19.03.2010

Leipziger Buchmesse 2010 - Ich war dabei

Der Beweis: SimQ auf der Leipziger Buchmesse
Ich hätte diesen Post auch: "Leipziger Buchmesse 2010 - Der Dichter der Liebe" oder "Leipziger Buchmesse 2010 - Wie man Clemens Meyer herbeizaubert" nennen können... aber fangen wir am Anfang an.

Heute waren Mila et moi auf der Leipziger Buchmesse 2010. Weil wir Bücher lieben, uns für den deutschen Literaturbetrieb interessieren und Studenten sind. Unsere Ziele: tolle neue Bücher sehen, unsere Lieblingsverlage besuchen, berühmte Autoren erleben und ZEUG ABSTAUBEN! Was soll ich sagen. Unsere Ziele wurden erreicht. All die Bücher aufzuzählen, die ich heute gesehen habe und am liebsten gleich mitgenommen hätte, wäre müßig. Reingelesen habe ich vor allem in folgende: Clemens Meyers Gewalten und Christopher Isherwoods Der Einzelgänger (richtig: A Single Man, ab April auch als Film in deutschen Kinos, daher auch mein Interesse am Buch).

Was auf Englisch geschrieben wurde lese ich normalerweise auch auf Englisch. Alle, die das leider nicht können oder wollen, müssen nämlich auf Übersetzungen zurückgreifen. Diese sind bedauerlicherweise nicht immer gut. Anders im Fall Der Einzelgänger von Isherwood, erschienen bei Suhrkamp. Die ersten sechs Seiten machen definitiv Lust auf mehr, und wären englische Verlage präsenter gewesen (hier muss ich leider Abstriche machen) hätte ich sicher versucht, das Buch im Original zu ergattern. Suhrkamp ist mein Lieblingsverlag, daher lenkte ich meine Schritte, während Milena sich eine Stunde bei einer Podiumsdiskussion über Übersetzungsprobleme vom Russischen ins Deutsche (oder so) vergnügte, geschwind zur Ausstellungsfläche des Traditionshauses. Schade, der Stand war recht klein und befand sich genau am Gang. Aber gut, dafür glänzt das Programm dann eben durch die Qualität. Und Platz genug zum Hinsetzen und Schmökern gab es auch, wenn man keine Berührungsängste hat.

Nachdem ich hier das Programmheft eingesteckt und mich ein wenig sattgelesen hatte, ging es weiter zum S. Fischer Verlag. Hier war wirklich was los und es liefen ständig Signier-Events. So konnte ich Susanne Fröhlich und Tommy Jaud im RL bewundern. Abgehakt. Ich hatte noch Zeigt bis ich Mila abholen musste, griff mir also Clemens Meyers Gewalten aus dem Regal, setzte mich und begann zu lesen. Als ich auf Seite drei angekommen war und den Blick hob, traute ich meinen Augen kaum. Dieser junge Mann mit dem starken leipziger Akzent sieht wichtig aus, dachte ich mir. Und dieser komische Herr im Anzug reicht ihm gerade eine Ausgabe von Gewalten, als solle er das Buch signieren. Ich sehe auf dem Umschlag nach. Tatsächlich. Clemens Meyer ist wie aus dem Nichts aufgetaucht, gleichsam vor mir appariert. Habe ich ihn mit dem Leser der dritten Seite beschworen? Unsere Blicke treffen sich und ich beschließe: na, nervst du den Mann mal nicht, wegen signieren oder so. Erst als er weg war fiel mir ein, dass mir das Buch ja ohnehin nicht gehörte. Aber: es wird mir gehören. Gewalten liest sich nämlich sehr gut und trifft genau meinen Geschmack. Taschenbuch Ausgabe ich komme.

Wolfgang Hohlbein liest
 Sonstige Erkenntnisse:
1. Wolfgang Hohlbein kann seine Bücher sehr gut vorlesen und als er an mir vorbei ging fiel mir auf, dass er viel kleiner ist, als ich dachte.
2. Gert Scobel (3sat Moderator) ist dafür deutlich größer, als ich dachte.
3. Die Leute von Panini Comics sind super nett und bemerken es, wenn man Robot Chicken zitiert. Außerdem geben sie einem unaufgefordert Tüten und protzen gern mit den Joss Whedon T-Shirts, die sie am nächsten Tag tragen werden.
4. In der Comic Abteilung gab es diesmal wirklich fast nur Manga und Anime Artikel. Keine Star Trek Figuren oder so. Dafür wurde ich mit extrem vielen extrem tollen Cosplay Kostümierten entschädigt. Habe über die ganze Guckerei allerdings vergessen Fotos zu machen.
Literaturstiftung Bayern

5. Der taz umsonst Kaffee schmeckt super. Da sollte man sich nicht lumpen lassen.
6. Die schönen großen Taschen gibt es nur zu bestimmten Zeiten und in begrenzter Stückzahl. Hier helfen lange Arme und ein charmantes Lächeln. Wenn man allerdings eine nette Dame trifft, die auch gern eine solche DDR-Moden-Tasche hätte, sollte man sie ihr schenken. (Ja, ich bin ein guter Mensch...)
7. Das beste Stand Design hatte tatsächlich die Literaturstiftung Bayern.
8. Andreas Franz hat eine komische Stimme. 

Kommen wir zum Abstauben: wie erwähnt gab es Kaffee. Wie erwähnt gab es Taschen (ich nenne eine 3sat und eine arte Tasche mein Eigen). Gekauft habe ich einen sehr collen Pulp-Sci-Fi-Kalender für 3 Euro. Es gab Aufkleber und Gummibärchen. Stifte leider nicht. Mila und ich hab außerdem noch ein kostenloses Probe Abo für die Süddeutsche abgeschlossen. Die gibts dann einen Monat lang für uns (schaah) und eine E-Mail genügt zum kündigen. Ich glaube das war es auch schon... Programmhefte und sowas zählen ja nicht wirklich. Meine 3sat Tasche war jedenfalls voll.

Ganz schön voll!
Ach ja. Der Dichter der Liebe. Mila und ich wollten es uns dann nicht nehmen lassen, Martin Walser mal live zu sehen. Also einfach nur das: mal kurz sehen und hören und dann gehen. Walser and me, we have a history. In der Schule mussten wir nämlich mal "Seelenarbeit" lesen. Seelenarbeit ist ein ganz furchtbares Buch, mit Sätzen wie: "Mein Darm sieht aus wie von Dürer." und Frauen, die sich beim Geschlechtsverkehr im Freien mit ihrem Saft "salben", während hinter ihnen im Dunkeln Rehe ihr Geschäft verrichten. (Ja, ich bin mir über die Ironie und so weiter im klaren, das macht das Buch allerdings nicht weniger anstrengend und überbewertet...). Man mag Martin Walser persönlich finden, wie man will. Der Mann ist ein wichtiger deutscher Autro und verdient Respekt. Was dann aber doch befremdlich ist, sind die verzückt gesäuselten Worte des Interviewers: "Herr Walser. Sie sind der Dichter der Liebe!". Dass Herr Walser bei dem ganzen Topf Honig, den man ihm da aufs Maul geklatscht hatte überhaupt noch antworten konnte, war erstaunlich. Mila und ich traten jedenfalls den Rücktritt an.

Fazit: Nur ein Tag auf der Buchmesse ist zu wenig, um einen wirklichen Eindruck zu erhalten und ein gerechtes Fazit zu ziehen. Mir hat es jedenfalls wie immer Spaß gemacht. Ich habe tolle Autoren und tolle Bücher gesehen. Dass die Messe bisher schon deutlich mehr Besucher verzeichnen kann als im Vorjahr spricht wohl auch für das Programm. Als Besucher sieht die Sache ohnehin immer etwas anders aus. Wer in Leipzig ist und noch Zeit hat, sollte auf jeden Fall vorbeischauen, es gibt noch viele Lesungen von vielen tollen Autoren. Wichtig: Lunchpaket packen, denn natürlich ist das Essen völlig überteuert. 5 Euro für gebratene Nudeln.

Kommentare:

  1. Ha, letztes Jahr haben die Nudeln noch 4,50€ gekostet! (So, jetzt hab ich auch mal direkt hier kommentiert. Zufrieden?)

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  2. Extrem zufrieden ^^ Als ich vor 2 Jahren da war waren sie bei 3,50. Ich erkenne ein Muster...

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