22.06.2011

Piranha (1978) - Review

Titel: Piranha
Herstellungsland: USA
Regie: Joe Dante
Drehbuch: John Sayles
Jahr:1978

Als Roger Corman gegen Ende der 70er Jahre so ziemlich jede Variation des Women in Prison Genres sowie jede Kurve von Pam Griers Körper auf der Großen Leinwand gebannt hatte, merkte er dass ein neuer Wind durchs Genre-Kino fegte: Tier-Horror. Steven Spielbergs "Der Weisse Hai" spielte Millionen von Dollars ein, indem er mit den Urängsten der Menschen spielte und ihnen zugleich eine Handvoll neuer Phobien hervorrief. Das konnte Corman natürlich nicht auf sich sitzen lassen und beauftragte den jungen Joe Dante ihm seine Variante von schwimmenden Killern zu drehen. Gesagt, getan und 1978 lies man dann die Piranhas auf die Kinogänger los.

Story: Als zwei Jugendliche bei einem Badeausflug verschwinden, wird die Privatdetektivin Maggie McKeown angeheuert um die beiden aufzuspüren, findet mit der Hilfe von Paul Grogan allerdings nur noch die abgenagten Überreste der beiden auf dem Grund eines Wasserreservoirs. Was Maggie erst zu spät erfährt ist, dass das Wasser, das sie zuvor aus dem Becken gelassen hat, genetisch manipulierte Piranhas enthielt die, sich jetzt im örtlichen Fluss breit machen. Maggie und Paul müssen nun  verhindern, dass die Piranhas ins Meer gelangen und auch noch das Ferienlager und den Badesee leer fressen...

Auch wenn es auf der Hand liegt, dass Corman damals gezielt die Elemente die den Weissen Hai (und dessen Erfolg) ausmachten ausnutzen wollte um Kohle zu verdienen, hat der Film durchaus seinen eigenen Flair. Mit Piranha hatte man es eindeutig darauf angelegt eine augenzwinkernde Variation von "Jaws" vorzulegen.(siehe Poster). Nicht ganz ohne Hintergedanken spielt Maggie gleich zu Beginn des Films am "Jaws"-Arcade-Automaten und gewinnt.
Statt eines beklemmenden Horror-Thrillers hat man sich einige WTF-Momente gegönnt und so in einer der ersten Szenen eine echsenartige Kreatur durch die Station, in der die Piranhas gehalten wurden, laufen lassen, auf die nicht einmal wirklich Bezug genommen wird und die auch im Rest des Films nie wieder auftaucht. Ob es sich dabei nun um ein Plothole handelt oder man die Zuschauer  nur ein wenig verschaukeln wollte, bleibt ungeklärt. Die Charaktere sind weitestgehend Abziehbilder und entsprechen den gängigen Klischees des Genres: Der korrupte Bürgermeister, der auch über Leichen geht um den Badestrand offen zu halten, der abgedrehte Wissenschaftler mit Vietnamsyndrom, die skrupellosen Leute vom Millitär etc.
Natürlich hat man sich nicht lumpen lassen und die Figuren auch mit damals (und zum Teil auch heute noch) bekannten Genre-Gesichtern besetzt: Wie z.B. Bradford Dillman aus "Flucht vom Planet der Affen", Kevin McCarthy "Invasion of the Bodysnachters" und Barbara Steele aus "Die Stunde wenn Dracula kommt".

Gewalt und Gore dürfen in einem Exploitation-Film natürlich nicht zu kurz kommen, sonst hätte man ja keinen Exploitation Film. Aufgrund der körperlichen Beschaffenheit der Piranhas kann man sich bei den Verletzungen, die der Schwarm von schwimmenden Killern seinen Opfern zufügen kann, etwas mehr austoben, als bei einem zwei Tonnen schweren Hai. Der Hai macht in der Regel das Maul auf und der Tourist ist Geschichte. In "Piranha" werden Gesichter angeknabbert, Knochen wie Maiskolben abgenagt und von Leuten, die sich nicht mehr retten können, bleiben nur die Skelette übrig. Die Ausführung der Effekte bewegt sich in einer Art Grauzone: Wo viel Wasser ist, da ist es ohnehin schwer was zu erkennen und wenn dann noch Gallonenweise Kunstblut in den Tümpel geschüttet wird, kann man nur noch erahnen, was gerade abgeht. Das ist natürlich nicht unbedingt schlecht. So hat die Fantasie noch ein wenig mehr Spielraum. Wenn man dann noch davon absehen kann, dass die Selbe Einstellung vom schwimmenden Schwarm im Verlauf des Films einige Male recycelt wurde, kann man mit den Effekten leben. Immerhin muss man miteinbeziehen, dass "Piranha" weniger als ein Zehntel an Budget zur Verfügung stand als Steven Spielberg bei "Jaws". Geht also in Ordnung.

Alles in Allem ist "Piranha" ein netter Tier-Horror und eine der Blaupausen, die das Gerne begründet haben. Kurzweilig, blutig und mal mehr mal weniger (un)freiwillig komisch. Die deutschen DVDs von MGM sind übrigens uncut.

6,5von10

 Trailer:

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