25.07.2010

Eva Herman: Das Loveparade Unglück ist Gottes Werk

Wir alle sind uns wohl einig: was gestern auf der Loveparade passiert ist, ist furchtbar und vor allem der schlechten Planung der Veranstalter zuzuschreiben. Man muss sich nur die Bilder aus dem Tunnel ansehen, um zu erkennen, dass er als einziger Zugang zum Party-Gelände absolut ungeeignet war. Aber... vielleicht haben wir alle unrecht? Vielleicht sind die Gründe für diesen traurigen Vorfall ja viel tiefer und in ganz anderen Sphären zu suchen, als wir bisher vermuteten? Eine einzige Frau kennt die Wahrheit und hat es sich zur Aufgabe gemacht, uns mit einem Text (der mitlerweile nicht mehr auf der "Hintergrund" Page des Kopp Verlages zu lesen ist) die Augen zu öffnen.

Die Rede ist von Eva Herman, die uns allen durch ihren investigativen, menschenfreundlichen und fern von jeder radikalen Ideologie praktizierten Journalismus bekannt ist. Wie oben schon gesagt ist der Text mitlerweile nicht mehr im Netz zu finden, aber wer ihn dennoch lesen möchte, folge einfach diesem Link zu einem Screenshot. Es lohnt sich! Denn hier erfahren wir zum einen, was da wirklich auf der sogenannten Loveparade los war und zum anderen, wer wirklich die Verantwortung für die Toten und Verletzten trägt.

Die Loveparade, "in Wahrheit eine riesige Drogen-Alkohol und Sexorgie", auf der sich "Begriffe wie Sittlichkeit oder Anstand [...] in den abgrundtiefen Bassschlägen ins Nichts aufgelöst [haben]". Ein "Soddom und Gomorrha", dessen pervertierter Begriff von Liebe "für den kulturellen und geistigen Absturz einer ganzen Gesellschaft steht". "Riesige dunkle Wolken der Enthemmung und Entfesselung treiben über das Geschehen", und die jungen Menschen folgen völlig unkontrolliert dem "finsteren Meister der sichtbaren Verführung". Ach ja: für diesen falschen Liebe-Begriff, den die "jungen Menschen" da haben (Man sehe sich nur das Foto der sich küssenden Frauen an! Widerlich sowas!), ist übrigens die 68ger Bewegung verantwortlich. Das dürfte uns aber nicht überraschen, schließlich waren die ja auch schon am Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche schuld. Ich könnte ewig so weiter zitieren, denn an Bibel-Anleihen, Weltuntergangspathos und pauschalen Verurteilungen des Loveparade Publikums und seiner Musik mangelt es in Eva Hermans Text nicht. "Man muss nicht ausgesprochen prüde sein, um sich hier nach kurzer Zeit mit Grausen abzuwenden." Nein, prüde muss man wahrlich nicht sein, damit sich einem beim Lesen dieser Zeilen der Magen umdreht.

Und nachdem Eva Herman die angeblich friedliche Kulturveranstaltung unter dem Motto "The Art Of Love" als bacchische Endzeit-Orgie enttarnt hat, weiß sie auch, wer denn nun die Verantwortung für das Unglück trägt. "Der Alkohol und die Drogen wirken schnell, viele kommen bereits am Nachmittag in völlig verglastem Zustand an. Unkalkulierbar reagieren sie teilweise, als die Sicherheitskräfe eingreifen. Später wird sich herausstellen, dass an dem eingedrückten Zaun, an dem die "geilen Raver" (O:Ton BILD) von den Sicherheitskräften vorbeigeleitet werden sollten, die Wut sich entlud." Mit eigenwilligem Vokabular und der Satzstellung eines 7-Jährigen hat Frau Herman hier die wahren Schuldigen entlarvt, denen diese unsere Gesellschaft am kulturelen Abgrund jetzt mit so viel fehlgeleitetem Verständis beisteht: es sind die Besucher der Loveparade selbst! Kein Wunder, dass es zu diesem Unglück kommen musste. Wer bis hier noch nicht in völliger Fassungslosigkeit ob einer derartigen Schamlosigkeit in die Tischkante gebissen hat, wird es jetzt tun: "Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen."

Ihr lest richtig. Höhere Mächte, höhere Mächte wie in "Gott" haben hier eingegriffen und diesm Sodom und Gomorrah Einhalt geboten. Ich habe das Wort, mit dem Eva Hermans Text beschrieben werden muss eben schon einmal verwendet, aber ich tue es wieder: Schamlosigkeit. Pure, abgrundtiefe Schamlosigkeit. Den Opfern dieses Unglücks und den Angehörigen der Toten gegenüber. Dieser sogenannte Hintergrund-Kommentar einer sogenannten Journalistin ist eine Beleidigung für jeden, der mit gesundem Menschenverstand und menschlichem Mitgefühl begabt ist. Ich frage mich, was für eine pervertierte Auffassung Frau Herman von den Begriffen Sittlichkeit, Anstand und Liebe haben muss, um einen so menschenverachtenden und unangebrachten Beitrag zu verfassen und zu veröffendlichen. Ich begrüße es grundsätzlich, dass der Kopp Verlag den Text entfernt hat, allerdings hoffe ich, dass dieses absolute Fehlverhalten dadurch nicht unter den Teppich gekehrt wird.

Allein um das zu verhindern musste ich einfach diesen Beitrag schreiben. Klar, Eva Herman ist im Endeffekt Schnee von gestern und hat sich in der Vergangenheit mit vielen Bemerkungen so weit ins gesellschaftliche Aus befördert, dass selbst dieser Beitrag keine deutliche Verschlechterung ihres Ansehens bedeuten kann. Aber so eine unglaubliche Frechheit sollte einfach nicht unkommentiert bleiben.

UPDATE:
1. Der Artikel ist wieder online.
2. Frau Herman hat hier eine Erwiederung auf die Reaktionen, die ihr Artikel nach sich gezogen hat, gepostet. Kurz zusammengefasst und zugespitzt schreibt sie: Ich stehe zu meinem Wort, ich habe niemanden diskriminiert (aber wenn sich jetzt jemand so fühlte tut es mir leid), die 68 sind Schuld, diese Gesellschaft ist durch Sittenverfall dem Untergang geweiht, ich schreibe meine konservative und fundamentalisische Haltung meiner Zugehörigkeit zur Generation Alter 52 zu, ich rede halt gern von Gott, man wird ja noch seine Meinung sagen dürfen, ich mache mir doch einfach nur Sorgen.

Es macht keinen Sinn, weiter auf Frau Herman einzugehen. Sie hat ihre Meinung - basta. Man kann sich über Menschen mit solchem Gedankengut (ich verwende den Begriff in vollem Bewusstsein) aufregen, aber am Ende macht es keinen Sinn, denn egal was man sagt oder schreibt: sie werden ihre Meinung nicht ändern. Es ist schön, dass (zumindest den Reaktionen im Internet nach zu urteilen) der Großteil unserer Gesellschaft genauso wütend über Frau Hermans Dreistigkeit ist, wie ich - und das reicht mir.

Kommentare:

  1. Diese Frau hat ja wohl einen absoluten Dachschaden! Wie geistig umnachtet muss man sein um sowas zu schreiben.
    Aber gestern auf Twitter hab ich auch das hartes lesen müssen. Ich zitire meinen Tweet wenns recht ist:

    @Lori_ftw du widerlicher Penner! RT @derzw3rg: bei solchen kommentaren könnt ich KRASS kotzen: http://bit.ly/d09HWa

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  2. Oh je... was hat Frau Hermann nur zu solchen Aussagen veranlasst? Ein neues Buch? Braucht sie mal wieder PR - oder meinst sie das etwas wirklich ERNST??? Wenn dies der Fall sein sollte, empfehle ich dringend eine Therapie!

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  3. Artikel hier:
    http://twitpic.com/28jbx7/full

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  4. @Chaosmacherin: Krasser Kommentar! Folgst du dem oder wie hast du das gefunden?
    @Anonym mit der Buch-Idee: Ja, die meint das auf jeden Fall ernst. Das macht es ja so schlimm.
    @Anonym mit dem Link: hatte ich zwar schon oben, aber trotzdem danke nochmal ;-)

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  5. Hier auch ma nen Blogpost von nem Kerl der auf der Loveparade war und dem ganzen zum glück entgangen ist http://bit.ly/b4QzSE

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  6. Sie kann vielleicht nichts dafür, da immer klarer wird, dass die Frau ein Fall für die Psychatrie ist.

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  7. Also.. ich bin echt nie fürsprecher der loveparade gewesen, weil es nichts für mich ist und weil sie in dem punkt der ganzen drogen recht hat..


    aber im ernst.. Wow.. wie.. moha.. ich weiss ja net.. auf was muss man sein um das mit den letzten Tagen zu vergleichen? und den 60ern die schuld geben oder gar "höheren Mächten"?
    Bei so vielen Sachen kommen leute zu tode, selbst bei prozessionen gab es schon tote.. ist das auch das werk einer höheren macht?

    ei.. ne im ernst.. hilfe für die frau wird langsam echt nötig.

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  8. ...wenn es wirklich "höhere Mächte" geben würde, hätten sie wohl zuerst Frau Herman entsorgt :-)))

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  9. Ich bin mir ehrlich gesagt nich sicher ob der Artikel tatsächlich entfernt wurde oder nur der Server des Verlages unter dem Ansturm darauf nich ganz mitmacht(e). Heute morgen lädt er zumindest quälend langsam wieder. Und er is noch krasser bebildert als vorher mit Aufnahmen vom Unglück, zugedeckten Opfern im Tunnel etc...

    Zum Text: Traurig so ein Unglück für eine solchen Moralpredigt auszuschlachten. Mehr kann man dazu kaum sagen.
    Was ist das btw. überhaupt für ein Verlag der sich mit der Tagline "Informationen die ihnen die Augen öffnen" bewirbt und dann sowas veröffentlicht? Vermutlich im christlich, sehr konservativen Bereich angesiedelt.

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  10. Ne, jemand in meiner Timeline hatte das retweetet und der von wem anders usw. Wenn ich dem gefolgt wäre, dann spätestens jetzt nicht mehr.

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  11. „Komm mir jetzt bloss nicht mit Gott oder Jesus!” Ich kenne diese Aussage zur Genüge. Meistens stammt sie von Leuten, die die Schnauze vom „Christentum” voll haben oder einfach ihr Unwissen mit dieser flachen Abwertung verstecken wollen. Wie auch immer, jenes abendländische „Christentum” ist im Laufe der Zeit zum Zerrbild verkommen, so dass man sicher sein kann, mit seiner Häme viel viel Zuspruch zu erhalten. Freche Werbung gegen den Gott der Christen ist nahezu alltäglich. Und wenn schon Gott, dann jenes Bild vom „lieben Gott” der auf jeden Fall 5 gerade sein lässt. Was sagt Gott in seinem Wort? Klar, auch hier jenes nachgeschwätzte „Argument”, dass die Bibel das oder jenes sei. Jesus sprach seinen Zeitgenossen immer gegen den Strich. Wahrheit war noch nie gewollt. Schon gar nicht vom Zeitgeist und der Masse. Wie auch immer. Es kamen einmal fragende Leute zu Jesus. Sie berichteten ihm von einem Einsturz eines Turmes, welcher 18 Leute unter sich begrub. (Nicht Duisburg , sondern Siloah) Ihre Frage glich jenem Schild an der Duisburger Unglücksstelle „Warum”? Warum mussten diese Leute sterben? Jesus antwortete total anders als erwartet. Er sagte nur: „Wenn ihr nicht umkehrt (d.h. Buße tut) werdet ihr alle auch so umkommen.” Ein Hammer ist das. Weg mit ihm. Ans Kreuz mit ihm! Doch warum sagt Jesus das. Es geht ihm nicht darum, die Opfer zu verhöhnen – genauso wenig wie es Frau Hermann darum ging – sondern weil er wußte, dass es ein zu spät gibt. Nämlich dann, wenn Dein Leib regungslos da liegt und Du zwar körperlich tot bist, doch Deine Seele lebt. Du erkennst nun Gott und erkennst, dass Du Dein Leben lang am HERRN des Universums – an Jesus Christus – vorbei gelebt hast und ihn mit Gleichgültigkeit und Spott „geehrt” hast. Du möchtest ihm etwas sagen, ja sogar Buße tun, aber es geht nicht mehr. Schluss ! Ewigkeit! Ewigkeit ohne Gott! Jesus sagt an anderer Stelle: „Es ist schrecklich dem lebendigen Gott in die Hände zu fallen.” Unbekehrt dem heiligen Gott zu begegnen wird für jeden schrecklich. Und darum antwortet Jesus so furchtbar hart, weil er nicht will, dass jemand verloren geht, sondern jedermann (jede Frau) die Chance hat „umzukehren.” Was ist unsere Antwort. Was ist Deine Antwort. Weiter Häme und Spott? Ist das alles? Armer Mensch.

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  12. @Gerhardt O.
    Danke für ihren interessanten Kommentar. Allerdings möchte ich auf folgendes hinweisen:

    1. Habe ich etwas in der Richtung "Komm mir jetzt bloß nicht mit Gott oder Jesus!" überhaupt nicht gesagt. Ich selbst bin in einer katholischen Gemeinde aufgewachsen und war auch lange dort aktiv. Mitlerweile bin ich kein religiöser Mensch mehr, kenne mich aber gut mit dem Christentum und der Bibel aus und habe nichts gegen Menschen, die an Gott glauben und nach den Regeln dieses Glaubens leben. Wogegen ich allerdings etwas habe, sind Menschen, die nicht akzeptieren können, dass dieser Glaube nicht für alle "die Wahrheit" ist und dass andere Lebensphilosophien die gleiche Berechtigung haben. Gerade als gläubiger Christ sollte man sich genug mit seinem Glauben, dessen Geschichte und dessen Ursprüngen beschäftigt haben, um zu wissen, das auch das Christentum eine Lebensweise unter vielen ist.

    2. Ich respektiere ihre Vorstellung von einem Gott, der strafen würde. Jedoch sollten Sie sich darüber im klaren sein, dass die Bibel und vor allem das Neue Testament, als Beleg für diesen Gott nicht durchweg in Frage kommt. Es gibt eine vielzahl von Gleichnissen, die ich hier wiedergeben könnte, in denen Jesus eben diesen Gott deutlich widerlegt. Das ist das Problem mit Argumenten aus der Bibel: sie ist wie jedes andere Schriftstück auch interpretierbar und alle drei Seiten findet sich eine "Widerlegung" des Vorhergegangenen. Wie gesagt, ich respektiere ihren Gottes-Begriff, allerdings glaube ich, dass das Neue Testament größtenteils einen liebenden Gott, der den Menschen so annimmt, wie er ist, präsentiert.

    3. Habe ich mit meinem Eintrag weder Häme noch Spott ausgedückt und wollte mich ganz deutlich nicht auf eine Diskussion um Religion zubewegen, denn das Thema "Gibt es Gott oder gibt es ihn nicht und wenn ja was würde er tun?" macht ziwschen einem gläubigen und einem nicht gläubigen Menschen keinen Sinn. Was mich an Frau Hermans Verhalten gestört hat ist die Tatsache, dass Sie diese traurige Situation in der Öffendlichkeit aus dieser ihrer sehr speziellen Position (Die ich mit voller Überzeugung als menschenverachtend bezeichne denn was ist es anderes, wenn man Menschen aufgrund ihrer anderen Lebensauffassung so deutlich veruteilt?) heraus beurteilt und dabei mehr oder weniger sagt: die Opfer seien ja selber schuld.

    4. Ich halte mich für alles andere, als einen armen Menschen.

    An alle meine anderen Leser: Ich werde jeden Kommentar, der sinnlos über Herrn O. herumtrollt nicht veröffendlichen. Jeder hat ein Recht auf seine Meinung und genauso wie ich sie in meinem Artikel äußern konnte kann auch Herr O. sie hier äußern. Und (bis auf den letzten Satz vielleicht?) ist Herr O. ja auch nicht ausfällig geworden.

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