19.10.2010

Wohnklo

Good news everyone! Yours Truly ist seit gestern zurück in Leipzig, befindet sich in gutem gesundheitlichen Zustand und kann wieder in vollem Umfang für gemütliches Kaffeetrinken, festliche Videoabende und sonstigen "Schabernack" gebucht werden (zum Beispiel als Festredner bei Hochzeiten, Stand Up Act auf Beerdigungen, als arroganter, pseudointellektueller Partygast oder als zu viele Informationen über ein für alle anderen Beteiligten uninteressantes Thema absondernde allgemeine Störquelle).

Natürlich wäre meine Rückkehr von den westlich-lebenden Lebenden nicht komplett ohne einige Umgestaltungen, die die Katzen während meiner Abwesenheit in meinem Zimmer vorgenommen haben. So befindet sich direkt vor der Tür ein angetrockneter Fleck Kotze, mit dem ein offensichtlich halb verdautes Gummiband am Boden befestigt wurde. Da das Verzehren von unverdaulichen, fadenähnlichen Dingen eine Spezialität von Wilson ist, bedanke ich mich an dieser Stelle für seinen Beitrag und gebe zu: farblich harmoniert das Ganze sehr hübsch mit dem Rest meines Zimmers. Da ich Mageninhalt als Dekoelement allerdings nicht besonders schätze, wird dein Werk verschwinden müssen. Sorry Fuzzball.
Neben solchen kreativen Auswüchsen wurde natürlich wie immer der Mülleimer umgestoßen und durchwühlt, ein paar Zettel mit wichtigen Informationen mussten dem Nesttrieb weichen und große Haarbälle tanzen bei jeder meiner Bewegungen fröhlich über den Boden. Wie gesagt, das alles kommt nicht unerwartet. Was mich allerdings durchaus irritierte war der Umstand, mehrere Urinflecken auf meinem Bett und auf einem Stapel frischer Wäsche auf der Couch vorzufinden. Der schuldige Vierbeiner ist ohne jeden Zweifel Jule. Diese Katze hat einen eingschlägigen Hintergrund, wenn es um das Thema "Urin an ungewöhnlichen Stellen" geht. Außerdem erkenne ich es am Geruch. - Das war natürlich nur ein Scherz. Oder doch nicht? (Bam bam baaaam!)

Bisher hat Jule ihre Urin-Anschläge vor allem dann verübt, wenn sie wegen irgendetwas (es tut mir leid:) angepisst war. "Ihr habt das falsche Streu gekauft." "Diese Couch ist hässlich!" "Heb deine scheiß Jacke auf, sonst... zu spät!" Unvergesslich auch dieser Moment: Christian und ich liegen lesend im Bett, als Jule auf die Matratze hüpft und sich völlig ungerührt auf der Ecke erleichtert, auf der Wilson nachts schläft. Zu spät wird ihr klar, dass das auch unser Schlafplatz ist. Hilarity ensues. Die Botschaft sollte wohl sein: "Wilson, du nervst mich, ich piss dir ins Nest!". Ist das auch die Botschaft an mich? "Simone du nervst!". Unwahrscheinlich. Es ist bekannt, dass ich in meinem ganzen Leben noch niemanden genervt habe. Ich unterhalte nur.
Wahrscheinlicher ist folgende Botschaft: "Du bist einfach heim gefahren und hast mich mit Mila allein gelassen! Schnüffle meine Enttäuschung und Verachtung!". Denn: wenn das Kind ein Bettnässer ist, sollte man den Grund dafür vor allem im Verhältnis zur Mutter suchen. Ja, ich habe bei Freud aufgepasst. Und ja Mila: deine Katze hat ein Problem! Sieh nicht weg, sieh der Wahrheit ins gelblich schimmernde und streng riechende Aangesicht: dein Kind ist ein Bettnässer! Nun, so gern ich Jule und Mila auch weiter therapieren würde, der Drang dem dummen Miststück (vorsicht, ambivalent!) ein Glas gesunden Mittelstrahl über den Kopf zu gießen ist größer - jedoch genauso unwahrscheinlich.

Vielleicht ist der psychologische Ansatz in diesem Fall ja auch völlig verkehrt. Vielleicht handelte es sich bei Jules Attacke vielmehr um den Versuch einer feindlichen Übernahme, eine Markierung ihres neuen Gebietes? Beansprucht das Tier mein Zimmer für sich, in der Erwartung, dass ich nicht zurückkehre? Bezeichnet Jule meine Bleibe in Gedanken nunmehr als "größtes Klo der Welt"? Als "Wohnklo" quasi (Aaaah, darum die Überschrift!)? Ist für ein Wesen, das gezwungen wird, sein Geschäft in einem kleinen Plastik-Kasten mit chemischem Granulat zu verrichten, ein großes Zimmer mit einer Matratze auf dem Boden das emotionale Equivalent zu einem begehbaren Kleiderschrank? All diese Fragen klingen ziemlich gut und würden Jules Verhalten erklären, ohne von über-komplexen Gedanken und Gefühlen auf ihrer Seite auszugehen (der Gedankengang in diesem Fall wäre schlicht und ergreifend: "Meins!", ein Klassiker im Tierreich und auch in der Welt der Menschen nicht unbekannt).
Das Ganze hat nur einen Haken: logisch folgerichtig müsste man schließen, dass ich nunmehr in Jules Klo wohne. Und das würde mir meine Rückkehr doch etwas verleiden...

P.S.: Ob ich aufgrund dieses Vorfalls das multikulturelle Zusammenleben zwischen Mensch und Katze in dieser WG voll inbrünstigem und populistisch ertragreichem Fatalismus als gescheitert betrachten möchte, ist eine völlig andere Geschichte.

Kommentare:

  1. When you say you're back, you don't fuck around. Outstanding.

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  2. Hö, ich sehe Jule gerade vor meinem geistigen Auge als neuen Chrakter bei "Paraplüsch".^^

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  3. ouh man das kenn ich aber von unserer leia die pisst auch immer wenn ihr was nicht passt. gottseidank bisher nur dinge die in die waschmaschine gepasst haben.

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