15.02.2011

Brainbar Interview mit Diana Scheunemann zu Love American Skin

Am vergangenen Donnerstag hatte ich an dieser Stelle den Trailer zu Diana Scheunemanns kommendem Dokumentationsfilm Love American Skin gepostet. Was ihr da noch nicht wusstet: zeitgleich hatte ich die Chance, Diana ein paar Fragen für ein kleines Interview zu Love American Skin zu schicken. Gestern bekam ich Antwort und so kann ich euch heute tatsäch ein exklusives Brainbar Interview mit Diana Scheunemann zu ihrer Dokumentation Love American Skin präsentieren.

Diana Scheunemann ist in Deutschland geboren worden, hat in der Schweiz die Züricher Hochschule der Künste besucht und arbeitet in New York. Ihre Fotografien zeichnen sich durch einen absolut unverstellten, humorvollen und provokanten Blick auf Themen wie Jugend, Sexualität, Freude, Schmerz und vieles mehr aus, der seines Gleichen sucht. Dynamik, Intimität und Freiheit bilden das Herzstück all ihrer Werke. Einen Eindruck davon kann man sich unter anderem zwischen den Seiten bekannter Magazine wie zum Beispiel Vogue, Playboy, GQ oder Arena verschaffen, empfehlenswert sind aber vor allem ihre Bücher, in denen wir sie auf ganz eigenen, künstlerischen Wegen begleiten können: Ambisexual (2001, Vision On), Diana Scheunemann (2005, Damiani Editore) und Freedom In Flashes (2007, Honigherz).
Mit Love American Skin liegt nun ein Multimediaprojekt vor, das auf einem Roadtrip entstanden ist, den Diana im Sommer 2010 mit ihrem Freund/jetzt Ehemann im Uhrzeigersinn durch die USA unternommen hat. Neben vielen Fotografien ist dabei auch ein Dokumentarfilm  mit Eindrücken und Interviews entstanden, der im Mai in New York Premiere feiern wird. Hier das, was Diana mir über Love American Skin erzählt hat.

Erstmal herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! (Hab die Fragen am 11. Februar verfasst ;-) )
Diana: Zuerst einmal vielen Dank für die Geburtstagswünsche.

Bei meinen Recherchen habe ich festgestellt, dass es einen Diana Scheunemann Eintrag im englischen Wikipedia, aber nicht im deutschen gibt. Wie findest du das?
Diana: Shocking! Möchtest Du einen auf deutsch übersetzen? :o)

Hast du schon immer nebenbei gefilmt oder ist das eine jüngere Entwicklung?
Diana: Ich habe immer nebenbei gefilmt, aber mich bisher nicht darauf konzentriert.

Der Trailer zu Love American Skin sieht ja tatsächlich aus, als hätte man deine ohnehin immer sehr dynamischen Bilder einfach in Bewegung gesetzt. War diese Übersetzung schwierig für dich und gab es etwas, auf das du als gelernte Fotografin dabei besonders achten musstest?
Diana: Es war ein ganz natürlicher Prozess. Ich mag diese Dynamik in meinen Bildern und es war mir wichtig, dass der Film auch diese Handschrift trägt.

Was hat dich dazu bewegt, Love American Skin zu machen? Hattest du bestimmte Fragen, denen du nachgehen wolltest oder hast du dich einfach von deiner Reise überraschen lassen?
Diana: Als Europäer hat man viele Vorurteile und viele denken, dass NYC und LA wie der Rest of America ist. Der Rest, der ein riesiger Teil ist, ist jedoch ganz ganz anders. Wie viele Länder in einem. Und trotzdem das gleiche. Teilweise hat es mich an Afrika erinnert. Ich war neugierig. Ich wollte Menschen zuhören und sehen, was sie zu sagen haben. Wollte aber auf keinen Fall eine feste Struktur, bzw einen festen Rahmen festlegen, der sie oder mich eingeengt hätte.

Wie hast du die Menschen in deinem Film dazu bewegt, mit dir über ihr Leben zu sprechen? Musstest du sie überzeugen oder wollten sie von sich aus erzählen?
Diana: Ich, mein Freund (der ja auf halbem Weg mein Mann wurde) und unser Hund sind ein kleines Team und daher sehr zugänglich. Wir schauten nicht aus, wie ein Produktionsfirma, sondern einfach wie Menschen.

Deine Fotografien haben etwas sehr unbeschwert-offenes an sich und vermitteln einen vorurteilosen, wohlwollenden und humorvollen Blick auf Sexualität, Freude, Leid und vieles mehr. Dazu ist eine Intimität nötig, die in deinen Bildern immer mitschwingt. War es schwierig für dich, diese Intimität auch mit deinen Interviewpartnern herzustellen?
Diana: Ich denke, die Leute sind auf uns eingegangen, da wir auf sie eingegangen und ihnen auf einem Level entgegen gekommen sind. Es waren nicht so sehr Interviews als einfach Gespräche, die sich relativ natürlich entwickelt haben.

Was hast du auf deiner Reise über die USA und die Menschen gelernt? Gab es etwas, das dich besonders überrascht hat?
Diana: Die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen, hat mich sehr überrascht. Und dass sie sich Zeit genommen haben. Und uns in ihre Häuser eingeladen haben. Und das eben auch, obwohl wir oft offensichtlich sehr unterschiedliche Leben leben. Ich denke, dass wir gegenseitig voneinander gelernt haben.

Wäre „Love European Skin“ oder gar „Love German Skin“ ein sehr anderer Film geworden?
Diana: Das ist eine interessante Frage. Ich habe Deutschland verlassen, als ich 15 Jahre alt war. Ich stecke also nicht mitten im Land. Grundsätzlich denke ich, dass jeder überall auf der Welt ein interessantes Erlebnis oder eine interessante Geschichte hat. Man muss sie nur aus den Leuten heraus kitzeln.

Wie viel Material ist unter dem Schneidetisch gelandet und gab es irgendetwas, das du gern noch mit im Film gehabt hättest, das allerdings aus Gründen wie z.B. Länge dran glauben musste?
Diana: Der Film ist "nur" der Höhepunkt. Das ganze Projekt ist multimedial. Da ist die Website, auf der von Anfang März wöchentlich mehr Fotos zu sehen sind, eine Ausstellung und eben der Film. Ich habe also genug Möglichkeiten alles reinzupacken, was mir wichtig ist.

Dürfen wir uns ab jetzt auf weitere Diana Scheunemann Filme freuen?
Diana: Lasst Euch überraschen ;o)

Danke für das Interview! Bin sehr gespannt auf deinen Film. :-)
Diana: Vielen Dank Dir. Bin auch gespannt auf den fertigen Film :o)

Wann Love American Skin hier in Deutschland zu sehen sein wird, ist noch nicht klar, ich jedenfalls warte ungeduldig. Sicher ist, dass der Film auf vielen Festivals auf der ganzen Welt gezeigt werden wird. Für alle, deren Interesse nun geweckt ist, hier noch einmal der Link zur Love American Skin Homepage, auf der die oben erwähnten Fotografien ab März erscheinen werden. Außerdem wird es laufend Infos via Facebook und Twitter geben.

Zum Schluss bleibt mir nur noch mich auch an dieser Stelle noch einmal bei Diana für ihre Zeit zu Bedanken.
Ein Dankeschön außerdem an die Leute von Drive By Shoot, die dieses Interview möglich gemacht haben.


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