04.05.2010

Ein Zombie hing am Glockenseil - Review

"Ein Zombie Hing am Glockenseil" ist wohl einer der berüchtigsten Titel des Zombie-Subgenres. Kurz nach seiner Veröffentlichung wurde der Zombie-Splatter von wutschnaubenden Eltern und der totalitären FSK auf den Index verbannt. Schuld daran waren (und sind immernoch) die drastischen Gewaltdarstellungen die den einen oder anderen gut gesitteten Menschen die Tränen in die Augen treiben dürften.
Erbrochene Eingeweide, zerdrückte Schädel und der durch eine Standbohrmaschine hervorgerufene Tod eines Charakters sind nur Beispiele für den auf die nichts ahnenden Zuschauer losgelassenen Terror.
Zur Story:
In der kleinen US-amerikanischen Stadt Dunwich begeht der ansässige Dorfpfarrer Selbstmord indem er sich erhängt.
Zeitgleich hält eine kleine Gruppe in New York eine S'eance ab bei der Mary eine Vision der Selbsttötung des Pfarrers erlebt und verstirbt (scheinbar) aus bloßer Furcht bei diesem Anblick.
Bei ihrer Beerdigung kommt die junge Frau wieder zu sich und beginnt in der Erde um Hilfe zu schreien. Bell, ein Reporter der ihren vermeidlichen Tod untersucht, rettet Mary vor dem sicheren Erstickungstod. Die beiden beschließen gemeinsam nach Dunwich zu fahren um Mary's Vision nachzugehen.

"City of the Dead", so der Original Titel, ist der erste Teil von Fulci's so genannter "Death Trilogy". Es folgten Die Geisterstadt der Zombies"(The Beyond) und "Das Haus an der Friedhofsmauer" (House by the Cemetary).
Im Gegensatz zu Fulci's erstem Ausflug in die Gefilde des Zombiefilms "Woodoo- Die Schreckensinsel der Zombies" (aka "Zombi 2" aka "Zombie Flesh Eaters") handelt es sich hier nicht mehr um Ableger der klassischen Zombies aus der Karibik oder um Tote die aus unbekannten Gründen wieder auferstehen wie es beispielsweise bei George A. Romero's Filmen der Fall ist.
Hier liegt der Ansatz mehr beim Gothic- oder sogar noch eher beim Lovecraftarian Horror (benannt nach H.P. Lovecraft). Gerade das entreisst Glockenseil dem festegefahrenem Schema des Zombiefilms und ermöglicht es atmosphärische Bilder zu schaffen die man sonst nur in einem "gewöhnlichen" Okkult-Thriller oder einem Geisterfilm erwarten würde. So fuhr man gleichzeitig auf mehreren Gleisen. Die "Zombies" werden so schon fast zu einer Randerscheinung.
Von Leuten die den Film bereits gesehen haben habe ich oft das Feedback gehört dass der Film einen sehr wirren Eindruck macht bzw. teilweise schwer nachvollziehbare Sprünge in der Handlung macht. Dies ist ein Experiment dass auch im Nachfolger "The Beyond" angewandt wurde. Fulci selbst sagte dazu:
"My Idea was to make a absolute film, with all the horrors of our world. It's a plotless film: a house, people, and dead men coming from the Beyond. There's no logic to it, just a succession of images [...] We tried in Italy to make films based on pure themes, without a plot, and The Beyond like [Dario Argento's] Inferno, refuses conventional und traditional structures."
Quelle:Jamie Russel's "Book of the Dead"
Man sollte sich also nicht auf eine linear erzählte Story einstellen. Sondern eher den Film vom Standpunkt der "Traumlogik" aus und als Ansammlung von Assoziationen sehen.
Gerade das macht "City of the living Dead" schon fast zu einem Arthouse Streifen im Exploitation-Gewand.
Von atmosphärischer Seite her kann man den Film, wie ich finde, ganz gut mit John Carpenter Werken wie "The Fog", "Prince of Darkness" oder "In the Mouth of Madness" vergleichen. Besonders da letzterer auch seine Wurzeln in den Werken von H.P. Lovecraft verankert hat.
Im Nachhinein erinnern mich besonders Glockenseil und Geisterstadt, vom Thema der heimgesuchten Stadt her, stark an die Silent Hill Videospielreihe bzw. an dessen Verfilmung (die sehr zu Unrecht gebasht wird).
Technisch kann der Film auch Punkten. Die Effekte sind eindrucksvoll ekelig ausgeführt und haben immernoch eine starke Wirkung.
Ein Problem das mir auch beim Nachfolger auf den Senkel geht sind die etwas laschen Dialoge. Dies liegt allerdings nicht am inhaltlichen an sich, sondern eher daran dass man schlicht auf Italienisch verfasste Zeilen stumpf auf Englisch übersetzt hat ohne wirklich darauf zu achten ob es nun dynamisch wirkt oder ob sich die Einheimischen überhaupt so verständigen.
Alles in allem ist "Ein Zombie hing am Glockenseil" noch einer meiner Lieblingstitel der aus Italien stammenden Zombiestreifen, aufgrund seiner verstörenden Bilder und seiner verwirrenden Wirkung. Natürlich sollte man an dieser stelle den Gore-Gehalt nicht außer Acht lassen der den Streifen für jeden Gorehound Anlass genug bieten sollte mal einen Blick zu riskieren. Ach ja, der Soundtrack ist auch sehr cool wie ich finde.
7,5von10

Trailer

"Mama Papa Zombie"
Eine nette Doku von 1984 zum Thema "Gewaltvideos" in Deutschlands Kinderzimmern. Mit "Ein Zombie hing am Glockenseil" als einer der Haupt-Sündenböcke.

und
"Am Glockenseil" von Eisregen ;)

1 Kommentar:

  1. Sehr schöne Review! Hast du House by the Cemetery jetzt eigendlich schon geguckt? Sonst weiß ich nämlich schon, was wir am WE machen ^^

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