29.08.2010

Review: "Batman: Under the Red Hood"

Schon vor einiger Zeit kam mir via Christian ein neuer animierter Batman Film namens "Batman: Under The Red Hood" unter die Finger. Der Titel schien mir irgendwie... bekannt... Under The Hood... war da nicht was? Ein schneller Griff ins Regal half: mit Under The Hood (in zwei recht erschwinglichen Bänden komplett erschienen) brachte Judd Winick 2005 Jason Todd, den zweiten Robin zurück. Diesem hatte nicht nur der Joker mit seinem Brecheisen, sondern die Batman Leserschaft selbst via Telefon Abstimmung in "A Death In The Family" das Licht ausgeknipst. Zu Unrecht, wie ich immer schon fand, war Jason Todd doch ein viel ambivalenterer und spannenderer Robin als Dick Grayson. Die Under The Hood Story, in der Jason Todd, wiederbelebt durch äußerst marvelesque Geschehnisse, die mir jetzt zu kompliziert sind, um sie zu erklären, zurückkehrt, um mit Batman und Konsorten abzurechnen, hatte mir sehr gut gefallen. Und da ich auch ein Fan des animierten Batman Universums bin sprach nichts dagegen, meinen Abend mit "Batman: Under The Red Hood" zu verbringen. Es wurde ein toller Abend!

Story:
In einer dramatischen Rückblende erleben wir mit, wie der Joker Jason Todd mit einer Brechstange halbtot schlägt und ihn mit einer tickenden Bombe zurücklässt. Batman kommt zu spät und kann nur noch die leblosen Überreste seines Sidekicks aus den brennenden Trümmern bergen. Vorspann. Ein paar Jahre später: Gotham befindet sich fest im Griff von Black Mask, der in bester Tony Montana Manier residiert und dem sich alle anderen Bosse brav untergeordnet haben. Während Batman sein Möglichstes tut, um dem Verbrechen Einhalt zu gebieten, taucht hinter den Kulissen wie aus dem Nichts ein neuer maskierter Rächer auf, der sich Red Hood nennt und Black Mask die Kontrolle über den gothamer Drogen-Verkehr streitig macht. Seine Methoden sind dabei allerdings alles andere als gesetzestreu und der eine oder andere Kopf muss schon rollen, damit der Laden richtig läuft. Als Batman herausfindet, wer hinter der roten Maske steckt und Black Mask den Joker ins Spiel bringt, wird es kompliziert...

Visuell:
"Batman: Under The Hood" kommt atmosphärisch sehr dunkel, realistisch und rauh daher. Gotham bei Tag? Vergesst es! In den hohen Häuserschluchten ist es ständig dunkel und verdreckt, die Stadt ist im Kontrast zwischen Metropolis-ähnlichen Prunk-Bauten und zwielichtigen Seitengassen begriffen. Under The Red Hood spielt also, wie auch die Comics der letzten Jahre, in dem Gotham, das Chris Nolan uns mit Batman Begins erschaffen hat. Nicht dass Gotham jemals ein freudiger, sonniger Ort gewesen wäre... Der dunkle, verrottete Charme passt gut zur Story.
Während der klare und einfache Stil der Figuren deutlich an die Zeichentrick Serie aus den 90gern angelehnt ist, wirken die Charaktere doch "erwachsener". Vor allem der Joker ist deutlich gealtert, was ebenfalls ein gängiger Trend in den Batman Comics der letzten Jahre ist. Normalerweise bin ich bei diesem Thema etwas skeptisch, da der Joker (genau wie Batman) für mich etwas Zeitloses haben muss. Die kleinen Falten stehen dem Clown Prince of Crime hier jedoch gut zu Gesicht, was wohl auch damit zu tun hat, dass Batman und er für diese Story so wirken müssen, als hätten sie schon so einiges hinter sich. Alle, die mit dem Stil nicht zufrieden sind, dürfen sich bitte mal die Red Hood Comics ansehen. Ich könnte mich an dieser Stelle stundenlang darüber auslassen, dass gerade das Ende der epischen Story einem Zeichner überlassen wurde, der offenslichtlich schielt und mit dem linken Fuß arbeitet. Ich habe schon einiges gesehen, aber...!
Die Animation ist flüssig und überzeugend, wer den derzeit gängigen, glatten Cartoon Stil nicht generell verteufelt, wird  nicht enttäuscht sein. Nach dem sehr schönen Vorspann wird jedenfalls klar, dass Under The Red Hood versucht, ein echter Batman Film zu sein und keine mal eben hingeklatschte Geldmaschine.

Voicing:
Bei der Besetzungsliste muss einem das Wasser im Mund zusammenlaufen: Bruce Greenwood (Captain Pike in Star Trek) als Batman, John Di Maggio (What about me? Bender?) als Joker, Neil Patrick Harris (HIMYM) als Nightwing, Jensen Ackles (Supernatural) als Red Hood, Jason Isaacs (The Patriot) als Ra's Al Ghul und Wade Williams als Black Mask.
Bruce Greenwood gibt Batman, den wir ja unter dem Cape kaum sehen, eine reifere Note und überzeugt auf ganzer Linie. Neil Patrick Harris ist ein passender Nightwing, schließlich ist der gute Dick ja ein eher fröhlicher und flapsiger Junge. Jensen Ackles ist dank Supernatural mit der Idee vom rebellischen Jungen Mann ja ohnehin irgendwie verwachsen, seine Leistung ist solide aber nicht besonders auffällig. Loben muss man Wade Williams, der Black Mask davor bewahrt, mit seinen Scarface Anzügen ganz auf die Comic-Relief Schiene abzurutschen und der dem Gangster mit dem schwarzen Schädel den nötigen Respekt verschafft. Am bemerkenswertesten ist jedoch John Di Maggio als Joker. Eingefleischte Fans wissen, dass seit "Batman: Mask Of The Phantasm" von 1993 eigentlich niemand anderes als Mark Hammill die Stimme des Jokers ist. Warum hier nicht? Vielleicht um den "erwachseneren" und ernsthafteren Ton zu etablieren, den Under The Red Hood ganz offensichtlich anschlagen möchte. John Di Maggio spricht einen dunkleren, maliziöseren Joker, bei dem einige vielleicht den wahnsinnigen Over-The-Edge-Touch vermissen werden, den Mark Hamill ihm so wunderbar gibt. Ganz abgesehen davon, ob größere Ernsthaftigkeit nun das Ziel bei dieser Besetzung war oder nicht: John Di Maggio ist ein toller Joker, der Mark Hamill gerne ersetzen darf, sollte dieser den lila Anzug irgendwann mal an den Nagel hängen wollen.

Allgemeine Kritik
Wer die Red Hood Reihe gelesen hat, wird mit ein paar deutlichen Abänderungen der Geschichte konfrontiert. Wo der Comic viele Facetten (ein Wiedersehen mit Captain Nazi zum Beispiel....) und Berührungspunkte zu anderen aktuellen Geschehnissen im DC Universum bieten konnte, muss der Film eine hermetisch abgeschlossene Story vermitteln, die in 75 Minuten passt. Glücklicherweise leidet dabei jedoch weder die Kernaussage der Comics, noch die Atmosphäre. Durch die Einbindung von Ra's Al Ghul in die Geschehnisse um Jason Todds Wiederauferstehung wird das Motiv vom "Verlorenen Sohn" sogar sinnvoll weitergesponnen. Vor allem die delikaten Verbindungen im Dreieck Batman-Todd-Joker sind gewahrt und verdeutlicht worden (es ist ja kein Zufall, dass Jason für seine Rückkehr die Maske desjenigen wählt, der ihn getötet hat...). Dialoge und Kernszenen wurden zm Teil wörtlich und minutiös übernommen, sodass ein Wiedererkennungswert bleibt. Verglichen mit dem Comic sind die Zugeständnisse an eine Filmversion zwar groß aber eben durchweg sinnvoll und zu verschmerzen, da die Essenz der "Saga" unangetastet bleibt. In sofern nimmt Under The Red Hood für mich auch in der Filmversion einen Platz neben den großen Klassikern der Batman-Reihe ein.

Das heißt nicht, dass ich keine negative Kritik zu äußern hätte. Mich stört ganz grundlegend, dass "Batman: Under The Red Hood" sich nicht entschieden hat, ob er nun auch ein Kinderfilm sein will oder nicht. Ich behaupte, dass die Zielgruppe Kind mit Under The Red Hood zum Großteil verfehlt wurde und vor allem "Erwachsene" Spaß daran haben werden. Warum also nicht gleich nur für die großen Kinder? (Die FSK scheint das übrigens ähnlich gesehen zu haben, aber ab 16? WTF?! Idioten...)
Schon seit Batman: Mask Of The Phantasm, spätestens aber seit dem furiosen Batman Beyond: Return Of The Joker sollte Fan wissen, dass nicht nur die 90ger Jahre Batman Zeichentrick Serie, sondern auch die daraus hervorgehenden Filme ganz bestimmt nicht allein für Kinder-Augen gemacht wurden. Während diese Filme mit ihrem freundlicheren Look und ihrer nicht allzu gewaltätigen Story jedoch immernoch genug kindgerechte Elemente boten, um tatsächlich als Kinderfilm durchzugehen, ist Under The Hood ein deutlich "erwachsenerer" (ja, wieder dieses Wort...) Film. Er beginnt mit dem grausamen und für einen Zeichentrick extrem plastischen Mord an Jason Todd, beinhaltet explodierende Köpfe und endet mit einer psychologisch sehr harten Szene. Die typischen coolen Kampfsequenzen, die in der Zwischenzeit nach bester Superhelden-Cartoon-Manier ablaufen, wirken so teilweise fehl am Platz und stören ein wenig das Feeling des Films. Denn wenn ich den Look, die Story, das Voicing und nicht zuletzt den Vorspann von Under The Red Hood richtig verstanden habe, soll er doch genau das sein: ein dunkler, realistischer, "ernsthafter" und eigenständiger Batman Film, der es mit RL Verfilmungen aufnehmen kann. Und da greift wieder eine meiner liebsten Redewendungen: Wenn schon denn schon! Hätte man die Zielgruppe Kinder aus der Gleichung genommen, wäre das Ergebnis sicher noch um einiges besser gewesen, als es so ohnehin schon ist.

Eine Kleinigkeit, die mich außerdem gestört hat (und mit der Kinderfilm Kritik irgendwie zu tun hat), war die Tatsache, dass Black Mask, ein eiskalter Gangster-Boss mit persönlichen Verbindungen zu Batman, in diesem Film eher wie der große Comic Relief dasteht. Black Mask ist keine unkontrolliert um sich schlagende Flitzpiepe im 80ger Jahre Anzug! Der Mann ist ein Killer, der Batman das Leben ganz schön schwer gemacht hat! Eher ein Al Capone als ein Tony Montana!

Fazit:
Mit "Batman: Under The Red Hood" ist ein toller Batman Film gelungen, den man getrost zwischen die RL Verfilmungen von Chris Nolan und animierte Klassiker wie "Batman: Mask Of The Phantasm" oder "Batman Beyond: Return Of The Joker" stellen kann. Eine dunkle, psychologisch interessante Story, die vor allem Zuschauern älteren Semesters und nicht zuletzt allen Joker-Fans viel Freude bereiten wird. Ich vergebe

8,5 von 10 Punkten

und lege "Batman: Under The Red Hood" jedem Batman Fan wärmstens ans Herz!
Zum Schluss noch der Trailer:

1 Kommentar:

  1. Wer Batman-Fan ist, sollte diesen Film unbedingt gesehen haben.
    Für mich persönlich der beste bisher erschienende Film der DC Animated Verfilmungen.

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