08.02.2009

From Finchers button box...

Gestern abend waren Mila, Jenny, eine Freundin von Jenny, Christian et moi im Kino um "The curious case of Benjamin Button" zu sehen.
Wie viele wissen basiert der Film auf einer Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald und ist von Regisseur David Fincher, zwei sehr gute Gründe, ihn sehen zu wollen. Zumindest waren dies meine Hauptgründe, außer dem wollte ich den Film gesehen haben, der für soo viele Oscars nominiert ist.

Die Story brauche ich (glaub ich zumindest) nicht noch einmal erklären, hier ein Link zur Kurzgeschichte selbst: LINK. Und hier ein Link zum Trailer. That's that. Und auch mit dem Gelinke ist jetzt schluss.

Dieser Film mag für Fincher eher untypisch erscheinen, wer sich jedoch an Zodiac erinnert, wird von der eher ruhigen Grundstimmung, die uns hier erwartet, nicht überrascht. Fincher nimmt sich Zeit, was in Hinsicht auf die Thematik des Films durchaus Sinn macht.
Was an diesem Film vor allem hervorsticht, sind die visuellen Effekte. Ich habe noch nie einen Film gesehen, in dem die eigentlich jungen Schauspieler wirklich alt aussehen. Das muss unmengen an Geld und Zeit verschlungen haben, funktioniert aber so überragend, dass wir keinen Moment am Alter unserer Protagonisten zweifeln. Visual Effects Oscar: Check!

Wofür ist der Film außerdem nominiert?
Brad Pitt, Actor in a leading role. Hat meiner Meinung nach keine Chance. Pitt spielt Benjamin Button zwar glaubhaft, das ist allerdings nicht wirklich schwer. Wenig Text und zwei Drittel des Films mit dem Computer überarbeitet, das bietet einem Schauspieler nicht allzu viel Spielraum und da ich den Film leider nur auf Deutsch sehen konnte, kann ich die Stimm-Performance nicht gebührend analysieren. Trotzdem: so viel mehr kann sie aus der Rolle nicht herausholen, bedenkt man, dass Pitt für seine Stimme auch nicht besonders berühmt ist. Dass Kate Blanchet überhaupt nicht nominiert ist verwundert ebenfalls nicht allzu sehr, auch sie macht einen sehr guten Job, ist aber meist in den folgenden Drei Situationen zu sehen: sterbend (auch hier mit viel Makeup und Effekten), tanzend (Bodydouble) und einfach nur wunderschön aussehend (falls man das so sagen kann). Hier die Charakter-Darsteller-Fähigkeiten herauszukehren ist schwierig. Taraji P. Hanson ist für den Supporting Actress Oscar nominiert, wahrscheinlich verdientermaßen. Wahrscheinlich denn: Eine schwarze, vollblütige Mutterfigur aus New Orleans ist eben auch sehr stark über die Stimme charakterisiert, die ich ja wie gesagt nicht beurteilen konnte. Synchron-technisch leiden hier sicher alle Darsteller.
Ach ja: und bevor ich sie vergesse: Tilda Swinton spielt ja auch noch mit! Und ist einfach gut. Wie immer!

Art Direction, Cinematography, Film Editing und Directing sind ebenfalls verdiente nominierungen, vor allem letzteres. Sicher, die Bilder sind wunderschön komponiert, aber es ist vor allem Fincher, der mit seiner Erzählweise überzeugt. Er macht seinen Job eben gut, wie er das immer macht und wird der seltsamen Geschichte mehr als gerecht. Vor allem das Einbinden von Anekdoten weiß zu gefallen und einen Unfall zu zeigen, indem man ihn nicht zeigt, sorgen für Sequenzen, an die man sich gern erinnert. Von elegischen Sonnenuntergängen, und Seeschlachten über die Inszenierung einer glücklichen Beziehung und des Alterns bleibt Fincher souverän und man hat das Gefühl, dass es nichts gibt, was diesem Regisseur nicht liegt.

Costume Design, meiner Meinung nach auch hier ein heißer Anwärter auf den kleinen Goldmann. Da der Film fast ein Jahrhundert umspannt konnten sich die entsprechenden Desingern richtig austoben und zeigen die Mode in all ihren Facetten. Der Film schafft es generell, die Stimmung der speziellen Jahrzehnte zu evozieren, ohne dabei angestrengt zu wirken.
Zum Makeup kann ich nur auf die Visual Effects verweisen, die ohne die großartige Vorarbeit der Latex-Kleber und Leberfleckenmaler sicher nicht so beeindruckend gewesen wären, wie sie es jetzt zweifellos sind.

Dass der Score seine Nominierung verdient hat ist für mich unzweifelhaft. Wer will kann das ja einfach mal auf Youtube überprüfen. Sicher, die Stücke sind sehr ruhig, stehen aber durchaus für sich. Kann man also auch ohne Film genießen.

Writing (adapted Screenplay). Hier kommen wir zum interessantesten Teil. Was für eine seltsame Geschichte, kurios könnte man fast sagen. Und was möchte sie uns mitteilen? Zum einen finden wir hier eines von Finchers Hauptmotiven wieder: Mach aus deinem Leben, was du willst (aber mach was draus). Ob du alt oder jung bist ist egal. Vor allem der Umgang mit dem Alter ist in diesem Film bemerkenswert. Da, Benjamin in einem Altersheim aufwächst, wird auch der Zuschauer mit den Gebrechlichkeiten, aber auch den Freuden des Alters konfrontiert. Das Lebensede ist der Ausgangspunkt einer Reise in die Erinnerung. Das Thema Rückblick ist allgegenwärtig und über viele kleine und liebenswerte Nebencharatkere werden uns sehr verschiedene Lebenswege aufgezeigt. Am Ende erkennen wir, dass hinter jedem Menschen eine Geschichte steckt, es viele kuriose Fälle gibt und vor allem: keine Regel.
Schaut man sich Fitzgeralds Kurzgeschichte an, fällt einem auf, dass hier wirklich nur die Grundgeschichte übernommen wurde, viel dazugedacht und geändert. Dass der Film für einen adapted Screenplay Oscar nominiert ist, scheint technisch zwar richtig, aber trotzdem irgendwie... falsch. Wenn man allerdings ein bisschen mehr von Fitzgerald gelesen hat, wird man dessen Grundstil und Stimmung auch in Finchers Film wiederfinden. Solche Dinge sind etwas schwer zu beschreiben, sagen wir, dass Fincher es trotz aller Abänderungen geschafft hat, Fitzgeralds Geist einzufangen. Das klingt doch schon besser.

Abschließend kann ich nur empfehlen, diesen Film zu sehen, denn er ist wirklich gut und hat mir eine Nacht voller seltsamer Träume vom Rückwärts-Altern und Straßenbahnfahren in New Orleans verschafft. Ich werde ihn mir auf jeden Fall noch einmal ansehen, dann aber auf DVD und im Original. Imdb User vergeben eine 8.4 und voten den Film auf die 107 von 250.
Ich gebe eine 8,0, und weise darauf hin, dass dieser Film einen nicht notwendigerweise begeistern wird. Viele beklagen sich über Längen und etwas zu starke Symbolik. Mir ging es nicht so, am Ende spielt sicher auch der Geschmack eine Rolle. Der Film wird den kundigen Kinogänger aber auf jeden Fall durch seine Qualität überzeugen. Begeisterung ist, wie gesagt, etwas anderes.

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