07.07.2012

Ein unspezialisierter Sternenkrieg - Oder: wie ich lernte, den Todestern zu lieben

Ich weiß, die Prügel die in den vergangenen 15 Jahren auf das Star Wars-Universum niedergegangen sind haben in ihren Diminsionen ein fast so großes Echo hinterlassen wie die Zerstörung des ersten Todessterns. Darum werde ich mich auch diesbezüglich zusammenreißen. Außerdem wirkt es schon sehr Hipster-mäßig wenn ich tatsächlich einen solchen Beitrag verfasse. Doch, wisst ihr was? Das kratzt mich nicht. Denn vorgestern habe ich mir die "Star Wars Episode IV - Eine neue Hoffnung" DVD als limitierte Edition bestellt. Warum habe ich das getan, wo ich doch schon 2004 die erste Auflage der Star Wars Trilogie auf DVD erstanden habe, fragt ihr? Zumindest nicht weil ich meine Sammlung "vervollständigen" will. Diesen Kauf habe ich für das Bonusmaterial bzw. wegen der beiliegenden zweiten Disc getätigt. Dies dürfte wohl das erste Mal sein, dass ich eine DVD aufgrund ihrer Extras gekauft habe. Das sehr spezielle Feature des Silberlings ist nämlich die "stinknormale" nicht-Special Edition von "Krieg der Sterne". Als die limitierten Versionen der Filme 2006 auf den Markt geworfen wurden, kam ich mir schon sehr verschaukelt vor. Besonders weil ich ja schon 50€ für die Trilogie ausgegeben hatte. Damals sah ich auch noch vom Kauf ab, da ich es mir a) nicht leisten konnte/wollte und b) weil ich die Special Editions ja "okay" fand. Es ist schon fast anstößig den eigentlichen Film als popeliges Bonusmaterial abzustemplen.


Sechs Jahre später bin ich zur Besinnung gekommen. Nach so vielen Jahren habe ich plötzlich einen Moment der Klarheit erlebt, der mich dazu bewegt hat einen recht hohen Preis für den Film zu bezahlen der meine Begeisterung für das Kino erst wirklich in die Sphären gehoben hat in der sie sich heute noch befindet. Nun verspüre ich keinen Drang mehr die Neuerungen (d.h. eigentlich Verschlechterungen) der klassischen Star Wars Filme zu "verteitigen" oder gar die Prequels als "gar nicht soooo schlecht" zu bezeichnen.  Doch irgendwie empfand ich George Lucas' neue Skywalker-Abenteuer immer wie den Kadaver eines Taun-Tauns dass sich im Sommer unter meinem Haus verkrochen hat um dort zu sterben. Die riechen normalerweise schon übel genug...
Die letzten Sargnägel in der Star Wars-Ära nach 1994 waren für mich die weiteren Änderungen an den alten Filmen für die BluRays und der unglaublich verstörende Umstand dass Episode I tatsächlich UNVERÄNDERT in 3D neu ins Kino gebracht wurde. Von allen Dingen die man überarbeiten und retten müsste sind "Die dunkle Bedrohung" und "Angriff der Klonkrieger" wohl die Mütter der cineastischen-Zugunglücke der letzten 13 Jahre.

Die Initialzündung zum Kauf hat mir allerdings der Clip verpasst, den ich vergangene Woche gepostet habe; die Gotye-Parodie "The Star Wars that i used to know". Beim ersten hören des Lieds war ich schlicht amüsiert. Kurz darauf hatte ich eine Epiphanie. Durch meinen Hinterkopf schoss der Talking Heads-Song "Once i a Lifetime": 
You may ask yourself, am I right, am I wrong?
You may say to yourself, my god, what have I done?


Selbstverständlich hat der Song an sich nicht viel mit Star Wars zu tun. Doch die Realisierung, dass man einen Fehler begangen hat, sich selbst nicht wiedererkennt und den Trott zu überwinden versucht lässt sich auf alles mögliche anwenden. Ätsch.
Also habe ich es nun doch gewagt. Ich habe den ersten Schritt zurück getan, den "Fortschritt" hinter mir gelassen und mich dafür entschieden auf eine Zukunft die aus "Neeeeiiiiiiinnnnnn" rufenden Sithlords und Gungans besteht, einen großen dampfenden Bantha-Haufen zu setzen. 
Die tödliche Ironie an der ganzen Sache ist, dass ich dennoch "Star Wars: The Clone Wars" dufte ( -zig mal besser als die Prequels selbst) finde und bei der (vielleicht irgendwann in Produktion gehenden) Star Wars Realserie wieder einsteigen will.

P.S. Ich habe immernoch nicht entschieden ob ich meine SW-DVDs von 2004 behalten soll oder nicht UND ich werde wohl neue Cover für die Originale basteln müssen, da die Photoshop-Desaster der DVDs mal so garnicht gehen. Man hätte wenigstens die schönen gemalten Poster von Drew Struzan wiederverwenden können.

Kommentare:

  1. Das Dumme an diesen als Bonusmaterial degradierten Originalfassungen ist nur, daß es ja einfach Rips von den Laserdiscs sind, also auch nicht einmal anamorph. Das hat mich bisher vom Kauf abgehalten, auch wenn ich immer mit mir ringen muß, da ich die Filme bisher nicht in digitaler Form besitze, weil es eben abgesehen von der LD, zu der ich keinen Player habe, nie eine gute Edition gab.

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  2. Das mit den Laserdisc-Rips erklärt Lucas übrigens mit der dreistesten Lüge mit der er jemals um die Ecke kommen konnte: Er behauptet nämlich, dass die originalen Negative der Filme im Zuge der Special Edition unwiederbringlich verändert wurden. Weil man ja neue Effeckte usw. reingebastelt hat. Was einfach eine technische Unmöglichkeit ist.
    Es wäre Lucas einfach zu aufwendig und zu teuer die Originale zu restaurieren. :/

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    1. Naja, ich will gar nicht ausschließen, daß die Negative defekt sind und die Digitalkopie nur in der veränderten Fassung existiert. Ich würde ihm auch zutrauen, daß er das mit Absicht so gemacht hat. All das täuscht aber nicht darüber hinweg, daß man auch einfach eine Positivkopie hätte abtasten können. Davon sollte es wohl genug Rollen geben, um fast alle Szenen schadlos zu digitalisieren. Sogar in HD, denn dafür genügt so ein 35mm Streifen lockerst.

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