22.01.2010

Eine Jungfrau in den Krallen von Frankenstein (1972) - Review

Jesus Franco, Jahrgang 1930, ist wohl einer der bekanntesten B-Movie Regiesseure aller Zeiten. Franco begann seine Karriere 1957 und hat seitdem bei 190(!!!) Filmen Regie geführt. Die meisten dürften wohl schon den einen oder anderen Film Franco's in den Händen gehalten oder gesehen haben ohne es zu wissen. Im Laufe seiner Schaffenszeit hat sich Franco nämlich mit so einigen Pseudonymen im Buisiness herumgetrieben. Hier nur eine Auswahl:
Dennis Farnon | Jess Franck | J. Franco | Jesse Franco | Jess Franco | Jesús Franco | A.M. Frank | Adolf M. Frank | Anton Martin Frank | Jeff Frank | Jess Frank | Wolfgang Frank | Manfred Gregor | Jack Griffin | Robert Griffin | Lennie Hayden | Frank Hollman | Frank Hollmann | Frarik Hollmann
..... Das geht noch eine Weile so weiter.

Zu den bekanntesten Titeln seiner Arbeiten gehören wohl z.B. "Mondo Cannibale", "Oase der Zombies" und "Jack the Ripper" mit Klaus "Ich werde eine Oper bauen!" Kinski.Darüber hinaus gehören auch Nunsploitation, Women in Prison Filme und Adaptionen von Themen von Marquis de Sade zu seinem Repatoir. Also ein Mann der seinen Hobbys sehr offensichtlich nachgeht.^^

Nachdem wir nun genug Halb-Background-Wissen in den Raum geworfen haben, können wir uns ja dem eigentlichen Film widmen: "Eine Jungfrau in den Krallen von Frankenstein" aka "Das Blutgericht der gequälten Frauen" aka "The Rites of Frankenstein"(US Titel) aka "The Erotic Adventures of Frankenstein" (Canada).

Story: Graf Cogliostro will eine Herrenrasse schaffen. Dafür tötet er Baron Frankenstein, klaut ihm sein Monster und will dieses die "perfekte" Tochter Frankensteins (Vera) schwängern lassen um seine Armee der Übermenschen aus dem Boden zu stampfen. Vera lässt sich dies aber nicht so einfach gefallen da sie Cogliostro Rache für den Mord an ihrem Vater geschworen hat...

Um nicht ganz allein dazustehen hat Cogliostro schon eine ganze Truppe von Anhängern um sich geschart. Da wäre zum einen Melissa. Melissa ist ein Experiment von Cogliostro das wohl etwas schief gegangen ist. Sie ist eine Kreuzung zwischen Mensch und Vogel, weshalb sie auch die meiste Zeit halb nackt ist und nur die wichtigsten Stellen von Federn bedeckt sind. Außerdem ist sie Blind und findet sich nur per Sonar zurecht. Logisch oder?

Hinzu kommt noch die Armee von Zombies die sich der Graf zu seinem Schloss hat kommen lassen um sich bei seinen Experimenten und Volterungen zugucken zulassen.
Noch da?
Außerdem gibt es noch diesen Nebenplot mit dieser Esmeralda die sich die ganze Zeit im Mondlicht räkelt und mit ihrer (im Wachkoma liegenden?) Großmutter unterhält.
Da hat's irgendwie bei mir ausgesetzt.

Ich finde es wirklich schwer den Film eindeutig zu bewerten. Einerseits gibt es Zombies, Frankenstein's Monster, ähäm viel nackte Haut und einen extrem hohen Trashfaktor der das ganze sehr amüsant macht.
Visuell ist man hier richtig in die Vollen gegangen: Die Kameraperspektiven wirken sehr experimentell und außergewöhnlich.(Gutes Beispiel dafür ist das Bild oben mit dem Grabstein.) Tolle Einstellungen und Bilder gibt es zu Hauf.
Die (teilweise sehr bunte) Beleuchtung erinnert stark an Giallo-Werke wie "Baron Blood" oder "Suspiria".
Was mir an der Kameraführung auf den Sack gegangen ist, ist die Unfähigkeit des Kameramanns die Schärfe, bei Kameraschwenks, korrekt einzustellen. Hinzu kommt noch dass bei Einstellungen ein Weitwinkelobjektiv genutzt wurde in denen es nicht "nötig" war eines zubenutzen.
Kunst hin oder her: Wenn ich einen Film sehe und dabei das Gefühl habe ich befinde mich gerade in einem Fiebertraum, trägt das nicht zu meinem Vergnügen bei.

Was mich am meisten gestört hat ist der seltsame Erzählstil. Es wirkt nicht wirklich gewollt oder experimentell was da passiert. Ich habe keine Ahnung wie die Konfusion bei diesem Film entsteht bzw. was die Ursache dafür ist. Hat der Drehbuchautor Mist gebaut, hat der Cutter gepennt oder ist der Regiesseur einfach fertig mit der Welt? Zwischendurch gibt es Schnitte die mich einfach nur verwirrt haben. Hin und wieder endet auch mal Musik abrupt mitten in einer Szene.
Dazu gesellt sich auch noch dieser Plot über Esmeralda, der nebenher läuft, den ich einfach nicht ein- bzw. zuordnen kann...

Oben ist bereit der Begriff "Erotik" gefallen. Zumindest beim kanadischen Titel des Films. Ganz umsonst ist dieses Wörtchen auch nicht im Titel gelandet. Wie schon gesagt soll sich das Monster mit des Grafen Tochter Vera paaren um die, von Cogliostro ersehnte, Übermenschenrasse zu schaffen. Natürlich reicht diese Tatsache allein nicht aus um dem Namen des Films ein "erotic" anzuhängen. Es gibt viele blanke Brüste und auch eindeutige Posen von Seiten der Darstellerinnen. Für Leute denen derartiges gefällt, gibt es auch noch die eine oder andere Folterszene.
Das dürfte wohl nicht direkt jeden in Extase befördern, ist aber für die frühen 1970er recht gewagt.

Da ich den Film nicht komplett verreissen will, kann ich sagen dass "Eine Jungfrau in den Krallen von Frankenstein" nette Unterhaltung für 82 Minuten ist. Die DVD ist übrigens ab 16 und um einige pikantere Aufnahmen erleichtert. Deteils hierzu kann man bei Schnittberichte.com nachlesen.
Dort erfährt man übrigens auch was es mit der "Esmeralda-Situation" auf sich hat:
"Die span. Fassung enthält einige Szenen mit Lina Romay als Zigeunerin, die unter dem Einfluß von Cagliostro steht. Diese Szenen sind recht autonom und passen auch sonst nicht recht zur restlichen Handlung des Films. Einzig durch eine ominöse Stimme wurde ein Bezug zur Handlung (bzw. zu Cagliostro) hergestellt. In erster Linie wirken diese Szenen wie belangloses Füllmaterial. Zudem scheint es, dass dieses Material erst später nachgedreht wurde. Der Wald in dem gefilmt wurde, dürfte der gleiche sein, den man auch in Female Vampire sieht. Dies lässt vermuten, dass die Szenen während den Dreharbeiten zu Female Vampire entstanden sind und danach eingefügt wurden. "
Für mich waren auf jeden Fall der visuelle Aspekt und der Trashfaktor (und der Tittenbonus *hust*) ausschlaggebend dafür den Film nicht komplett herunter zu putzen.
Leider können diese kleinen Boni nicht die totale Verwirrung, hervorgerufen durch (stellenweise) schlechte Kameraarbeit und den schlechten Erzählstil, wieder gut machen.
Wenn sich jemals die Möglichkeit ergeben sollte den Originalschnitt (71 Minuten mit Nacktszenen) zu sehen, werde ich das auf jeden Fall noch nachholen.
Darum:
5,5 von 10

Leider konnte ich keinen Trailer zu diesem Film auftreiben. Um das zu kompensieren habe ich mir den Titel auf die Leihliste gesetzt den Franco ein Jahr zuvor gerdeht hat:"Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies"! Ich muss bekloppt sein!^^


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