08.08.2011

Review: Community Season 1 und 2

Selten fühle ich mich dazu aufgerufen, eine Review über eine Serie zu schreiben, aber in diesem Fall kann ich nicht anders. Wer sich auf dem amerikanischen TV Markt ein wenig auskennt, wird sicher schon von Community gehört haben, aber ich nehme an, die wenigsten haben die Sitcom mit der extra Portion Meta gesehen. Bei all den großartigen Serien, die in diesen "Golden Age Of TV" getauften Jahren produziert werden, ist es eben wirklich schwer und zeitaufwändig, alles mitzubekommen. Community trotz eventuellem Zeitmangel ins persönliche Programm aufzunehmen lohnt sich jedoch, vor allem wenn man Folgendes mag: Filme, Meta Humor, Abwechslung und Vielfalt in Cast und Story, schwarzer Humor... muss ich weiter machen? Gut, dann kommt hier eine kleine Review zu Community Season 1 und 2.

Story und Charaktere:
Jeff Winger (Joel McHale), ehemals Anwalt nun aber mit einem falschem Universitätsabschluss erwischt und seiner Lizenz "beraubt", kommt ans Community College Greendale, um seinen Abschluss nachzuholen. Aalglatt und berechnend gründet er eine Spanisch Lerngruppe, nur um Britta (Gillian Jacobs), einen Öko und Gutmensch mit aufgesetztem Jesus Komplex, ins Bett zu kriegen. Dieser Plan geht (natürlich) schief, denn promt tauchen unerwartet mehr Teilnehmer auf.
So gründet sich DIE STUDY GROUP, neben Jeff und Britta bestehend aus: Abed (Danni Pudi), einem muslimischen, Film besessenen Geek mit quasi Autismus.Troy (Donald Glover), einem ehemaligen High School Football Star und Promking mit wenig in der Birne. Annie (Alison Brie), einem leistungsbesessenen ehemals hässlichen Entlein mit überwundenem Drogenkarriere. Shirly (Yvette Nicole Brown), einer über christlichen Mutterfigur mit ignoranten Tendenzen und durchgebranntem Ehemann. Pierce (Chevy fucking Chase!), einem alten, rassistischen und sexistischen ehemaligen Business Bigshot mit Größenwahn.
Zusammen dringen die 7 in Galaxien vor, die nie zuvor ein Community College Student gesehen hat...

Rezension:
Was Community so großartig macht sind genau drei Dinge: die Figuren und ihre Dynamik, die Mischung aus skurriler Situation und Charakterentwicklung und der TV und Film bezogene Meta Humor.

Bis auf Chevy fucking Chase, der hier eine auf Basis der letzten Jahre seiner Karriere unerwartet großartige Leistung vollbringt, kannte ich keinen einzigen Teil der Besetzung. Schon nach wenigen Folgen war ich beeindruckt: Community verlangt seinen Darstellern eine sehr breite Palette an Situationen ab, in denen sie ihre Vielseitigkeit grandios unter Beweis stellen können. Vor allem Danni Pudi ist als Abed der geheime Star der Serie, der vom scheuen Autisten über den visionären Regisseur bis hin zu Batman wirklich alles drauf hat. Vor allem die Kompatibilität des Ensembles untereinander ist beeindruckend und sorgt für überraschende Situationen.
Im Endeffekt steht und fällt jedoch alles damit, dass die Study Group schon nach wenigen Folgen eine herrlich disfunktionale Familie ist. Dafür sorgt eine glaubhafte Charakterentwicklung, nicht nur was die Hauptpersonen angeht. Auch die extrem verschrobenen Nebencharaktere wirken konstant im Hintergrund und sorgen mit dafür, dass man sich in Greendale schnell "daheim" fühlt. Dabei bleiben Konflikte und Entwicklungen dezent genug, um nicht zu nerven und die Serie nicht in eine Soap zu verwandeln. Vor allem in der zweiten Season erhalten die Charaktere stärkere Arks, die aber so gut eingewoben werden, dass sie dem Zuschauer zum Teil erst dann auffallen, wenn sie wirklich akut werden.

Aber zurück zum Humor: Community wartet mit einer gelungenen Mischung aus Gags und unterschwelliger Situationskomik auf, besonders glänzt die Serie aber durch ihren Meta Humor.
Generell ist nichts off limits und es gibt wenig Witze, vor denen Community zurückschreckt. Für diesen ungewöhnlichen Reichtum an Themen und Situationen sorgen die vielfältigen Charaktere. Während Jeff zum Beispiel eher mit ironischen Kommentaren operiert, sorgt Pierce für die Extraportion Rassismus und Sexismus. Da die Figuren so unterschiedliche Gesellschaftsgruppen repräsentieren, können die Autoren wunderbar Konflikte mit ihnen austragen, Schläge in alle Richtungen austeilen, aber auch unerwartete Gemeinsamkeiten aufdecken. Wer es also nicht nur einsichtig sondern auch unpassend, böse und absolut wahnsinnig mag, wird an Community seine helle Freude haben.
Was man auf den ersten Blick für eine nach billigen Klischees zusammengewürfelte Truppe halten mag, nichts anderes als eine perfekte Parodie eben dieses Sitcom-Klischees. Und wenn Abed schon in der dritten Folge damit beginnt, in der Serie einen Film zu drehen, und Jeff sich gleichzeitig mit einem Professor konfrontiert sieht, der seine Schüler auf ihre Tische steigen und den Tag nutzen lässt, weiß das geschulte Auge schnell, worum es hier geht. Fast jede einzelne Community Folge macht sich eine bestimmten Serie oder einen bestimmten Film zum Thema und so sehen wir in der zweiten Season z.B. eine Halloween Folge, die in zwanzig Minuten einen besseren Zombie Film abliefert als so manche teure 90-Minuten Produktion. Egal ob Jesus, Charlie Kaufman, Pulp Ficton, Amageddon, Western, Postapocalypse oder eine Folge darüber, wie man sich richtig über schlechte Filme lustig macht: Community bietet etwas für alle Film und TV Geeks. Dabei ist die Serie entspannt selbstreferentiell und weiß ganz genau, wann sie sich ernst nehmen muss und wann nicht.

Fazit:
Community schafft den schweren Spagat zwischen Offbeat Humor, subtiler Situationskomik und großartigen Charakteren, versehen mit einer Meta-Ebene, die sich gewaschen hat. Wer Filme liebt und eine Sitcom sucht, die ihn noch überraschen kann, sollte Community in jedem Fall eine Chance geben. Season 1 startet etwas langsam, nimmt aber schnell Fahrt auf und Season zwei realisiert dann vollständig das große Potential der Idee. In Season 3 darf man sich übrigens über einen regelmäßig auftauchenden John Goodman freuen (FREU!).

Ich schließe mich mit 9 von 10 dem Imdb Rating an.

P.S.: Die Show hat auch rein visuelle Werte, wie man an diesem Foto aus einem GQ Shoot mit Alison Bree und Gillian Jacobs ersehen kann. Schade, dass Joel McHale nicht mit dabei war...

Kommentare:

  1. Ach jetzt funktioniert's wohl, dann war ich wohl zu blöd, ich schreibe mal demnächst meinen Kommentar, wollte nicht alles wiederreinhacken.

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