28.10.2011

Comic Review: Nemesis

Die Farbe Weiß hat viele Bedeutungen. Während sie hierzulande vor allem Reinheit symbolisiert, steht sie im Budhismus für Trauer, in China ua. für Hinterlist und in Japan ist sie gar die Farbe der Männlichkeit und des Todes. Dass Mark Millar über all das nachgedacht hat, als er seinem neuen Supervillain Nemesis ein schneeweißes Kostüm auf den Leib geschneidert hat, kann man nur vermuten. Was in dem von Steve McNiven illustrierten, 108 Seiten Starken Band über den bombastischen Zerstörungsfeldzug des absolut wahnsinnigen Supervillains jedoch deutlich wird, ist vor allem eines: Auf Weiß kommt Blut besonders gut zur Geltung.
Am 20ten Oktober ist die kleine feine Gewaltfantasie aus der Feder des Kick-Ass Schöpfers im Panini Verlag erschienen und wer vor Splatter, Gore und absolut überdrehter und unglaublich sinnloser Comic-Gewalt nicht zurückschreckt, wird Spaß mit Nemesis haben.

Zur Story: Er hat sich fröhlich durch die Polizei-Eliten und Zivilisten Asiens gemordet, nun wird es Zeit für ein neues Opfer: Nemesis, der neue Stern am Supervillain Himmel macht Jagd auf Blake Morrow, den Polizeichef von Washington DC. Bei seinem rätselhaften Komplott um den Supercop mit der weißen Weste stehen ihm nicht nur sein enormes Vermögen, seine vielen technischen Spielereien und eine erlesene Auswahl lokaler Gangster Größen, sondern auch sein irrer Sinn für Humor zur Seite. Aber auch Morrow ist nicht auf den Kopf gefallen und so entspinnt sich ein Kampf der Giganten, in dem sogar die Entführung des Präsidenten der USA schnell zur Nebensache wird.

Nemesis macht einfach Spaß. Das ist vor allem dem Protagonisten selbst geschuldet. Das irre Verbrechergenie in Weiß ist ein erfrischend humorvoller Anti-Batman, der nicht einfach nur damit droht, die Welt zu zerstören, sondern es auch tut. Some men just want to see the world burn, dieser Mann hat seinen eigenen Brandbeschleuniger mitgebracht. Und auch Chief Morrow weiß mit Coolness und für einen Comic Polizeichef ungewohnter Kompetenz zu unterhalten. Obwohl er so ein aufrechter und guter Mann ist, ist er nicht langweilig oder eben zu moralisch geraten.
Überhaupt hat hier niemand und nichts auch nur die kleinste Chance langweilig zu sein. Die Handlung in Nemesis startet mit hoher Geschwindigkeit und wird einfach nur schneller. Atempausen sind rar gesäht und kaum hat man sich halbwegs erholt reißen einen die Geschehnisse auch schon wieder weiter. Beim Zuklappen des Bandes hat man in der Tat das Gefühl, gerade einen sehr unterhaltsamen Action Film gesehen zu haben. Und ähnlich wie bei einem guten Action Film kann man auch bei diesem Comic über kleine Ungereimtheiten und Schwächen im nicht allzu ausgegorenen Plot durchaus hinweg sehen. Vor allem Nemesis Motivation mag zu Anfang spannender scheinen, als sie am Ende tatsächlich ist, allerdings bleibt für Enttäuschung einfach keine Zeit. Und auch die Tatsache, dass McNivens Zeichnungen hier und da ein wenig statisch und zu minimalistisch wirken, mindert den Schauwert nicht allzusehr, schließlich hält man sich ohnehin nicht allzu lang auf einer Seite auf.

Zuletzt sei noch einmal auf die in der Tat recht exzessive Gewalt in Nemesis hingewiesen. Was hier zwischen zwei Buchdeckeln abgeht, bereitet allzu zarten Gemütern schnell Kopfschmerzen. "Nahaufnahmen" von Menschen, die ein Zug überfährt, durchbohrte Köpfe, sterbende Säuglinge, Blut, Gedärme und vieles mehr bieten Anlass dazu, dass selbst Panini auf der Rückseite bemerkt: "Empfohlen ab 18 Jahren". Da das ganze von Steve McNiven sehr realistisch und in einfachen, sauberen und flächig illustrierten Panels aufbereitet wird, kann man Tod und Verwüstung natürlich auch sehr eingehend betrachten..
Alle, die reale und fiktionale Gewalt nicht unterscheiden können und blind für die Tatsache sind, dass man die hier so herrlich überdrehten Geschehnisse überhaupt nicht ernst nehmen kann, sollten den Band also besser stehen lassen. Der Rest darf sich über Millars kleines Schlachtfest freuen.

Fazit: Millars und McNivens Nemesis ist eine kurzweilige und spaßige Gewaltorgie mit nicht allzu dummem, aber eben auch nicht hoch intelligentem Plot. Die Illustrationen sind kraftvoll, wenn auch manchmal etwas undynamisch. Am Ende kommt es bei Nemesis vor allem darauf an, ob man sich für actionreiches Comic Fastfood begeistern kann oder nicht.
Ich vergebe eine 7 von 10 und freue mich darüber, dass die Filmrechte schon verkauft sind (wie man hier in Christians Rezension schon lesen konnte).

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Dein Kommentar erscheint, wenn er sorgfältig per Hand freigeschaltet wurde ;)