07.07.2011

"Troll 2" (1990) Review


Titel: Troll 2
Herstellungsland: USA
Regie: Claudio Fragasso
Drehbuch: Claudio Fragasso, Rosella Drudi
Jahr: 1990
Uncut: Ja

Ach ja, inoffizielle Fortsetzungen von erfolgreichen Filmen sind schon was Tolles. Trash-Perlen wie Lucio Fulcis "Zombie", Bruno Matteis "Terminator 2" oder Ciro Ippolitos "Alien 2" sind Beispiele, die zwar kaum etwas mit dem Original zu tun haben, aber dafür von vielen Genrefans als kleine Meisterwerke gefeiert werden. Doch die Idee einen Film, in dem es um Kobolde statt um Trolle geht und der nichts mit dem (mäßig erfolgreichen) "Troll" von 1986 zu tun hat, als dessen Fortsetzung zu vermarkten, ist schon ein Fall für sich. Wenn dann auch noch das Script nur in gebrochenem Englisch verfasst ist und keiner der Drehbuchautoren (geschweigedenn der Regisseur) etwas anderes als Italienisch spricht, ist es schon sehr halsbrecherisch, eine amerikanische Besetzung zu wählen. Zu allem Überfluss besteht die Besetzung auch nur aus Laiendarstellern, die eigentlich nur als Komparsen gecastet werden wollten. So geschehen bei "Troll 2".

Story: Die Familie Waits nimmt an einen Ferienprogramm teil, das daraus besteht mit einer fremden Familie für ein paar Tage das Haus zu tauschen, und reist dazu in das beschauliche Städtchen Nilbog ("Oh, my god! Its "Goblin" spelled backwards!"). Der 10 jährige Sprössling der Waits - Joshua - hält dies für keine allzu gute Idee, da sein toter Großvater ihm als Geist erschienen ist und ihn ausdrücklich davor gewarnt hat nach Nilgob zu fahren.
Dort angekommen stellt Joshua fest, dass die Stadt von Kobolden übernommen wurde und diese Menschen in Pflanzen verwandeln um sie zu verspeisen. (Genau wie in der Geschichte, die sein toter Großvater im vorgelesen hat!!!) 

"Troll 2" ist ein Desaster. Zugegeben: ein unterhaltsames Desaster. Nichts an diesem Film ist gut. Das Drehbuch ergibt nicht viel Sinn, die Schauspieler sind mies und die Effekte/Masken der Goblins sehen aus wie fritierte Muppets. Auch wenn man dem Film einen gewissen Subtext entnehmen kann, "Vegetarier sind beknackt.", hilft das nicht dabei über alle anderen Schwächen hinwegzusehen. Ganz davon ab wie politisch korrekt man diese Message finden will. Claudio Fragasso und seine Frau Rossella Drudi haben ein Script in einer Sprache, die sie für Englisch hielten und in einer Weise die sie für typisch Amerikanisch hielten, verfasst. Kompromisse mit den Schauspielern standen nicht zur Debatte. Alles wurde so gedreht, wie es geschrieben stand. So entstanden Dialoge, die man einem Viertklässler zutrauen würde, nachdem er an einer Flasche Klebstoff geschnüffelt hat. Wenn man dann noch bedenkt, dass (wie gesagt) die Besetzung von "Troll 2" zu 99% aus Laien bestand und sogar einer der Darsteller frisch aus der Irrenanstalt entlassen wurde, ist es kein Wunder, dass der Film einst bei IMDB auf Platz 1 der Bottom 100 Liste war und auf Rotten Tomatoes ein 0% Rating von den Kritikern erhalten hat. Z.Zt ist der Film auf Platz 70 geklettert.

Krass daran ist, dass der Film (besonders in den Staaten) zum Kultfilm avanciert ist. Ähnlich wie "Plan 9 from Outer Space" treffen sich Fans aus dem ganzen Land um Convetions abzuhalten und den Film (in Kombination mit anderen Trashfilmen) im Kino zu bewundern. "Troll 2" ist so übel, dass er zugleich peinlich und unglaublich witzig ist. Besonders George Hardy (im Film "Michael Waits") sonnt sich sehr gerne im späten "Erfolg" des Films und lässt sich gern von Fans feiern.
Übrigens ist "Troll 2" wohl die einzige inoffizielle Fortsetzung die tatsächlich offiziell vom selben Label (MGM) vermarktet wird wie das Original. 

Trotz seiner niederschmetternden Bewertungen bei IMDB und Rotten Tomatoes, muss ich sagen, dass ich schon bei weitem schlimmeres gesehen habe. Filme wie "House of the Dead", "Postal" oder "Dead Men dont die" haben mir weitaus schlimmere Schmerzen und Aggressionen bereitet als Troll 2. Denn man muss zugeben, dass "Troll 2" weitaus einfacher durchzustehen ist, als viele andere schlechte Filme. Der Irrsinn und das schlechte Schauspiel lassen den Film so unfreiwillig komisch wirken, dass man schon fast das Gefühl hat eine Parodie zu sehen, bei der man wissen will wie es weitergeht bzw. endet.

Fazit: Beknackt aber "unterhaltsam" 3von10

Wer mehr über "Troll 2" und dessen neuerlangten Kultstatus erfahren will, sollte mal einen Blick auf die Dokumentation "Best Worst Movie" werfen. Michael Stephenson ("Joshua Waits" in Troll 2) zeichnet anhand von Interviews mit Fans, Darstellern und dem Regiesseur die Geschichte von Troll 2 nach und untersucht die Gründe für dessen späten Ruhm. Ein sehr gelungener Zusatz zum Film. Kann ich besonders als Double Feature empfehlen.

Troll 2 Trailer



Trailer zur "Best Worst Movie" Dokumentation



Troll 2 Review vom Cinama Snob

1 Kommentar:

  1. Ich empfehle dazu auch die "Half in the Bag" Folge dazu von Redlettermedia.com http://redlettermedia.com/half-in-the-bag/troll-2-and-best-worst-movie/

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