28.10.2010

Obama in der Daily Show

Seit heute morgen um 6:15 bin ich wach und warte. Worauf? Auf die Daily Show Episode von gestern abend, in der zum ersten Mal ein "sitting" Präsident der Vereinigten Staaten auftrat. Who else but Obama! Hier nun endlich der Link zum Daily Show Obama Interview, das diesmal die ganze Episode einnahm.
Was euch erwartet hört sich ungefähr so an:
Obama: "Wir haben in wenig Zeit unter wahnsinnig schwierigen Umständen zwar nicht alles aber doch ganz schön was geschafft!"
Stewart: "Ja, aber irgendwie hatten wir mehr erwartet, von wegen yes we can bla bla, und sind enttäuscht."
Obama: "Versteh ich, bin ich auch. Aber hey: reality is a bitch but progress is progress und wir arbeiten dran. "

Ich biete im Folgenden ein wenig Kontext an, der zu einem tieferen Verständnis dieses Interviews führen könnte (wer den nicht mag oder nicht braucht kann den Info-Dump einfach ignorieren, ist allerdings schade um die vielen, in liebevoller Kleinarbeit angesammelten Worte):

Wie einige von euch vielleicht wissen sind in den USA Anfang November die "Midterm Elections", bei denen der United States Congress (also die Legislative) gewählt wird. Der Congress besteht aus zwei Kammern: dem United States House Of Representatives, dessen 435 Sitze komplett neu gewählt werden und dem United States Senate, wo 33 oder 34 Stitze (von insgesamt 100) neu gewählt werden. Zusätzlich werden zum Midterm auch noch in 34 der 50 Staaten neue Governors gewählt. Klingt nicht nur nach einem "big deal", ist auch einer. Vor allem weil den Demokraten, sprich Obama, dabei einiges an Kontrolle über die Regierung, namentlich die Fähigkeit Beschlüsse erfolgreich durchzusetzen, flöten gehen könnte. Während die Republikaner, die Tea Party natürlich ganz forn dabei, mit aggressiven und unsagbar teuren TV Spots (deren Sponsoren übrigens völlig geheim bleiben) für große Veränderungen werben, lässt sich die Stimmung im Lager der Demokraten momentan allerdings wohl am besten unter dem Begriff "Meh." zusammenfassen. Es sieht für die Midterms nicht so gut aus.


Woran das genau liegt erfährt man im Daily Show Interview mit Obama und gerade deshalb ist es so gut. Jon Stewart ist (wie sein Publikum) bekanntlich liberal eingestellt und geht daher mit einer wohlwollenden Grundstimmung an den Präsidenten heran. Dabei bleibt er allerdings ganz und gar nicht unkritisch und formuliert sehr präzise die Fragen, die die enttäuschten Obama Wähler sich stellen. Es macht Sinn, dieses Interview zu sehen, wenn man sich von der Polemik sonstiger Präsidenten-Intervies entfernen und einen kleinen, ruhigeren Blick auf die aktuelle Stimmung der Liberalen in den USA werfen möchte.
Stewart ist dafür ein perfekter Interviewer, schließlich ist er schon lange kein einfacher Comedien mehr (auch wenn Gegner sich immer wieder bemühen, ihn als obskuren Kasper ohne Sinn und Verstand erscheinen zu lassen). Für viele junge Menschen in Amerika ist die Daily Show (wie auch der Colbert Report) eine verlässliche Hauptquelle für Informationen über Politik und sonstige Nachrichten. Dass sich jetzt sogar der amtierende Präsident in Stewarts Show begibt, unterstreicht diesen Status zusätzlich. Man fragt sich, ob ein anderer Präsident als eben dieser so einem Auftritt überhaupt gewachsen gewesen wäre... Obama wird es mit diesem Interview aber nicht nur darum gehen, junge Wähler zu erreichen, sondern auch das Momentum der Rally For Sanity für die nur wenige Tage danach stattfindenden Wahlen zu nutzen. In diesem Sinne ist das Comedy-Central-Spektakel also durchaus auch eine politische Veranstaltung. Natürlich dürfen Stewart und Colbert das nicht offen zugeben, damit sie nicht aus dem Satire-Rahmen zu fallen, den sie ja nunmal brauchen um effektiv zu sein.

Ich bin gespannt darauf, wie die Wahlen ausgehen, ob die Rally am Ende tatsächlich einen Unterschied macht und ob es wohl jemals wieder einen Präsidenten in die Daily Show verschlagen wird...

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