von CvZ schwankt teilweise schon verdächtig, finde ich zumindest. Es gibt Szenen, in denen mit fiesem Humor viel gepunktet wird und auf der anderen Seite zünden Gags überhaupt nicht oder wirkten vielleicht auf dem Papier lustiger als letzten Endes auf dem Bildschirm. "Mental" Mickey's Stahlschädeldecke aus dem Krieg ist beispielsweise ein kleines Highlight und auch der gut eingesetzte Rückblendenhumor funktioniert echt gut.

Was mich nur etwas gestört hat ist das mehr als nur inflationär genutzte Wort mit "Z". Was viele Filme sich mittlerweile sparen, wird in Cockneys vs Zombies so übertrieben, dass es schon nach wenigen Minuten nervt. Man hätte schon zwichendurch vom Wörtchen "Zombie" absehen können um das eine oder andere Synonym zu verwenden. 
Was mich auch überrascht hat ist, wie selbstverständlich die Leute in dem Film auf die Zombies reagieren. Die Protagonisten stürmen aus der Bank, sehen die angefressenen Kadaver auf dem Boden, die wankenden Toten und schließen daraus sofort: "Oh, das sind Zombies." Es wird nicht einmal darüber diskutiert oder lange herum lamentiert. Entweder befinden wir uns hier in einer Welt, in der Untote ein bekanntes Phänomen sind, oder es gibt in dieser Welt schlicht Zombies in der Populärkultur. Eine Sache die in vielen Zombiefilmen nicht der Fall zu sein scheint, wenn man mal so darüber nachdenkt. Eine dritte Erklärung dafür könnte auch sein: "England halt."

Was ich ganz schön finde ist, wie CvZ historische Fakten mit den Zombies verbindet. Wie bereits gesagt, stammt die oben genannte Gruft aus dem späten 17ten Jahrhundert, genauer gesagt aus dem Jahre 1666, und wurde von King Charles II persönlich versiegelt. In der Zeit als Charles II über England regierte, wütete gerade die Pest durch das Land und 1666 tobte der Große Brand von London 5 Tage durch die Stadt. Eine schöne Idee, die "Pest" einfach durch eine Zombie-Epidemie zu ersetzen und den Brand von London als entsprechende Notlösung oder Resultat dessen anzusehen. Auch dafür gibts einen Punkt.

Im Großen und Ganzen macht Cockney vs Zombies Spaß. Wahrscheinlich umso mehr mit ein paar Freunden und dem einen oder anderen Bierchen dabei. Ein wenig ironischer und sozialkritischer Subtext sind hier und da auch eingebaut, es fetzt teilweise ganz schön und kurzweilig ist der Film auch.
Am Ende wird es ein wenig "schmalzig" und weniger subtil in Sachen "Lokalpatriotismus", doch das kann man Cockney vs Zombies noch verzeihen.

6,5von10

Am 7. März erscheint der Film übrigesn auf DVD BluRay.

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