07.05.2009

Star Trek XI - die unvermeidliche Rezension


Das WWW - unendliche Weiten! Dies ist die Filmkritik eines alteingesessenen Star Trek TOS Fans über einen Film, der mit seiner Besatzung bestehend aus jungen und agilen Schauspielern seit heute in den deutschen Kinos unterwegs ist, um neue Konzepte für ein altes Fandom zu erforschen, neue Ideen und neue Universen. Star Trek XI dringt dabei in Galaxien vor, die man nach den eher schleppenden Entwicklungen der vergangenen Jahre im Franchise kaum noch zu sehen hoffte!
Vorsicht, im Folgenden werde ich nicht darum herum kommen einiges zu spoilern!

Wie lange habe ich auf diesen Moment gewartet! Ich sitze in Uniform im Kino, Phaser in der rechten, Kommunikator in der linken Hand und auf dem Bildschirm vor mir erscheinen die zwei magischen Worte, die mich seit meinem elften Lebensjahr begleiten: STAR TREK! In den folgenden zwei Stunden bin ich nicht ansprechbar, denn die rasante Kameraführung und die intensive Story ziehen mich direkt mitten hinein, in das Geschehen und ... GEHT DAS AB!
Es macht zu diesem Zeitpunkt sicher keinen, Sinn noch einmal auf die Story an sich einzugehen, das kann man überall sonst nachlesen, konzentrieren wir uns also auf die wichtigsten Punkte:

Ich bin, wie schon erwähnt Star Trek Fan und stelle deshalb spezielle Erwartungen an einen Star Trek Film. Am wichtigsten sind mir die Charaktere, denn das war schon immer Srar Treks große Stärke. Vor allem unter den Crewmitgliedern der TOS Enterprise herrschte eine ganz spezialle Dynamik, ohne die ein Reboot unmöglich gut sein kann. Vorherrschendes Element war hier die Freundschaft zwischen Kir, Spock und McCoy. In dieser Hinsicht wurde ich durch Star Trek XI nicht enttäuscht.

Ein großes Lob an alle beteiligten Darsteller! Hier fällt niemand negativ auf, im Gegenteil! Ganz traditionell bleiben Uhura (Zoe Saldana), Sulu (John Cho), Chekov (Anton Yelchin), McCouy (Karl Urban) und Skotty (The Peggster) gegenüber Spock (Zachary Quinto) und Kirk (Chris Pine) ein wenig im Hintergrund und es war zu befürchten, dass man sie vernachlässigen würde. Erleichtert darf ich feststellen, dass dies nicht der Fall ist, die Charaktere sogar besonders genau und liebevoll gezeichnet sind. Uhura zeigt sich so selbstbewusst und tough wie nie, Chekov ist alles andere als nur die russische Witzfigur und, geben wir es zu, ein ausklappbares Katana (will haben) steht Sulu fast besser als der altbekannte Degen. Allein von Scotty hätten wir gerne mehr gesehen (zumal Simon Pegg ein sehr fähiger Schauspieler ist, der sicher mehr aus der Rolle herausholen könnte) und mal ehrlich, was soll dieser seltsame Liliput-Sidekick? Besonders herausstellen möchte ich Karl Urban. In der deutschen Synchro (dazu später) fällt leider nicht auf, wie großartig er seine Rolle spielt und sich tatsächlich in Bones verwandelt. Dieser kurze Filmclip dürfte darüber ein wenig Aufschluss geben.

Zu Spock und Kirk: Im Vorfeld ist viel über Christ Pines schauspielerische Fähigkeiten gelästert worden. Ich frage mich warum, denn auf mich wirkte er als Kirk durchgehend authentisch und auch in emotional schwierigeren Szenen (nach dem Mindmelt mit Spock aus der Zukunft z.B.) souverän. Klar, er ist nicht William Shatner, aber mal ehrlich: The Shat is The Shat! Ihn zu kopieren hätte überhaupt keinen Sinn gemacht, Pine musste seinen eigenen Weg finden und vor allem James T. Kirk gerecht werden, das ist ihm zweifellos gelungen! Kommen wir zu Quinto, der den jungen Spock nicht nur mehr als überzeugend "wiederbelebt" sondern auch glaubhaft eine Romanze mit Uhura vermitteln kann, ohne den Charakter zu beschädigen. Was kann ich mehr sagen als: Glückwunsch Mr. Quinto, sie haben sich nicht nur selbst für diese Rolle ins Gespräch gebracht, sie haben sie auch noch bekommen und unsere Erwartungen übertroffen! Bravo!

"Was was was was was???!! Halt, halt, Sim, halt! Sagtest du... Spock, Uhura, Romanze?" Ja, das sagte ich. Und ja, auch ich war skeptisch. Sehr skeptisch. Überaus skeptisch. Ich weiß immernoch nicht, wie ich das finden soll. Allerdings muss man sich auch die Frage stellen: Warum nicht? Ich finde darauf keine Antwort. Und dass es sich hier um ein Verlegenheits-Love-Interest handeln soll kann ich auch nicht nachvollziehen, denn die Beziehung wird uns keineswegs aufdringlich oder gar störend präsentiert, ich hatte eher das Gefühl, dass die Charaktere dadurch positiv erweitert werden. Sicher ein Punkt, über den man streiten kann, allerdings müssen auch hartgesottene Fans zugeben, dass Mr. Spock auch in der alten Serie nie ganz ohne eine gewisse sexuelle Spannung dargestellt wurde.

Natürlich waren mir auch die Story und ihre Grundthemen wichtig. Star Trek hat immer darauf geachtet Entertainment und gewisse philosophische oder besser ethische Themen zu vereinen. Die Einstellung zum Menschen und seinem Umgang mit dem Unbekannten war hierbei vor allem positiv und die extremen Situationen, denen sich Kirk und Co stellen mussten, brachten immer das Beste in ihnen hervor, ohne allerdings auch die Abgründe menschlicher Existenz zu vernachlässigen. Ohne diesen Anspruch wäre ein TOS Reboot für mich nicht möglich. Und auch in diesem Punkt wurde ich nicht enttäuscht.

Die Story an sich ist spannend, effektgeladen und mitreißend, allerdings nicht ganz ohne Plotholes. Man könnte es zum Beispiel seltsam finden, dass Kirk natürlich genau auf den Eisplaneten transportiert wird, auf dem sich auch der alte Spock befindet, aber sollte dies der einzige Klasse M Planet in Reichweite Vulkans sein, macht das durchaus Sinn. Und dass sich hier dann auch noch ausgerechnet Scotty aufhält... Wenn man genau hinsieht, fallen eben doch einige große Zufälle und "Lücken" auf, ich verweise dazu auf meine Bemerkungen hier: Star Trek XI - ein zweiter Blick. (Huch, da merkt man ja, dass ich den Eintrag nochmal bearbeitet habe, wei schäbig von mir...)
Streiten kann man auch über die Kameraführung und die Inszenierung der Story an sich. Ja, es ist schnell. Dass ein Film sehr schnell ist merke ich immer daran, dass meine leider nicht mehr allzu frischen Kontaktlinsen Probleme machen und meine Augen anfangen zu tränen (gut, es gab zwei Momente, in denen das nichts mit den Linsen zu tun hatte, aber...). Ich kann verstehen, dass das einige Zuschauer stören wird, ein solches Tempo ist einfach Geschmackssache und vielleicht auch eine Frage des Alters (nicht falsch verstehen bitte, die Sehgewohnheiten haben sich über die letzten Generationen einfach sehr verändert!). Mich persönlich hat es nicht gestört. Vor allem weil der Film ruhige Momente an genau den richtigen Stellen setzt. Nichts wirkt gehetzt und es finden sich gleichzeitig keine Längen, eine sehr gute Mischung also. Es handelt sich um perfektes Entertainment, steht damit also ganz in der Tradition von Star Trek TOS. Der Film lässt praktisch keine Chance ihm zu entfliehen. Allein die ersten 10 Minuten sind atemberaubend!

Was die oben erwähnten philosophischen Grundthemen angeht, werden die Fan-Erwartungen nicht ganz befriedigt. Der Konflikt spielt sich hier hauptsächlich zwischen Kirk und Spock ab, es geht also um Freundschaft. Gut, das ist kein schlechtes Thema und entspricht dem Grundgedanken der Serie natürlich auch. Trotzdem vermisst man an einigen Stellen das moralische Bewusstsein, das Kirk trotz aller Prügeleien immer gezeigt hat. Nero nur kurz Hilfe anzubieten und, nachdem er diese abgelehnt hat, sein ohnehin in der Zerstörung begriffenes Schiff zu beschießen ist und bleibt untypisch. Kirk hätte die Besatzung trotz allem an Bord gebeamt und gerettet.
Die positive Grundeinstellung zum Wesen des Menschen finden wir allerdings mehr als deutlich wieder. Hier gibt es Helden, die sich aufopfern für ihre Mitmenschen oder eine Sache, die größer ist als sie, ohne dass wir mit einseitig-süßlicher Glorie und Pathetik erschlagen werden. Ich persönlich finde das sehr erfrischend, nachdem der SciFi die Zukunft zunehmend als absolutes Distopia zeichnet.
Grundlegend lässt sich feststellen: dieser Star Trek Film ist nicht so philosophisch tiefgehend, wie ihn sich eine Fans gewünscht hätten, aber auch nicht so flach, dass er zum hirnlosem Actionspektakel verkommt.

Kommen wir zu den letzen Punkten, die ich für erwähnenswert halte.
Den Score kann ich nur loben. Klingt sehr gut, geht ins Ohr und tut das, was gute Filmmusik eben tun soll: dem Zuschauer Gefühle und Stimmungen Vermitteln. Allein die Chöre gegen Ende sind vielleicht etwas zu übertrieben, dafür entschädigt aber der wunderbare Abspann, in dem wir endlich das altbekannte Vospann-stück und Leonard Nimoys Stimme mit dem berühmten Prolog hören dürfen.
Zur deutschen Synchro: joa. Wie man das so kennt. In Ordnung, aber nicht so gut, wie sie sein könnte. Ich habe allein bei diesem ersten Sehen drei Stellen entdeckt, an denen ich mir 100%ig sicher bin, dass im englischen etwas völlig anderes gesagt wird, das man auch vernünftig hätte übersetzen können. Was am meisten stört: Chekov. Ja, ja, wir wissen dass Chekov Russe ist, wow, er hat einen lustigen Akzent, toll. Der Synchronsprecher gibt sich damit vielleicht Mühe, versagt aber kläglich, es klingt leider etwas albern. Wer die Gelegenheit hat, sollte also auf jeden Fall das Original vorziehen (aber das wusstet ihr sowieso schon...).

Was die viel besprochenen Änderungen am Star Trek Universum angeht vielleicht noch dies: Die Geschichte des Star Trek Universums wird hier umgeschrieben, aber ich halte den Eingriff nicht für derart erschütternd. Sicher, die altbekannten Charaktere ändern sich und erhalten somit völlig neue Facetten und würden somit wohl auch einige TOS Abenteuer anders angehen (was ja nicht immer schlecht sein muss). Aber sonst... Was für einen Einfluss sollten diese Eireignisse zum Beispiel auf Picard haben? Nun gut, Vulkanier mögen das anders sehen... ich bin jedoch für die Devise: keine Panik, nur, weil hier die Timeline geändert wurde heißt das nicht, dass alles, was wir bisher an Star Trek geliebt haben nicht mehr gültig ist! Und wer so erschüttert ist, dass er sich darüber hinaus noch weiter trösten muss kann sich ja einen großen Zettel mit der Aufschrift: "Es ist nur ein Paralleluniversum!" an die Wand hängen...

Fazit: Ein gelungener Reboot! So haben wir Star Trek noch nicht gesehen und Star Trek Newbies wie auch alteingesessene Fans, die offen fur Neues sind, werden ihre helle Freude haben. Spannender Plot, eingehend geschriebene und geschilderte Charaktere, bombastische Action und eine Prise Humor ergänzen sich zu einem großartigen Film, der alte Tugenden wiederbelebt und neue Impulse für die Zukunft gibt! Star Trek ist wieder da und macht Lust auf mehr!
Ich gebe eine 8 von 10 für ein rasantes Kinoerlebnis.

Persönliches zum Schluss: Ja, an zwei Stellen kamen mir die Tränen. 1. Als die Enterprise zum ersten mal in ihrer Vollen Pracht erscheint, was für ein Schiff! Mein Schiff!!! 2. Als der Zukunft-Spock zum jungen Kirk sagt "Ich war und werde es immer sein: ihr Freund". Schnüff, trauriges Zitat!
Und: Leider waren nur wenige Zuschauer in Kostümen da, dafür dann aber recht aufwändig, Klingone in Vollmontur, Vulkanierinnen mit und ohne TOS Kleid, ein Jean Luc mit Glatze und und und. Da es sich um ein Event handelte (Cineman, Filme für echte Männer grunz grunz) wurde natürlich auch etwas verlost und ich wäre nicht ich, wenn ich da nicht gewinnen würde *hust*. Besitze nunmehr ein Star Trek XI Promo T-Shirt in Größe L, durfte natürlich auch nach vorne, um fotografiert zu werden und meinen Preis abzuholen und habe dabei, geistesgegenwärtig wie ich bin, dem Typen der "Ausziehen!" gerufen hat den Stinkefinger gezeigt. Und mit ihm dem ganzen Publikum. Souverän wie immer also...
Das war mein Abend! Live long and prosper!

Nachtrag: Eindrücke aus einem zweiten Blick im O-Ton findet ihr hier: Star Trek XI ein zweiter Blick

Kommentare:

  1. Wahnsinn - alles gesagt. "Nach vorne" mit V, sonst is alles Roger und entspricht meinem Abend ziemlich gut - auch bei uns gab's den unvermeindlichen Klingonen (leider nicht ich), der natürlich die Starfleetisten ein wenig abgehängt hat.

    Eins zwei Kritikpunkte hab ich in meinem Blog, will das hier aber nicht zu breittreten... ;-)

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  2. Wenn man auf den Raik klickt, kommt man zu seinem Blog und kann sich seine sehr schön verpackten Kritikpunkte durchlesen. Nur mal so... und: sry, ich bin mir bei vorne nie so sicher, weil ich jahrelang alles mögliche mit v geschrieben und davür dann dauernd einen auvs Dach gekriegt hab. Jetzt bin ich verwirrt und schreibe im zweivelsvall immer f... ;-)

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  3. ferdammt praktisch... ;-)

    PS: Dein Blog hat Stil - sobald ich weiß, wie und was, bringe ich auch Bilder rein und all dieses "neumodische Zeugs"... ^^

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  4. Danke für das Lob!

    Dazu kann sehr hilfreich sein: http://www.bloggerbuster.com/2008/04/complete-list-of-blogger-tutorials.html

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  5. Hallo,
    ich bin neu in der Star Trek Welt und habe soeben erst den 11. Film gesehen.
    Nun bin auf der Suche nach diesem Zitat. Mit welchem Spock abtritt nachdem Kirk ihn (nach einem Hinweis vom älteren Spock) emotional… (<- das Wort fehlt mir). Jedenfalls nachdem er ihn emotional fertig macht um ihn dazu zu bringen nach Paragraph 6… den Posten als Captain abtreten zu müssen weil er emotional… wurde.
    Kann mir ein erfahrener Trekie helfen?

    Vielen Dank 

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  6. Hm... den genauen Wortlaut habe ich leider nicht mehr im Kopf und finde da auch nach längerem Suchen online auch nichts zu. Sorry, musst wohl auf die DVD oder den nächsten Kinobesuch warten. ^^

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  7. trotzdem vielen Dank :)

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  8. Emotional korrumpiert oder indoktriniert???
    Könnte er sowas gesagt haben?

    heißt so viel wie:
    Die Gesamtsituation nicht mehr adäquat erfassen können.
    Kommt alles aus der Psychologie ;)!


    Ciao, Andreas

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  9. Wohl eher korrumpiert, obwohl indoktriniert sicher lustiger wäre. ^^ Die DVD kommt übrigens im November, spätestens dann wissen wir mehr.

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  10. Ich hab den Film nochmal gesehen udn die Lösüng dokumentiert: *trommelwirbel*

    Spock wurde emotional kompromittiert (also bloßgestellt)

    Vielen Dank nochmal
    Andreas war auch sehr nah dran

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  11. Ich finde der Film ist eine Beleidigung für jeden Star Trek Fan... Ein Jahre lang durchdachtes und sehr komplexes Star Trek Universum, in das sich bisher jeder Film und jede Serie logisch eingegliedert hat um dieses noch zu erweitern wird mit einem mal über Bord geworfen, um einen neuen Star Trek Film für die Massen zu machen. ich finde es geradezu skanadlös wie der Geist von Star Trek mit seiner Tiefgründigkeit gegen platte Action eingetauscht wird. Vom mir gibt für den Film 1 von 10 möglichen Punkte.

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  12. Also wenn du platte Action nicht magst: wie kannst du da die alte Serie gucken? Klar ist die im besten Sinne tiefgründiger SciFi, aber Action und Spaß für "die Massen" gehörte von Anfang fest zu Star Trek dazu. Von daher ist das schon eine gelungene Hommage...
    Ich stimme dir darin zu, dass der neue Film nicht so tiefgründig war, wie man es sich von einem Star Trek Film gewünscht hätte, aber deswegen ist er noch lange keine Beleidigung für jeden Star Trek Fan (sonst würden ihn ja nicht so viele Fans mögen). Kann deine Gründe aber durchaus verstehen.

    Ich glaube diese Review hier könnte dir ganz gut gefallen. Darin geht der Sprecher auf das Problem, das du ansprichst, recht ausführlich und gut durchdacht ein: http://thebrainbar.blogspot.com/2010/09/mr-plinkett-star-trek-review.html

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