23.11.2009

Meine Karikatur in der Leipziger Volkszeitung

Einigen habe ich es ja schon erzählt. Mila hat im Rahmen eines Uni Seminars einen Artikel zur momentanen Lage der Bachelor Studenten und des akuten Wahlbereich-Modul-Mangels für die Leipziger Volkszeitung verfasst. Als künstlerisch-frische Salatbeilage zu ihrem übrigens sehr schmackhaften Hauptgericht benötigte sie eine kleine Karikatur. Nichts aufwändiges, ein Koch, der armen kleinen Studenten ein wild zusammengebrautes Modulallerlei ausschenkt. Kein Ding für den King, dachte sie sich und übergab folgerichtig mir den Auftrag, diese kleine Zeichnung anzufertigen. Sicher, Geld gibt es dafür nicht, aber mein Ego schwoll schon bei dem Gedanken an die Auflage und mein Werk in den Händen so vieler Leser auf eine beeindruckende Größe an. Frisch ans Werk also. Hingesetzt und in mehr oder weniger mühevoller Arbeit einen Entwurf gefertigt, den ausgearbeitet und am Rechner bearbeitet und mit Farbe versehen. BÄM. Fertig und ich war mit dem Ergebnis durchaus zufrieden, was nicht nur damit zu tun hatte, dass ich mich selbst eingebaut hatte. (Man stelle sich hier eine glücklich grinsend zur HIGHEST OF HIGH FIVES auffordernde Simone vor) Mein Ego jedenfalls ging in die Stadt, um einen größeren Anzug zu kaufen.

Allerdings hatte mein Ego seine Rechnung ohne Milas "Vorgesetzte" gemacht. Zwei Journalistik-Profs, deren geübt-kritischen Augen mein Werk erst noch dargeboten werden musste. Natürlich gab es Verbesserungsvorschläge, wann gibt es die nicht. Und diese zu beachten war ja gar kein Problem. Sicher, es war spät, ich war müde, aber ich hatte es versprochen, außerdem versetzte mir mein riesiges, in heller Vorfreude geiferndes Ego einen Schlag in den Nacken und flüsterte leise: "Der Anzug war teuer! Mach dich an die Arbeit, Sugar!" (Ja, mein Ego nennt mich Sugar, hat irgendetwas mit seiner Kindheit zu tun...) Es hatte sich von den Worten "Ist ihnen [Mila] klar, dass wir dem Künstler/der Künstlerin kein Honorar zahlen können?" ziemlich beeindrucken lassen. Hingesetzt und in mehr oder weniger mühevoller Arbeit den Entwurf überarbeitet, d.h. zugeschnitten, neu zusammengesetzt und umgezeichnet (OLDSCHOOL EDITING POWERS ACTIVATE!). Wie man am finalen Ergebnis erkennen kann, sollte vor allem der Kochtopf kleiner werden, denn auch wenn die Module wild durcheinander gewürfelt sind ist ja immerhin genug für alle da, macht Sinn. BÄM. Fertig und es ist noch später.

Bis hier war ich mit allem einverstanden. Ich hatte ja, ganz im Gegensatz zu meinem Ego, damit gerechnet, dass hier und da noch etwas angepasst werden musste. Was soll ich sagen. Es kam noch eine E-Mail zurück. Diesmal stimmte etwas mit den Bezeichnungen der "Charaktere" nicht. Mein Gedanke dazu: Das stimmte dann wohl schon bei Version Nummer 1 nicht und ich erfahre es jetzt, nachdem ich 1 1/2 Stunden damit verbracht habe, alles mehr oder weniger mühevoll, mit Sicherheit aber langsam recht müde, zu ändern? Gut gut. Hingesetzt, nochmal herumgedoktort, hier und da etwas verändert und das Format angepasst. Vor allem letzteres sorgte dafür, dass ich mit dem Ergebnis nicht mehr sooo ganz zufrieden war. Aber gut. BÄM. Fertig und es ist noch später und ich bin noch müder. Redaktionschluss. Ich war ja nicht die einzige, die hier Überstunden schieben musste, auch Mila hatte hier und da noch etwas am Rezept ihres Hauptgangs zu arbeiten. Mein Ego und ich legten uns schlafen und freuten uns ein wenig. Auf all die Leser, auf unseren Namen auf duftendem Zeitungspapier (QS EGO & SUGAR präsentieren...). Es waren schöne Träume.

Heute ist Milas Artikel erschienen. Sogar genau auf der Mitte der Zeitung, man klappt sie auf, dreht sie um und BÄM! QS EGO & SUGAR präsentierten:... Selbstgefällig grinsend standen wir im großen Zeitungskiosk im Hauptbahnhof und blätterten, blätterten, blätterten. An dieser Stelle schlägt sich schließlich die Brücke zur "Salatbeilage". Was soll ich sagen. Die Haut der Figuren und die Mütze des Kochs sind grün. Giftgrün. Grün.
GRÜN!
Grün also. Warum? Ich weiß es nicht. Druckfehler? Keine Ahnung, wäre aber seltsam, denn warum sollte ein Druckfehler sowohl die beige Hautfarbe der Personen als auch das Eierschalenweiß der Mütze befallen? Hat die Leipziger Volkszeitung da irgendetwas geändert? Sollen die Figuren aussehen, als sei ihnen übel? Sind sie auf einmal Marsianer? Was wäre dann die Aussage der Karikatur? Was weiß ich. Grün also. Salatbeilage. Außerdem: es wurde am Format der Zeichnung etwas geändert, wenn mich nicht alles täuscht. Das sorgt für eine eher unvorteilhafte Symmetrie. Keine Sorge, ich poste die eingescannte Zeitungs-Version sobald ich kann. In Ermangelung eines anderen Verdächtigen möchte ich an dieser Stelle meinen Dank an die Leipziger Volkszeitung aussprechen: Danke Leipziger Volkszeitung.

Ich bin nicht sauer, überhaupt nicht. Ich bin eher... lakonisch. Das Ganze ist so herrlich absurd. Es steht mir zu diesem Zeitpunkt meines Lebens einfach nicht zu, mich allzusehr über so eine Kleinigkeit zu beschweren, denn in den Bereichen Uni, Job und "Privatleben" läuft alles mehr als gut. Aber ein wenig enttäuscht darf ich doch sein? Ein wenig... ratlos? Ein wenig... gewirscht? Ich meine... grün... WHAT THE FUCK!? Mein Ego hat mich schon den ganzen Tag nicht Sugar genannt, das ist kein gutes Zeichen. Dass es überhaupt spricht, verdanke ich nur der Tatsache, dass mein Werk zwar grün ist, sich aber eben trotzdem in den Händen vieler Leser befindet. Auch mein voller Name auf duftendem Zeitungspapier hilft. Ich habe den Vorschlag gemacht, den viel zu großen neuen Anzug für ein Talking Heads Cover Video zu nutzen. Wir überlegen es uns noch. Erstmal sitzen wir ein wenig herum, starren halbwegs abwesend in die Gegend, murmel leise einen sinnfreien Monolog vor uns hin, in dem oft das Wort "grün" fällt, und geben uns mehr oder weniger Mühe bei einem Blogpost. Es hätte schlimmer kommen können. Grün ist wenigstens eine meiner Lieblingsfarben.

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