09.06.2009

Terminator Salvation Review

"Wir alle haben lange auf diesen Moment gewartet. Nun ist er gekommen. Nein, es ist nicht das Ende eines Krieges. Es ist erst der Anfang! Viele von euch haben Angst, viele von euch denken, sie haben schon genug Leid und Zerstörung gesehen. Wer von uns hat nicht einige Worte in diesem oder jenem Forum verloren? Wer hat nicht versucht, Spoiler mit aller Kraft zu ignorieren? Wer hat nicht plötzlich seinen besten Freunden gegenüber gestanden, entzweit durch dieses oder jenes Gerücht? Aber allen, die jetzt verzweifeln, allen, die glauben, sie hätten ihr Letztes bereits gegeben, sage ich: Ihr seid nicht allein! Mein Name ist Q. Wenn ihr das lest, seid ihr der Widerstand!"

Ja, Terminator Salvation hat schon im Vorfeld heftigste Diskussionen ausgelöst und die Geister gespalten. Fortsetzungen können nämlich leider nicht umhin, sich an ihren Vorgängern messen zu lassen. Gut, es mag seltsam anmuten, dass ein großteil der eingeschworenen Terminator-Fangemeinde eben dies schon vermochten, als der Film noch nicht mal zuende gedreht war, aber hey, das ist das Internet. Hier kann jeder in die Zukunft schauen, anhand eines Kommentars feststellen, dass du homosexuell bist, oder dir aufgrund eines Youtube Videos den Tod wünschen. Alles ist möglich, somit also auch eine Menge Anti-Terminator-Salvation-Spam, bei dem man sich irgendwann verwirrt abwenden muss und fragt: kann der Film denn wirklich so mies sein?.
Glücklicherweise war ich heute im Kino und konnte mich selbst davon überzeugen, ob der Film "suckt" oder nicht...

Die Antwort: nein. Terminator Salvation ist kein schlechter Film. Dazu hat er viel zu viele gute Seiten. Zum Beispiel Sam Worthington, alias Marcus Wright, den eigentlichen Hauptdarsteller dieses Films. Das merkt man vor allem daran, dass Marcus der einzige Charakter ist, der überhaupt eine Wandlung erfährt, vom Schwerverbrecher zum Überraschungs-Auserwählten. Sicher, auch Mr. Bale liefert eine solide Leistung ab, aber hätten wir etwas anderes von ihm erwartet? Und mit solide meine ich eben solide, nicht mehr und nicht weniger. Herausragend wäre nun wirklich das falsche Wort, dazu gibt John Connor in diesem Film zu wenig her. Der Endzeit-Messias, von der Geschichte zum Retter gemacht, noch bevor sie sich überhaupt ereignete und von seiner Mutter mit zu viel Wissen über die Zukunft ausgerüstet, um klar sehen zu können. Irgendwelche Selbstzweifel? So leicht angedeutet, dass wir sie kaum ausmachen können. Das ist schade, hätte es dem Charakter doch viel mehr Tiefgang und Identifikationspunkte gegeben.
Auch cinematographisch ist der Film solides Handwerk und entspricht stilistisch vor allem dem momentanen Mainstream des Action-Kinos. Handheld, von wegen mitten drin statt nur dabei, schnelle Schnitte und dreckig-realistischer Look. Terminator Salvation setzt, anders als Judgmentday, der seiner Zeit das Hollywood Action-Kino neu definierte, keine neuen Maßstäbe, sondern orientiert sich erflogreich an Etabliertem. Das mag einige Fans enttäuschen, ändert aber nichts daran, dass der Film Spaß macht. Die Effekte sind großartig, aber da dies momentan in fast jedem Blockbuster der Fall ist, hat man sich so sehr daran gewöhnt, dass es einen fast nicht mehr vom Hocker haut. Was hier hilft ist die bombastische Soundkulisse, unser Magen vibriert wohlig vor sich hin.

Jetzt kommt der kritische Punkt: die Story. Viele meinen, es gäbe davon zu wenig. Das ist nicht der Fall, es passiert ganz schön viel. Das Problem liegt woanders, ich habe es weiter oben, als es um John Connors Charakter ging, schon einmal angedeutet: Man hat das Gefühl, dass hier mehr hätte sein können. Oder besser: dass hier tatsächlich mehr war. Der Film ist, vor allem gegen Ende, stark gerafft und die Vermutung, dass geschnitten wurde, liegt mehr als nahe (dafür finden wir zum Beispiel im ersten Trailer einen handfesten Anhaltspunkt, Christian hat darüber geschrieben). Und gerade weil das ehedem wohl komplexere Script hier und da durchschimmert, mag man das Gefühl bekommen, es sei zu wenig Substanz vorhanden. Dass viele Fans so enttäuscht sind lässt sich somit also erklären. Es ist fast tragisch: Terminator Salvation ist nicht schlecht, allerdings sehen wir hier und da, dass er besser hätte sein können. Ich für meinen Teil warte auf die DVD und den wahrscheinlich folgenden Directors/Extended/wasauchimmer Cut, um mir ein abschließendes Urteil zu diesem Punkt zu bilden. Ob dieser dann allerdings das etwas schwache Ende aufbessern kann, bleibt abzuwarten.

Worüber ich mich besonders gefreut habe: Arnie. Wunderbarer Moment, mehr sage ich dazu nicht.

Fazit: Terminator Salvation ist ein guter und unterhaltsamer Action-Film, dem man leider hier und da anmerkt, dass mehr in ihm steckt, als die Kino Version hergibt. Ich gebe eine 7 von 10 (mit Aussicht auf eventuelle Korrektur nach einer längeren Version).

Und für alle, die den Film gerne an seinen Vorgängern gemessen sehen wollten: Salvation ist erstens ein anderes Genre (nämlich ein Kriegsfilm) und zweitens zu weit von der Story der ersten Teile entfernt, um fundiert mit ihnen verglichen zu werden. Aber ich ahne es, der Krieg hat eben gerade erst begonnen. Jetzt, wo den Mecker-Fans Handfestes zur Verfügung steht, können wir uns auf viel Geschrei und Geflame gefasst machen... Bleibt unvoreingenommen, geht ohne Scheuhklappen ins Kino. Wer diesen Film Dreck nennt, hat anscheinend keine Ahnung von dem, was uns sonst so auf der Leinwand präsentiert wird!

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