14.04.2011

"Ein Kind zu töten" (1976) - Review

"Würdest Du ein Kind töten?" bzw. "Was treibt einen Mensche soweit sogar ein Kind zu töten?" Dies sind die Fragen mit denen sich Regiesseur Narcisco Ibanez Serrador bei der Arbeit an "Ein Kind zu töten" auseinandergesetzt hat.
In "Ein Kind zu töten" befindet sich das junge Paar Tom und Evelyn, die gerade ihr drittes Kind erwarten, auf einer Spanien-Reise auf welcher Tom seiner Frau eine abgelegene Insel zeigen möchte, die er schon vor einigen Jahren einmal besucht hat. Dort angekommen finden die beiden eine Geisterstadt vor, welche nur von Kindern bevölkert wird.
Bei weiteren Nachforschungen müssen Tom und Evelyn feststellen, dass die Kinder der Inselbewohner sich gegen ihre Eltern erhoben und alle Erwachsenen abgeschlachtet haben. Nun haben sie es auf die beiden Besucher abgesehen.

Auch bei diesem Film handelt es sich wiedermal um ein Stück Sozialkritik im Gewand eines Horrorfilmes, welches weitestgehend miß-/unverstanden, geschnitten, falsch vermarktet und letztendlich indiziert wurde.
Bei seinem Release in Deutschland erhielt "Ein Kind zu töten" noch den äußert dümmlichen und unpassenden Namen "Tödliche Befehle aus dem All" mit einer unsagbar dummen Tagline, die mir die Tränen und Blut in die Augen treibt: "Utopie oder Wirklichkeit?"
Offensichtlich hat da jemand (zu oft) in der Schule gepennt. Es sei denn der Texter (oder wer auch immer dafür verantwortlich ist) hält eine Welt in der Kinder ausrasten und einen Krieg gegen die Erwachsenenwelt anzettlen für eine Utopie. Mahlzeit!
Von irgendetwas, das einen Ursprung im All haben soll, findet man im Film auch keine Anzeichen.

Mit einer dokumentarischen Einleitungssequenz (die in der ersten deutschen Veröffentlichung entfernt wurde) werden dem Zuschauer Musterbeispiele menschlicher Grausamkeit anhand des Holocaust, dem Indopakistanischen Bürgerkrieg, dem Koreakrieg usw. aufgezeigt und die Kinder als größte Opfer bzw. Leidtragende dieser Geschehenisse identifiziert.
Von da aus stellt man nun die Frage was muss passieren, dass ein Mensch soweit geht und sogar Kinder tötet bzw. was passiert wenn die Kinder irgendwann diese Grausamkeiten gegen die Erwachsenen anwenden.

Technisch ist der Film durchaus gelungen. Die Regiearbeit ist solide und besonders nihilistisch. Man hat sich nicht mit ausgefallenen Bildkompositionen aufgehalten oder auf viel Blut und Effekte verlassen. Der Film nimmt sich die Zeit Stimmung aufzubauen bis Tom Zeuge wird wie ein Kind einen alten Mann mit seinem Gehstock zu Tode prügelt.
Schon allein die Anfangsszene nur mit dem Summen von Kindern zu untermalen hat was für sich. Ganz davon ab, dass Kinder an sich sehr bedrohlich wirken können, was man entweder in anderen Horrorfilmen sehen kann oder schon weiß, wenn man jemals in einer Schule oder einem Kindergarten gearbeitet hat...

"Ein Kind zu töten" mit Filmen wie Hitchcock's "Die Vögel" oder Romero's "Night of the Living Dead" zu vergleichen ist nicht weit hergeholt. Auch in diesem Fall entwickelt sich aus heiterem Himmel etwas unscheinbares oder unschuldiges zu einer ungeahnten Bedrohung, der man unvorbereitet und "hilflos" gegenüber steht. Wer würde schon ein Kind töten?

Auch wenn der Streifen nicht ganz an oben genannte Meisterwerke herranreicht hat er durchaus seine Berechtigung erwähnt und einem breiteren Publikum zugänglich gemacht zu werden. Dies scheint man 2008 auch eingesehen zu haben und so hat man den Film vom Index gestrichen und ab 18 freigegeben.

Ein durchaus guter Film den man gesehen haben sollte. Vorallem wenn man öfter mal was "Anderes" oder "Neues" sucht.

7 von 10

Trailer:


Kommentare:

  1. Den Film will ich schon laaaange mal sehen, aber ich kam bisher nie dazu. Hat mich vom Trailer her immer ein bisschen an "Herr der Fliegen" erinnert.

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  2. "Herr der Fliegen" hab ich leider noch nicht gesehen. Muss ich noch nachholen.

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