09.08.2012

Filmrezension: Prometheus

Heute ist es soweit: Ridley Scotts neues Science Fiction Epos aus dem Alien Universum läuft in den deutschen Kinos an. Deutlich später als in den Niederlanden, wo ich den Film vor einigen Wochen schon sehen konnte. Ich habe ein wenig mit meiner Review gewartet. Zum einen, weil ich noch darüber nachdenken musste, wie ich Prometheus nun bewerten soll, zum anderen, weil die Welt eine Review kurz vor Filmstart deutlich besser gebrauchen kann. Wie ist Prometheus also? Gut. Großartig? Teilweise. Überragend? Leider nicht.

Prometheus ist der Name des Raumschiffes, dessen Crew aus Wissenschaftlern sich im Spätern 21ten Jahrhundert auf den Weg zum Mond LV-223 macht, um dort nichts geringeres als den Ursprung allen irdischen Lebens zu suchen. Archäologin Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und ihr Partner haben den legendären Gründer des Wayland Imperiums, Peter Wayland (Guy Pearce), davon überzeugen können, dass die Aufzeichnungen alter Kulturen allesamt auf den fernen Mond verweisen und so finanziert er die Expedition. An Bord sind außer dem Archäologenpaar auch David, Weylands persönlicher Roboter (Michael Fassbender) sowie Waylands linke Hand Meredith Vickers (Charlize Theron). Tatsächlich findet die Crew der Prometheus die Spuren einer mächtigen Kultur auf LV-223, allerdings bergen die Ruinen ungeahnte Gefahren und schnell wird klar, dass der Ursprung des menschlichen Lebens alles andere als das Paradies ist.

Prometheus, der griechische Gott, der den Menschen das Feuer brachte und dafür von den anderen Göttern bestraft wurde - schon der Name des Raumschiffs deutet die grundlegenden Themen an, denen sich Ridley Scotts ambitioniertes Science Fiction Spektakel mal erfolgreich, mal weniger erfolgreich widmet. Woher kommen wir? Warum sind wir hier? UralteFragen der Menschheit werden zwischen kunstvollem 3D, routiniert inszenierter und animerter Action sowie durchweg tadellosen schauspielerischen Leistungen diskutiert. Noomie Rapace, Charlize Theron und allen voran Michael Fassbender präsentieren sich in Bestform. Fassbenders David ist der interessanteste Film-Roboter seit Blade Runner und Rapaces Elizabeth Shaw muss einen Vergleich mit Ripley nicht scheuen. Set Design und Inszenierung sorgen für eine durchewg stimmige, bedrückende Atmosphäre, die einmal mehr zeigt, dass Ridley Scott vor allem darin glänzt, fremde Welten absolut glaubhaft zu visualisieren. Schade ist dabei nur, dass wir in Prometheus nicht so viel Neues und Einzigartiges sehen, wie wir es von ihm gewohnt sind. Alle Action scheint schon dagewesen zu sein und auch mit den Form- und Designwelten der alten Hochkultur auf LV-223 sind wir bestens vertraut.
Also: schönes, sinnvol eingesetztes 3D ohne lästige Spielereien, solide Action, hochkarätige Darsteller, ein philosophisch anregendes Skript und Altmeister Ridley Scott im Regiestuhl - das klingt nach dem Rezept für einen Science Fiction Klassiker. Warum bin ich also nicht begeistert?

Nur damit man mich nicht falsch versteht: Prometheus ist kein schlechter Film. Kriiker, die vor allem die Ambivalenz des Skripts und die vielen Fragen, die die Geschichte um die Entdeckung unseres Ursprungs aufwirft und dann nicht beantwortet, bemängeln, haben zum Teil sicherlich recht. Manches mag geschnittenen Szenen und Nachlässigkeit zugunsten des großen Ganzen geschuldet sein. Leugnen lässt sich sicher nicht, dass Scott Offenheit und Interpretierbarkeit manches mal als einfachen Ausweg wählt, der an einigen Stellen viel guten Willen erfordert. Die Frage, ob man dem Film seine offenen Stellen zur Last legen, oder sie als Ausgangspunkt für eigene Gedanken nutzen will, ist am Ende eine geschmackliche. Hier und da mögen Reveals keinen Sinn machen, aber das muss das Vergnügen nicht zwangsläufig so sehr mindern, dass man keinen Spaß mehr an Prometheus hat. Da es sich bei dem Film um den Auftakt zu einer Filmreihe handelt, darf man außerdem darauf hoffen, zumindest auf einige Fragen in zukünftigen Fortsetzungen Antworten zu erhalten. Dass das dem Einen oder Anderen den Spaß verderben kann, ist veständlich, aber eben nicht notwendig.
Kritiken, die den Film mit Alien vergleichen wollen, kann man übrigens getrost vergessen. Prometheus spielt im Alien Universum und hat natürlich periphär auch etwas mit den tödlichen Giger-Kreationen des Franchise zu tun. Allerdings ist Prometheus kein Slasher Film imWeltraum. Der Film funktioniert anders und widmet sich ganz ausdrücklich anderen Themen.

Was Prometheus am Ende daran hindert, ein wirklich großartiger Film zu sein, sind nicht die Plotholes und die Ambivalenz: es ist die Tatsache, dass der Film sich einfach ein wenig zu sehr bemüht, bedeutungsvoll zu sein. Die Fragen nach dem Ursprung des Lebens, nach dem Verhältnis von Schöpfer und Kreatur, nach Glaube und Göttern, sie alle werden ausführlich diskutiert und Bibelmethapher reiht sich an Bibelmetapher. Auch wenn es dabei viel zu entdecken gibt und nach dem Kinobesuch lange, leidenschaftliche Diskussionen darüber geführt werden können, wer nun Jesus, Gott oder Maria ist und welche anderen Mythen Scott hier verarbeitet, bleibt zum Schluss doch der Eindruck, dass dieser Film seinem Schöpfer nicht so leicht von der Hand gegangen ist, wie seine früheren Science Fiction Klassiker. Wie erwähnt ist auch die Ausrichtung auf eine direkte Fortsetzung problematisch.

Natürlich beschwert man sich auf hohem Niveau, wenn man beklagt, dass ein Science Fiction Film höchst ambitioniert ist, und seinem Anspruch dabei nicht ganz gerecht wird. Darum sage ich es noch einmal: Prometheus ist kein schlechter Film. Allein für Michael Fassbenders David lohnt sich der Kinobesuch. Aber es ist eben schade, wenn man sich vorstellt, was Prometheus mit etwas weniger zwanghaftem Anspruch und etwas mehr Innovation hätte sein können. Nämlich ein weiterer Klassiker. Mit der laufenden Kinoversion erlebt man zwar 124 sehr unterhaltsame und auch anregende Minuten, hat am Ende aber nichts wirklich Neues gesehen.

Trotz allem, was an Prometheus nicht zu überzeugen vermag: ein unterhaltsamer Science Fiction Film mit Anspruch ist in jedem Fall besser, als die langweiligen und platten Sci-Fi Action Spektakel der letzten Jahre. Das momentan grandios floppende Total Recall Remake zeigt auf, dass diese schlechten Zeiten für das Genre wohl noch lange nicht vorbei sind. Filme wie Prometheus, die zwar große, teure Hollywood Produktionen sind, gleichzeitig aber auch die Werte des traditionellen Science Fictions hochhalten, sind ein Lichtblick, den man schätzen sollte. Und wer weiß? "Big things have small beginnings." - Vielleicht gilt das auch für dieses neue Franchise.

Also: ab ins Kino und Prometheus gucken. Vorsicht ist nur dann geboten, wenn man Alien erwartet oder  Ambivalenz und offene Fragen auf den Tod nicht aussthen kann. Auch alteingesessene Scott und Science Fiction Fans (so wie ich), die sehr hohe Erwartungen haben, sollten diese ein wenig herunterschrauben. Am Ende kann der Film nämlich nichts dafür, dass wir uns so sehr ein Meisterwerk für die Ewigkeit gewünscht haben.

Ich vergebe eine solide 7,5 von 10 und lasse meine im Grunde recht alberne Hipster-Enttäuschung links liegent. Zum Schluss noch ein Tipp: unbedingt bis zum Abspann warten.

Edit: Vorsicht bei den Kommentaren! Da gibt es ein paar Spoiler! 

Kommentare:

  1. Sauer aufgestoßen sind mir die bruchartigen, und ab der mitte, nich mehr zusammenhängenden Szenen. Soundtrack mäßig ist von den bedrolich sparsamen Kompositionen von Jerry Goldsmith nicht mehr viel übrich geblieben, dardurch leidet natürlch die ganze Atmosphäre des Films.
    Zudem finde ich sind eine Ganze Reihe von Details echt in die Hose gegangen.
    Stichpunkt: Das Alienraumschif in der Holografischen darstellung muss erst um 45 gard gedreht werden um als solches erkannt zu werden (ein Würfel bleibt nach änderung des Ansichtspunktes immer noch ein Würfel). Stichpunk: als das Alienraumschif von der Physik gezwungen wurde den rücktritt zum vertrauten Boden anzutreten, beginnt es, nach dem Aufprall, an zu rollen..und den Protagonisten fällt nichts anderes ein als in der laufrichtung des rollenden Schiffes zu flüchten. hier an dieser stelle meine Frage: hätte es ein par schritte zur Seite nicth auch getan? naja das mal am rande, leider gibt es einige (meine Meinung nach) sehr fragwürdige Szenen.
    Zumal ich eingentlich, der mit Scott`s Meisterwerken groß geworden bin, nicht unbedingt eine art Retrospective erwartet habe. Aber dem Charm und die Wunderwelt der 70er wurden nicht zur Genüge getan.
    Objektiv in einem Satz gesagt : das Großeganze ist Fehlgeschlagen, das Gesamt Bildnis ist Lückenhaft und verzerrt.
    Zudem sein nocht gesagt: vielleicht hat mich mein Eindruck getäuscht, aber mich erschlich das Gefühl das Sponsoren die Daumenschrauben möglicherweise anzogen hatten um das Spektrum an Interessenten zu verbreitern, auch die Altersbeschrenkung von FSK 16 kann ein Indiz dafür sein.
    Schwarzmalerei liegt mir eigentlich im Blut, aber auch eine Objektive sachlich bezogene Beobachtung lässt mich Fragen wo denn nun die Charakter bildenden Harmonien waren die bis jetzt in vielen seiner ausschlaggebenden Filmen zu spüren waren. 4 von 10

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  2. Erstmal danke für dein Feedback. Immer schön, wenn hier weiter diskutiert wird ;)

    Dass man das Raumschiff erst drehen muss war für mich kein so großes Problem, wie die von dir ganz richtig angemerkte Dummheit der Charaktere beim davor weglaufen.
    Ich weiß nicht, ob die Feststellung, dass das Großeganze fehlgeschlagen ist, wirklich eine objektive Aussage ist. Du hast sicherlich recht, wenn du Lücken siehst und bemängelst, dass der Film gerade im dritten Akt deutlich an Fokussierung verliert, aber ob man dem Film nun eine komplett fehlende grundlegende Geschlossenheit von Entwicklung der Story und Charaktere anlasten will, halte ich für eine sehr subjektive Entscheidung. Schließlich kommt es ganz darauf an, auf welche Aspekte der Geschichte man sich nun konzentriert. (Charakter-Arks von Elizabeth Shaw und David entwickeln sich zum Beispiel sehr gut. Auf der Strecke bleiben dafür die meisten anderen Charaktere.) Bezeichnet man eine solche Meinung als objektiv, so impliziert das ein bisschen, dass alle, denen es nicht so ging, eben blind sind, und das halte ich für sehr kritisch. Will man hier solide SciFi Action mit einem teilweise recht interessanten Plot sehen, kann der Film schon funktionieren.
    Das mit den Daumenschrauben kann ich mir bei Scott ehrlich gesagt nicht wirklich vorstellen. Allerdings ist jetzt schon klar, dass die DVD/Blu-Ray Version um knappe 30 Minuten länger sein wird. Hier ein interessantes Interview dazu, wo man auch sieht, wie Scott tatsächlich etwas fahrlässig Dinge weggelassen und die Offenheit des Films als Entschuldigung benutzt hat: http://collider.com/ridley-scott-prometheus-deleted-scenes-interview/172202/

    Ich kann deine Meinung gut nachvollziehen und viele werden sie teilen. Prometheus ist insgesamt ein Film mit Mängeln, aber wie stark man ihm die am Ende zur Last legt, ist eben von den persönlichen Erwartungen abhängig. Ich war schon auch enttäuscht, als ich aus dem Kinosaal kam, aber warum ich denn doch keine Bewertung unter 7,5 abgeben würde, habe ich ja oben dargelegt.

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