08.01.2012

Geinoh Yamashirogumi













Es ist Sonntag und an Sonntagen soll man es ja etwas ruhiger angehen lassen. Darum komme ich heute mal mit einer Band-Vorstellung daher. Wie ihr an der Überschrift des Posts unschwer erkennen könnt, geht es nicht um eine angesagte Industrial-Band aus LA oder einen angesagten DJ aus Paris oder so einen Kram. Es geht um "Geinoh Yamashirogumi". Nein, ich bin nicht auf der Tastatur eingepennt. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Kollektiv von hunderten japanischen Musikern aus allen Bevölkerungsschichten. Hier musizieren Zahnärzte neben Handwerkern und Broker mit Kindergärtnern usw. Das Projekt wurde 1974 von Tsutomu Ohashi ins Leben gerufen und existiert bis heute. 
"Geinoh Yamashirogumi" kann man als ein Amalgam aus klassischer Musik, Progressive Rock und japanischem Noh zusammenfassen.
Die besagte Mischung mag vielleicht für den "Durchschnittshörer" eher wie Böhmische Dörfer klingen. Besonders die Gesänge aus dem Noh-Theater sind für das europäische Ohr recht gewöhnungsbedürftig. Zur näheren Erklärung ein kurzer Beitrag über das besagte Theater mit Klangbeispielen für Noh:


Wie gesagt, für die Meisten dürfte der Stil gewöhnungsbedürftig sein.
Die Band an sich ist mir schon seit Kindesbeinen an bekannt. Der Name des Kollektivs allerdings erst seit kurzem. Dies liegt daran, dass GY den epischen Score für Katsuhiro Otomo's Meisterwerk "AKIRA" eingespielt haben. Die  damals auf mich außeridisch wirkenden Klänge, der Gesang und Trommelrythmen in den  Stücken "Kaneda's Theme" und "Battle against Clowns" blieben mir Tage lang als äußerst hartnäckige Ohrwürmer im Gedächtnis. Hier die Songs:


Zwei Beispiele für einen durchweg interessanten und perfekten Soundtrack der die Stimmung des eigentlichen Films um mindestens eine Ebene bereichert und umso mysteriöser und epischer wirken lässt.

Erst vor kurzem habe ich mich über "Geinoh Yamashirogumi" informiert und habe dabei festgestellt, dass die Band, wie bereits erwähnt, bis heute besteht, ganze 9 Alben aufgenommen hat und nochimmer Konzerte gibt. Für mich ist das ein Anlass zur Freude. Es wäre schon ein Jammer wenn der AKIRA-Soundtrack nur ein musikalischer Einzelfall bleiben sollte.

Otomo (Autor des AKIRA Comics, Drehbuchs und Regissuer des Animes) wurde auf die Band durch ihr Album "Ecophony Rinne" von 1986 aufmerksam und beauftragte sie mit dem Soundtrack für AKIRA. Beim Hören des Albums fallen deutliche Parallelen zwischen jenem Werk und dem Soundtrack auf. Viele Passagen klingen sehr ähnlich oder wurden sogar direkt für den Score übernommen. Besonders die Trommeln in "Reincarnation" finden sich auch in "Kaneda's Theme" wieder:


Im Channel des Uploaders dieses Videos kann man auch den Rest des Albums hören.
Etwas krasser geht auf "Osorezan" ab. Allein der erste Track beginnt mit dem hysterischen Schrei einer Frau und besteht aus Gesängen die man in einem Teil der "Ring"-Filmreihe erwarten würde. Das Stück ist nicht gerade als Klingelton oder in einer Playlist auf Random zu empfehlen. Ich erschrecke mich jedes Mal.
Vor dem Abspielen die Boxen bitte ein wenig leiser Stellen:


Mehr kann ich an dieser Stelle leider auch nicht erzählen. Von den verbleibenden 7 Alben und dem Live-Langspieler habe bisher auch noch nichts gehört. Ich hoffe ich konnte euch mal was neues Zeigen und evtl. auch etwas Interesse an "Geinoh Yamashirogumi" oder sogar an "Noh" zu wecken. 

Zum Schluss noch ein Live-Clip um mal zu verdeutlichen wie das ungefähr aussieht wenn die Stücke in Echt performt werden:



Geinoh Yamashirogumi's Facebook und offizielle Homepage (in japanisch).

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