04.05.2011

Source Code Rezension

Source Code, der neue SciFi Thriller von Regisseur Duncan Jones, kommt hierzulande bekanntlich erst am 2. Juni in die Kinos. Dank Sneak Preview wurde ich jedoch schon gestern mit einer Vorstellung des Films beehrt, und kann euch somit bereits heute eine Source Code Review anbieten - und euch vielleicht davor bewahren, 8 Euro oder mehr an der Kinokasse zu lassen. Source Code ist leider kein besonders guter Film geworden; und das auch ganz abgesehen von all den Erwartungen, die SciFi Film Fans nach Moon an Duncan Jones' Bigger-Budget-Zweitwerk hatten.

Story: Colter Stevens (Jake Gyllenhaal), Army Helikopter Pilot in Afghanistan, wacht in einem Zug auf dem Weg nach Chicago gegenüber einer schönen jungen Frau (Michelle Monaghan) auf. Das wäre an sich ein angenehmes Erwachen, müsste er beim Blick in den Spiegel nicht feststellen, dass er sich offenbar im Körper eines Fremden befindet. Doch der Schock währt nur kurz: nach 8 Minuten explodiert der Zug und Stevens findet sich eingeschlossen in einer Cockpit-ähnlichen Kapsel wieder. Auf einem Bildschirm nehmen eine Frau in Uniform (Vera Farmiga) und ein bebrillter Mann namens Dr. Rutledge (Jeffrey Wright) mit ihm Kontakt auf und bald wird klar, dass Stevens Teil eines revolutionären Militär-Programms namens Source Code ist. Source Code stellt ihm die letzten 8 Minuten eines bei einem Terror-Anschlag auf einen Zug gestorbenen Mannes zur Verfügung. Diese 8 Minuten soll Stevens nun immer und immer wieder durchleben, bis er den verantwortlichen Terroristen gefunden hat. Und das bitte schnell, denn man vermutet, dass ein zweiter Anschlag mit weitaus größeren Dimensionen bevorsteht.

Klingt spannend, oder? Ist auch spannend. Der Film ist in der Tat unterhaltsam - aber leider nur solange man das Gehirn abschaltet und nicht zu viel über Nebensächlichkeiten wie Logik und Plot nachdenkt. Wer Action, Spannung, ein wenig Romantik und ein wenig Feelgood-Heldentum erwartet, wird mit Source Code vergnügliche 93 Minuten verleben.
Alle anderen können im Folgenden herausfinden, warum sie wahrscheinlich genauso enttäuscht sein werden, wie ich es war.

Darsteller: Hier sieht es bis auf eine Ausnahme nicht schlecht aus. Jake Gyllenhaal ist bekanntlich ein guter Schauspieler und liefert in Source Code eine im Ganzen solide Performance ab, die da, wo es das Script erlaubt, ins Überdurchschnittliche ausschlägt. Ehrlich gesagt ist Jake Gyllenhaals Darstellung von Colter Stevens neben Duncans Regie das einzige, das den Film funktionieren lässt. Nur um ihn macht man sich wirklich sorgen, nur mit ihm fiebert man mit. Die Bedrohung durch die zweite Bombe wirkt so weit weg, dass sie dem Zuschauer herzlich egal ist. Aber Jones lenkt unseren Blick glücklicherweise ohnehin direkt auf Stevens, und nicht allzu sehr auf dessen Mission. Das gibt Source Code eine starke menschliche Komponente, die funktioniert, solange man bei kitschigen Dialogen hier und da ein wenig weghört.
Apropos Romantik: Michelle Monaghan hat es in Source Code schwer. Immer den nahezu gleichen Text und immer nur ein paar Minuten, um die absolute Traumfrau zu sein. Dabei ist sie ein wenig zu intensiev, aber das sollte man gerechterweise vornehmlich dem kitschigen Script anlasten. Bei Vera Farmiga sieht es ähnlich aus.
Wer tatsächlich absolut daneben gegriffen hat ist Jeffrey Wright; was sehr schade ist, denn Wright ist normalerweise ein Garant dafür, dass zumindest der von ihm übernommene Part Qualität hat. Seine Darstellung des skrupellosen Wissenschaftlers ist allerdings so furchtbar überspitzt, dass es unfreiwillig komisch wird. Ein Manko, das die deutsche Synchro tatsächlich ausbessern könnte, denn vor allem Wrights Art zu sprechen macht seinen Charakter zum lächerlichen Störfaktor.

Technisches: An Effekten, Kameraführung et cetera gibt es nichts zu meckern. Obwohl es hier immer und immer wieder zu einer riesigen Explosion kommt, fühlt man sich zu keinem Zeitpunkt, als säße man in einem Michael Bay Machwerk und was animiert ist, ist solide animiert. Dass Duncan Jones ein guter Regisseur ist wird vor allem darin deutlich, dass er es schafft, die ewigen Wiederholungen der selben kritischen 8 Minuten so abwechslungsreich zu gestalten und wenn nötig zu vekürzen, dass man sich als Zuschauer nicht langweilt. Der Film ist generell sehr schnell und mitreißend inszeniert. Über die zahlreichen Plotholes wird der Zuschauer einfach hinwegkatapultiert. In den Szenen, die Colter Stevens allein in der heruntergekommenen Cockpit-Kapsel zeigen, kommt sogar ein wenig Moon Feeling auf. Gerade das ist bitter, denn hier zeigt sich das Potential, das die Story von Source Code gehabt hätte. Diese Moon-artigen Elemente des Films erklären vielleicht auch, warum Jones das Projekt interessiert hat: Einsamkeit, Auswegslosigkeit, Wiederholung, Reuhe und der Tod. Ich wage jetzt einfach mal, das als Muster in Jones noch jungem Werk zu erkennen. Was hingegen nicht zu einem Muster werden sollte, ist die Wahl von schlechten, mit Plotholes und Logikfehlern durchlöcherten Scripts. Kommen wir also zu meinem Hauptkritikpunkt.

Plot und Script: Die Idee von Source Code ist im Grunde gar nicht übel: Das Gehirn ist kurz nach dem Tod noch soweit intakt, dass man mit dem Source Code Programm auf die letzen 8 Minuten einer Person zugreifen kann, um mit den so gewonnenen Informationen z.B. einen Terroranschlag aufzuklären. Leider macht Source Code aus dieser guten Idee einen großen, dampfenden Haufen Mist. Dabei wirf die Tatsache, dass Colter Stevens sich in besagten 8 Minuten völlig frei bewegen, in Abläufe eingreifen, aus dem Zug aussteigen und vieles mehr tun kann, eine Menge Fragen auf, die mit der abgeschmackten Erklärung, die der Film dann bietet, nicht restlos zu beantworten sind. Nie erfährt man, wie der Source Code nun genau funktioniert und das was man erfährt widerspricht sich. Bis zu einem gewissen Punkt ist das Rätselraten vom Film intendiert, aber auch die schlussendliche Lösung macht keinen Sinn. Ich könnte das hier jetzt aufdröseln, aber das würde erstens zu Spoilern führen und zweitens zu sehr ausufern. Belassen wir es dabei, dass in Source Code ein Wissenschaftler mit wenig Mitteln die größte Erfindung aller Zeiten hervorgebracht hat, ohne sie selbst zu verstehen.

Auch abgesehen von Plotholes und Logikfehlern ist Source Code ein nicht besonders gut geschriebener Film. Klar, alles läuft zügig durch und es kommt keine Langeweile auf. Aber viele Charaktere sind einfach zu platt und eindimensional, um wirklich Spaß zu machen. Vor allem schafft es der Film nicht, den Zuschauer wirklich für die Bedrohung, die Stevens abwenden soll, zu interessieren. Wie schon oben gesagt ist es allein der Hauptcharakter, der die dünne Story erträglich macht, denn mit ihm kann man wirklich mitfiebern. Aber ist das genug?
Kitsch und Pathos reichen sich vor allem in den letzten 5 bis 10 Minuten die Hände und sorgen für einen bitteren Nachgeschmack. Mein Tip: das Ende des Films einfach vergessen! Dadurch fällt dann praktischwerweise sogar der größte Logikfehler des ganzen Films weg und die menschliche Komponente des Films wird nicht verwässert. (Warum das Script so mies ist, kann vielleicht die sonstige Laufbahn des Autors Ben Ripley erklären: Species III und IV.)

Fazit: Gute Regiearbeit, ein guter Hauptdarsteller und eine im Grunde spannende Geschichte. Leider auch: ein furchtbar löchriges Script, das hinten und forne keinen Sinn macht und vor Platitüden und falschem Pathos strotzt. Wer sich einen lustigen Abend mit Chips, Bier und Freunden gönnen will, kann sich den Film unbesorgt ansehen, allerdings nicht für 8 Euro im Kino.
Wer beim Filme Schauen ein gewisses Maß an Intelligenz von einem Script fordert und Duncan Jones Moon geliebt hat: auf eigene Gefahr. Ihr werdet wahrscheinlich enttäuscht sein. (Ginge es in dieser Review um rein subjektive Eindrücke bekäme der Film aufgrund dessen, was ich persönlich von einem Film erwarte, tatsächlich nur eine 4.5 von 10.)

Rein objektiv komme ich aufgrund des Unterhaltungswerts, der guten Regie und des guten Hauptdarstellers trotz platter Dialoge, Plotholes und Logikfehler auf eine 5.5 von 10. Lieber auf DVD ansehen.

Trailer:

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